Festival Kultur und Finnland in Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg Skurrile Fotokunst aus Finnland

Von Annette Lennartz

Die Rhein-Neckar-Region bietet das erste finnische Kulturfestival, mit Filmen und Musik, Literatur, Streetart und sogar einem Zirkus. Im Zentrum: zwei Kunstausstellungen im Kunstverein Ludwigshafen und im Port 25 in Mannheim. Unter dem Titel "Considering Finnland" zeigen sie Foto- und Videokunst voller Skurrilität und Selbstironie.

Finnland: Menschen, die in der Natur verschwinden

Menschen, mit der Natur verwachsen. Da taucht ein Frauenkopf aus dem See auf, ihr Kopf geschmückt mit großen grünen Blättern. Um die Natur geht es den Fotokünstlern und -künstlerinnen, die im Ludwigshafener Kunstverein ihre Werke ausstellen.

Wer hat die Macht? Der Mensch über die Natur - oder umgekehrt?

Um die Ecke das genaue Gegenteil: Große Findlinge, einzeln verpackt und gestapelt in einem riesen Hochregallager, wie bei Ikea.

Laura Irvi vom Finnland-Institut Berlin: "Wer hat hier die Macht? Der Mensch wahrscheinlich, der die Natur abstellt und zum Verkauf bereitlegt. Auf der anderen Seite zeigen die Werke von Riitta Ikonen und Karoline Hjorth eine Natur, die die Vorherrschaft übernimmt. Der Mensch wird eins mit der Natur, verschwindet darin eigentlich."

Sexualität in selbstironischer Betrachtung

Finnland hat nur fünf Millionen Einwohner und erlebte geraden den heißesten Sommer seit 100 Jahren. Über die Nöte der Inselbewohner, die ihre Idylle bedroht sehen, hat ein Künstlerteam zusammen mit den Einwohnern mehrere Science Fiction Filme gestaltet. Ihre Videos sind in Ludwigshafen zu sehen.

In der zweiten Ausstellung, im Mannheimer Kunsthaus Port 25, stehen der Mensch und seine Sexualität im Mittelpunkt. Krasse, ungewöhnliche Fotos. Kuratorin Stefanie Kleinsorge: "Das mussten wir nicht lange suchen. Das sind alles Künstler, die sehr bekannt sind in Finnland. Das lag sozusagen auf der Straße."

Exhibitionismus als Provokation

Vor Ort hat die Kuratorin zum Beispiel die Selbstinszenierungen von Iiu Susuraja ausgesucht. Die übergewichtige Künstlerin fotografiert sich und ihre Leibesfülle so exhibitionistisch, wie es heute in Facebook und Instagram üblich ist.

Bei ihr gerät das zur Provokation – sie verkörpert die Kehrseite des schönen perfekten Menschen.

Nackte Männer im Wald - mit Penisverkleidung

Kenneth Bamberg stellt, ziemlich witzig, die Männlichkeit in den Mittelpunkt. Er hat Männer gebeten, sich eine schöne Hülle für ihren Penis zu basteln und sie dann damit nackt im Wald fotografiert.

Stefanie Kleinsorge: "Wenn Sie dieses riesige Rohr sehen, aus dem es dann Wasser spritzt und dann denjenigen sehen, der sich das große Rohr vor seinen Penis gesetzt hat, dann sind das vielleicht Wünsche, die da zum Ausdruck kommen - oder es ist eben auch Ironie in der Inszenierung."

Finnische Kulturszene in der Rhein-Neckar-Region

Die beiden Ausstellungen in Ludwigshafen und Mannheim sind Teil eines ganzen Festivals, das dort und in Heidelberg noch bis zum 25. November zu erleben ist.

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