Ausstellung „Fertig? Los!“ im Mannheimer Technoseum Die Geschichte von Sport und Technik

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von Annette Lennartz

Das Technoseum in Mannheim präsentiert auf 8000 Quadratmetern ab den 8. November 2018 die Sonderausstellung „Fertig? Los!“. Es geht um die Verbindung von Technik und Sport. Das Spektrum reicht von den High-Tech-Geräten der Fitnessstudios bis hin zur Pulsuhr, die die Schritte, Kalorien und Herzschläge misst. Umstritten aber durchgesetzt: Der Videobeweis im Fußball. Sport ohne Technik ist fast nicht mehr denkbar.

Auf roter Laufbahn durch die Ausstellung

Auf einer aufgemalten roten Aschenbahn geht es durch die Ausstellung. Schließlich steht der Besucher sogar in einem kleinen Stadion, kann Bundesligaspiele auf Großleinwand verfolgen und sich dabei als Fernsehkommentator versuchen, in einer richtigen Sprecherkabine.

Von Siegen zu Rekorden

Aber das allererste Ausstellungsstück auf dem Rundweg, das stammt aus der Antike. Es ist eine griechische Amphore, zweieinhalbtausend Jahre alt. Mit Öl gefüllt war sie einmal eine Siegertrophäe.

„Die antiken Griechen waren sicher ähnlich sportbegeistert wie wir das heute sind, aber ganz deutlich unterscheiden sich die sportlichen Wettkämpfe dadurch, dass Leistungen nicht so genau gemessen wurden, wie wir das heute tun.“ meint Kurator Alexander Sigelen.

Bilder aus der Ausstellung im Technoseum Mannheim "Fertig? Los! Die Geschichte von Sport und Technik"

"Kinderski mit Stöcken", 1910 bis 1940. Leihgeberin: Dr. Constanze Pomp. Ausstellung: "Fertig? Los! Die Geschichte von Sport und Technik", Technoseum 2018 (Foto: TECHNOSEUM, Mannheim - Klaus Luginsland)
"Kinderski mit Stöcken", 1910 bis 1940. Leihgeberin: Dr. Constanze Pomp. TECHNOSEUM, Mannheim - Klaus Luginsland Bild in Detailansicht öffnen

Der moderne Sport kommt aus England

In der Antike ging es nur um den Sieg, nicht um Rekorde, um Zeit, Weite oder Höhe. Heute ist das jedoch zentral. Diese neue Sportlichkeit kommt aus England und begann vor 200 Jahren, erklärt Sigelen: „Das, was sich dann seit dem 18./19. Jahrhundert in England als moderner Sport etabliert hat, dieser reglementierte Sport nach Konkurrenz, Prinzipien, das war zunächst eine Bewegung von Männern aus der Oberschicht.“

Sport, diese englische Vokabel wird in vielen Sprachen aufgenommen und steht für mehr als Leibesübung und Leistungsvergleich. Es geht um ein sehr genaues Regelwerk und immer stärker um Selbstoptimierung, kurz um: Höher, schneller, weiter. Dazu braucht es Messgeräte.

Sport-Technik zum Anfassen und Ausprobieren

Von der ersten Sport-Stoppuhr aus dem Jahr 1840 bis hin zu der digitalen Ziellinienkamera, die mit 30.000 Bildern in der Sekunde den Zieleinlauf dokumentieren kann, sind im Technoseum Mannheim zahlreiche Instrumente zu sehen. Einige dürfen ausprobiert werden: die Florett-Weste, die Treffer beim Fechten zählt und auch die Ziellinienkamera. Das ist dem Kurator sehr wichtig: „Wir wollen Technik nicht nur erklären, sondern begreifbar machen und das gilt erst recht für das Thema Sport“

Messen zur Selbstoptimierung

Viele Geräte wurden für die Medizin entwickelt, dann vom Leistungssport übernommen und mittlerweile ist Messtechnik natürlich in den Alltagssport übergegangen, sagt Sigelen, denn: „wenn man an die Pulsuhren denkt und die tragbaren Messgeräte, die man heute nutzen kann, dann ist der Leistungssportgedanke vielleicht ein bisschen von der Konkurrenz mit anderen weg auf die Leistung der Selbstoptimierung des Körpers übergegangen, und das wollen wir mit den Besuchern ein wenig reflektieren.“

Video: Ein erster Blick in die Ausstellung

Dauer

Sportkorsett vorgeschrieben

Ab 1900 durften auch langsam die Frauen mitsporteln. Ein extra Frauen-Sportkorsett mussten damals die Turnerinnen anziehen. Alexander Sigelen meint, dass die aktive Teilnahme der Frauen am Sport auch ein wichtiger Faktor der Gleichberechtigung war, den sich die Frauen erkämpft haben, denn: „Noch Ende des 18. Jahrhunderts war das stark umstritten, ob Mädchen turnen dürfen.“

Material wichtiger als Sportler?

Ein großes Thema bildet die Optimierung der Sportgeräte. Beim Stabhochsprung wird das ganz deutlich. Am Anfang war der Stab aus Holz, dann kam der etwas biegsamere Bambus, dann leichtes Metall und heute wird der Sportler mit einem Fiberglasstab regelrecht über die Latte katapultiert. Räder, Skier, Bob, Speer, alles wird leichter, besser. Karbon spielt eine große Rolle. Ein riesiger Technikschub auch beim Motorsport und spätestens da stellt sich die Frage – ist die Technik nicht bereits wichtiger als der Sportler?

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