Ausstellung Die bizarre Knetgummi-Welt von Djurberg & Berg

Von Sabine Mahr

Vor rund 15 Jahren haben die Künstler Natalie Djurberg und Hans Berg begonnen, die Kunstwelt mit bizarren Knetanimationen zu bereichern. Erotisch aufgeladene Horror-Videos, die mit den Helden aus den Wallace-und-Gromit-Produktionen oder aus Tim-Burton-Filmen nur wenig zu tun haben. Jetzt zeigt die Frankfurter Schirn eine große Werkschau der noch jungen Künstler, die nach Stationen in Schweden und Italien erstmals in Deutschland zu sehen ist.

Ein Reich der Fantasievögel

Sie haben pinkfarbene Kugelaugen aus Plastilin, grüne Drahtschnäbel oder rotgelbe Federkleider aus Papier und Stoff: Rund 80 papageienartigen Fantasievögel, manche bis zu zwei Meter hoch, bevölkern derzeit die große Ausstellungshalle der Frankfurter Schirn.

Auf den ersten Blick wirkt die Installation bunter Pappfiguren des schwedischen Künstlerduos „Djurberg&Berg“ wie der Aufmarsch eines Streichelzoos.

asdf

Menschliche Gesichter, eine Verkörperung des Bösen

Kuratorin Katharina Dohm über die Vogelskulpturen: „Im ersten Moment kommen sie ganz bunt und hübsch daher. Schaut man sie dann nochmal genauer an, sieht man, manche sind ganz im Streit, kämpfen miteinander, schauen ganz böse, haben fast menschliche Gesichter.“

