Ausstellung in der Schirn Kunsthalle Frankfurt Die monströsen Skulpturen von Bruno Gironcoli

Von Martina Conrad

In Österreich ist er fast so berühmt wie Gustav Klimt. In Deutschland ist der 2010 verstorbene Künstler Bruno Gironcoli dagegen fast unbekannt. Das will die Schirn Kunsthalle in Frankfurt ändern und zeigt erstmals außerhalb von Österreich sechs monumentale Skulpturen, „Prototypen einer neuen Spezies“. Das klingt utopisch und ist es auch.

Bruno Gironcoli in der Frankfurter Schirn Prototypen einer neuen Spezies

Ohne Titel, 1996 (Foto: Schirn Kunsthalle Frankfurt - Foto: The Estate Bruno Gironcoli / Hans Christian Krass)
Die Maschinenmenschen von Bruno Gironcoli könnten gut ins Filmvokabular von George Lucas passen. Sie ähneln großen Kampfrobotern oder Vernichtungsmaschinen aus der Star Wars Saga. Allerdings fehlt ihnen die Beweglichkeit. Vier Meter große Blöcke und Scheiben ruhen auf Stützen. Aus ihnen wachsen überall spiralförmige Ornamente und im Nichts endende Auswüchse.Bruno Gironcoli, Ohne Titel, 1996, Eisen, Holz, Kunststoff, 460 x 220 x 410 cm, Gironcoli Museum, Herberstein. Schirn Kunsthalle Frankfurt - Foto: The Estate Bruno Gironcoli / Hans Christian Krass Bild in Detailansicht öffnen
Auf jeden Fall spiegeln diese Prototypen – so hat sie Gironcoli selbst bezeichnet – Ängste. Wo bleibt der Mensch in mechanisierten Zeiten? Ersetzen Roboter auch die Eltern? Ein kleines Stück Autobiografie versteckt sich hier: die Mutter hat die Familie verlassen, als Bruno Gironcoli elf Jahre alt war. Die jetzt in Frankfurt gezeigten Prototypen sind alle aus dem Spätwerk, nach 1965 entstanden. Über vier Meter hoch und vier Meter lang erscheinen die silbernen, goldenen und kupferfarbigen Skulpturen massiv und schwer.Bruno Gironcoli, Figur mit großen Scheibenformen und Spitzköpfen sowie zwei (nicht ausgeführten) Spiralformen, 1986-1990 / 1995, Eisen, Holz, Kunststoff, 300 x 245 x 210 cm, Gironcoli Museum, Herberstein. Schirn Kunsthalle Frankfurt - Foto: The Estate Bruno Gironcoli / Hans Christian Krass Bild in Detailansicht öffnen
Doch der Eindruck täuscht – Gironcolis Skulpturen wiegen nicht mehr als 200 Kilo, sind zusammengesetzt aus Holz, Polyester und Metall, überzogen mit einfacher glänzender Baumarktfarbe. „Trotzdem hat es etwas, als käme es gerade frisch aus dem Reagenzglas“, so Schirn-Direktor Philipp Demandt, „diese fließende Form und die glänzenden Oberflächen. Gironcolo ist ja ursprünglich Goldschmied. Er kommt aus der angewandten Kunst. Und das durchzieht eigentlich das ganze Oeuvre.“Bruno Gironcoli, Ohne Titel (Detail), 1996, Eisen, Holz, Kunststoff, 460 x 220 x 410 cm, Gironcoli Museum, Herberstein. Schirn Kunsthalle Frankfurt - Foto: The Estate Bruno Gironcoli / Hans Christian Krass Bild in Detailansicht öffnen
Wo kommt diese spezielle Art der Kunst noch her? Es gibt kaum Vergleichbares in der Kunstgeschichte. Allenfalls das triadische Ballett von Oskar Schlemmer könnte bei einer spitzbeinigen, mit Scheiben geschmückten Skulptur Pate gestanden haben. Auch hier hilft ein Blick in die Biografie. Bruno Gironcoli, 1936 in Villach geboren, studiert Kunst in Wien. In Paris entdeckt er Giacometti und ist fasziniert von Samuel Beckett. Dessen erster Roman „Murphy“ inspiriert ihn besonders.Auf dem Bild: Bruno Gironcoli in seinem Atelier, Kurzbauergasse, Wien, 1997. Schirn Kunsthalle Frankfurt - Foto: Architekturzentrum Wien, Sammlung / Margherita Spiluttini Bild in Detailansicht öffnen
Die in Becketts Werk ausgedrückte Weigerung, sich festgelegten Regeln zu unterwerfen, spiegelt sich auch in Gironcolis Werk. Außerdem spielt die Nähe zum Wiener Aktionismus mit Günter Brus und Hermann Nitsch noch eine Rolle. Leider zeigt die Schirn nur diese sechs futuristischen Giganten von Bruno Gironcoli, keine Arbeiten der frühen Jahre. Ein wenig hilft dem Besucher in der Ausstellung eine ausführliche Vita mit Fotos. Ebenso wie eine kostenlose Wifi-Führung für das Smartphone.Bruno Gironcoli, Ohne Titel, 2001, Eisen, Holz, Kunststoff, 230 x 260 x 230 cm, Gironcoli Museum, Herberstein. Schirn Kunsthalle Frankfurt - Foto: The Estate Bruno Gironcoli / Hans Christian Krass Bild in Detailansicht öffnen
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