Ausstellung Alex Katz mit "Bigger is Better" in Koblenz

Von Martina Conrad

Noch nie wurden die Coca-Cola-Girls von Alex Katz in einer Ausstellung gezeigt. Museumsdirektorin Beate Reifenscheid vom Ludwig Museum in Koblenz hat den 92-jährigen Künstler in seinem New Yorker Atelier besucht und mit ihm rund 45 teils großformatige Prints und Leinwandbilder aus 30 Schaffensjahren für die Koblenzer Ausstellung ausgesucht. Der Titel der Gesamtschau: „Bigger is better“.

Ludwig Museum Koblenz Bilder zur Ausstellung Alex Katz: "Bigger Is Better"

Vivien X 5 (Foto: Ludwig Museum Koblenz - Foto: Alex Katz; Lococo Fine Art Publisher / VG Bild-Kunst, Bonn 2019)
„Bigger is better“ – auch der Titel der Ausstellung stammt von Alex Katz selbst. „Das fanden wir sehr charmant“, sagt Museumsdirektorin Beate Reifenscheid und schmunzelt. Der heute 92-jährige Künstler lebt und arbeitet nach diesem Credo. Das flächige Halbprofil einer Frau erscheint wie eine Plakatwand.Auf dem Bild: Alex Katz, Vivien X 5, 2018. Ludwig Museum Koblenz - Foto: Alex Katz; Lococo Fine Art Publisher / VG Bild-Kunst, Bonn 2019 Bild in Detailansicht öffnen
Alex Katz gilt als ein früher Vertreter der Popart, bereits in den 1950er Jahren, als der Großteil der Künstler der Abstraktion huldigte, wandte er sich der Figur zu. Seine Bilder von Menschen und Landschaften erscheinen uns heute wie Filmstills oder Werbeplakate.Auf dem Bild: Reflection, 2010. Ludwig Museum Koblenz - Foto: Alex Katz; Lococo Fine Art Publisher / VG Bild-Kunst, Bonn 2019 Bild in Detailansicht öffnen
Zwar suggeriert uns der Künstler bei seinen Figuren und Frauenporträts Individualität, aber durch den flächigen Farbauftrag nivelliert er diesen Eindruck wieder. Keine Falte, keine Narbe, nichts Individuelles prägt diese sogenannten Porträts, die aber nichts über den gesellschaftlichen Stand oder das Alter der Person aussagen.Auf dem Bild: Alex Katz, Chance I (Anne), 2017. Ludwig Museum Koblenz - Foto: Alex Katz; Lococo Fine Art Publisher / VG Bild-Kunst, Bonn 2019 Bild in Detailansicht öffnen
Beate Reifenscheid: „Es sind eher ikonische Bilder. Manchmal sind es Porträts von Frauen, die aus seinem unmittelbaren Umfeld stammen oder Models. Aber sie werden klassisch dargestellt wie bei den alten Griechen. Ein spannender Spagat zwischen New Yorker Lifestyle-Gefühl – alles ist sonnig und leicht, wie am Strand – und einer Klassizität, die er den Porträts noch einmal dazu gibt.“Auf dem Bild: Alex Katz, Ariel, 2016. 26-color silkscreen on Saunders Waterford, High White, 425 gsm fine art paper, 86 x193 cm. Ludwig Museum Koblenz - Foto: Alex Katz, Lococo Fine Art Publisher / VG Bild-Kunst Bonn, 2019 Bild in Detailansicht öffnen
Alex Katz befasst sich vorwiegend mit seinem nächsten Lebensumfeld, immer wieder erscheint seine Frau Ada als Modell. Sein Haus in Main verbirgt sich in einem Birkenwald, sodass man zuerst glaubt, es sei ein abstraktes Gemälde.Auf dem Bild: Alex Katz, Purple Hat, 2017. Ludwig Museum Koblenz - Alex Katz; Lococo Fine Art Publisher / VG Bild-Kunst, Bonn 2019 Bild in Detailansicht öffnen
Im Mittelpunkt der Ausstellung aber steht die Serie der Coca-Cola-Girls. Auf rund 18 Arbeiten mit dem typisch cocacola-roten Hintergrund ist eine blonde Frau in weißem Ballettanzug zu sehen. Makellos schön wie eine Göttin der Werbebranche hat sie Alex Katz im vergangenen Jahr zu seiner Idealfigur erhoben.Auf dem Bild: Alex Katz, Coca-Cola Girl 1, 2019, 102 x 127 cm. Ludwig Museum Koblenz - Foto: Alex Katz; Lococo Fine Art Publisher / VG Bild-Kunst, Bonn 2019 Bild in Detailansicht öffnen
Aber im Gegensatz zu den Popart-Künstlern der 1960er Jahre fragmentiert Katz seine Ikone, zeigt mal nur ein Brustbild ohne Kopf, Füße ohne Beine oder drei mal das Gesicht in Serie.Auf dem Bild: Alex Katz, Coca-Cola Girl 2, 2019, 102 x 153 cm. Ludwig Museum Koblenz - Foto: Alex Katz; Lococo Fine Art Publisher / VG Bild-Kunst, Bonn 2019 Bild in Detailansicht öffnen
Damit verweist er zum einen auf das Serielle der Popart wie etwa die Campbell-Dosen von Warhol. Zum anderen aber bricht er mit der Konsumgesellschaft, in der alles auf den ersten Blick erkennbar sein muss. Auch die knallige Farbigkeit ist nur eine Illusion. Obwohl Rot oder Blau, Schwarz oder Lila monochrom erscheinen, druckt Katz doch oft mit 25 verschiedenen Druckstöcken.Auf dem Bild: Alex Katz, Summer Flowers, 2018. Ludwig Museum Koblenz - Foto: Alex Katz; Lococo Fine Art Publisher / VG Bild-Kunst, Bonn 2019 Bild in Detailansicht öffnen
„Katz macht kleine farbige Skizzen, oft nicht größer als ein DINA5 Block“, so Beate Reifenscheid. „In seinem Atelier hat er kleine Holztäfelchen auf einem riesigen Tisch liegen, auf denen man die ganze Bandbreite seiner Farbmodulation sieht. Die setzt er dann tatsächlich in den Druck um. Ein faszinierendes Verfahren, denn dabei muss man extrem präzise sein.“Auf dem Bild: Alex Katz, Purple Wind, 2017. Ludwig Museum Koblenz - Foto: Alex Katz; Lococo Fine Art Publisher / VG Bild-Kunst, Bonn 2019 Bild in Detailansicht öffnen
Alex Katz druckt selbst. Er lässt nicht drucken wie einst Warhol oder Rauschenberg. Die Koblenzer Ausstellung zeigt Alex Katz mit aller Affinität zur Popart, zugleich als Künstler, der zwischen Abstraktion und Figuration steht und dessen Bilder eine unvergleichliche Art der Allgemeingültigkeit haben. Beate Reifenscheid bringt es auf den Punkt: „Alex Katz ist einer der großen monolithischen Künstler, an denen man nicht vorbeikommt.“Auf dem Bild: Alex Katz, 10:30 AM, 2010. Ludwig Museum Koblenz - Foto: Alex Katz; Lococo Fine Art Publisher / VG Bild-Kunst, Bonn 2019 Bild in Detailansicht öffnen
Dauer

"Alex Katz: Bigger is Better" im Museum Ludwig in Koblenz, vom 10. März bis zum 28. April 2019.

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