Ausstellung Videokunst von Djurberg & Berg in der Frankfurter Schirn

It’s the Mother (Foto: Schirn Kunsthalle Frankfurt - Foto: Nathalie Djurberg & Hans Berg / VG Bild-Kunst, Bonn 2018)
Tabubrüche menschlicher Fabelwesen vor idyllischer Kulisse ziehen sich als Prinzip durch die ambivalenten Animationsfilme von Djurberg und Berg. Etwa in einem Video mit Knetfiguren, in dem sich ein Geistlicher an einer nackten Frau vergeht.Auf dem Bild: Nathalie Djurberg & Hans Berg, It’s the Mother, 2008. Stop motion animation, video, music, 6:00 min. Schirn Kunsthalle Frankfurt - Foto: Nathalie Djurberg & Hans Berg / VG Bild-Kunst, Bonn 2018 Bild in Detailansicht öffnen
Im Garten mit fleischigen Kunstpflanzen geschehen furchtbare Dinge. So wird etwa eines von drei nackten Stoffweibern grausam gerupft und gekocht. Die Garteninstallation selbst brachte den Künstlern 2009 einen Silbernen Löwen in Venedig ein.Auf dem Bild: Nathalie Djurberg & Hans Berg, Installation view "The Experiment" at Moderna Museet 2018. Schirn Kunsthalle Frankfurt - Foto: Åsa Lundén / Moderna Museet / Nathalie Djurberg & Hans Berg / VG Bild-Kunst, Bonn 2018. Bild in Detailansicht öffnen
Ein Kind, das in den Mutterleib zurückklettert. Kopulierende Stofftiere im Kinderzimmer, wurmbefallene Körper, die zu Skeletten werden. Damit verschiebt sich die Genregrenze der Knetfigurenanimation, traditionell eine Domäne des Amateur- und des Kinderfilms.Auf dem Bild: Nathalie Djurberg & Hans Berg, Open Window, 2011, Stop motion animation, video, music, 5:54 min. Schirn Kunsthalle Frankfurt - Foto: Nathalie Djurberg & Hans Berg / VG Bild-Kunst, Bonn 2018. Bild in Detailansicht öffnen
Natalie Djurberg selbst begann, vom Kunststudium in Malmö enttäuscht, als Hobbyfilmerin: „Ein Freund zeigte mir, wie eine Super-8-Kamera funktioniert und langsam lernte ich damit umzugehen, lernte ich das Medium.“Auf dem Bild: Nathalie Djurberg & Hans Berg. Berlin, Germany. Schirn Kunsthalle Frankfurt - Foto: David Neman Bild in Detailansicht öffnen
Aber ist das alles auch Kunst? Natalie Djurberg: „Anfangs hätte ich das niemals Kunst genannt. Das kam erst später, als ich mir die Frage gestellt habe: Warum kann ich eigentlich nicht damit aufhören? Warum muss ich immer wieder ein neues Video machen?“Nathalie Djurberg & Hans Berg, Worship, 2016, Stop motion animation, video, music, 8:26 Min., Courtesy Lisson Gallery. Schirn Kunsthalle Frankfurt - Foto: Nathalie Djurberg & Hans Berg / VG Bild-Kunst, Bonn 2018 Bild in Detailansicht öffnen
Das Thema des unbewussten Drangs, der geheimen Obsession zeigt sich auch in den unergründlichen elektronischen Klängen, die Hans Berg für jede Produktion komponiert. Speziell für die umfassende Überblicksausstellung mit 40 Werken hat sich das Künstlerduo, das sich in Berlin kennenlernte, sogar an ein neues Medium gewagt: eine Virtual-Reality-Produktion.Auf dem Bild: Nathalie Djurberg & Hans Berg, Florentin, 2004, Stop motion animation, video, music, 3:36 min. Schirn Kunsthalle Frankfurt - Foto: Nathalie Djurberg & Hans Berg / VG Bild-Kunst, Bonn 2018. Bild in Detailansicht öffnen
Kuratorin Katharina Dohm über diese Virtual-Reality-Produktion: „Man kann aus dem Wald in die Hütte hineintreten. Altbekannte Motive und Protagonisten tauchen auf wie zum Beispiel der Wolf, der in der Hütte sitzt und auf den Besucher wartet, der mit ihm tatsächlich interagieren kann.“Nathalie Djurberg & Hans Berg, We Are Not Two, We Are One, 2008, Stop motion animation, video, music, 5:33 min. Schirn Kunsthalle Frankfurt - Foto: Nathalie Djurberg & Hans Berg / VG Bild-Kunst, Bonn 2018 Bild in Detailansicht öffnen
Mit VR-Brille auf dem Kopf kann der Besucher dem Wolf nicht nur Zigaretten und Feuerzeug reichen, sondern durch das Anklicken eines mysteriösen Vogelkäfigs wiederum in eine erotisierte Albraumwelt abdriften.Auf dem Bild: Nathalie Djurberg & Hans Berg, The Mad Tea Party, 2004, Stop motion animation, video, music, 3:58 min. Schirn Kunsthalle Frankfurt - Foto: Nathalie Djurberg & Hans Berg / VG Bild-Kunst, Bonn 2018 Bild in Detailansicht öffnen
In der Tat ist es aber der reale Spaziergang durch die Tier- und Pflanzenskulpturen, der zusammen mit den abgründigen Animationsfilmen und der rätselhaften Musik für den besonderen Sog der Ausstellung sorgt.Auf dem Bild: Nathalie Djurberg & Hans Berg, One Need Not Be a House, The Brain Has Corridors, 2018, Stop motion animation, 8:18 Min. Schirn Kunsthalle Frankfurt - Foto: Nathalie Djurberg & Hans Berg / VG Bild-Kunst, Bonn 2018 Bild in Detailansicht öffnen
Djurberg und Berg in der Schirn: Ein verstörende und zugleich anziehende Werkschau – allerdings tatsächlich nur für Erwachsene.Auf dem Bild: Nathalie Djurberg & Hans Berg, Greed, 2009, Stop motion animation, video, music, 10:45 min. Schirn Kunsthalle Frankfurt - Foto: Nathalie Djurberg & Hans Berg / VG Bild-Kunst, Bonn 2018 Bild in Detailansicht öffnen

"Djurberg & Berg" in der Schirn Kunsthalle Frankfurt, vom 28. Februar bis zum 26. Mai 2019.

STAND