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Ausstellung im Augustinermuseum Freiburg Faszination Norwegen

Von Astrid Tauch

Das touristisch hochattraktive Norwegen ließ sich einst kaum bereisen, war bitterarm, verfügte weder über Bahnlinien noch Kreuzfahrtschiffe. Bilder norwegischer Künstler seit Anfang des 19. Jahrhunderts vermitteln einen prägenden Eindruck dieser Zeit, zu sehen in der Ausstellung "Faszination Norwegen" im Freiburger Augustinermuseum, darunter auch Lithografien des wohl berühmtesten norwegischen Künstlers Edvard Munch.

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Bilder der Ausstellung im Augustinermuseum Freiburg

Faszination Norwegen

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Norwegen, Anfang des 19. Jahrhunderts: ein reines Agrarland, dünn besiedelt, arm, kaum Infrastruktur. Künstler wie Johan Christian Dahl müssen im Ausland studieren, in Norwegen selbst gibt es keine adäquaten Ausbildungsstätten.

Das kommt dem Rest Europas zugute, denn die Künstler aus dem hohen Norden malen ausschließlich Abbilder ihrer Heimat. So auch Dahl, ein Freund des damals noch gänzlich unbekannten Caspar David Friedrich. Dahls Bilder von majestätischen Fjordlandschaften, pittoresken Wasserfällen und gewaltigen Gebirgsketten begeisterten die Kunstwelt.

Im Bild: Johan Christian Dahl, Schiffswrack an der Küste Finnmarks, 1847

Norwegen, Anfang des 19. Jahrhunderts: ein reines Agrarland, dünn besiedelt, arm, kaum Infrastruktur. Künstler wie Johan Christian Dahl müssen im Ausland studieren, in Norwegen selbst gibt es keine adäquaten Ausbildungsstätten.

Das kommt dem Rest Europas zugute, denn die Künstler aus dem hohen Norden malen ausschließlich Abbilder ihrer Heimat. So auch Dahl, ein Freund des damals noch gänzlich unbekannten Caspar David Friedrich. Dahls Bilder von majestätischen Fjordlandschaften, pittoresken Wasserfällen und gewaltigen Gebirgsketten begeisterten die Kunstwelt.

Im Bild: Johan Christian Dahl, Schiffswrack an der Küste Finnmarks, 1847

„Die Landschaftsmalerei war lange nicht sehr angesehen“, sagt Tilmann von Stockhausen, Direktor des Freiburger Augustinermuseums. „Es beginnt erst im frühen 19. Jahrhundert an der Akademie Düsseldorf und Dresden, dass man sich mit Landschaft beschäftigt, und dann mit einer wilden und interessanten Landschaft. Und wo findet man die? In den Alpen und in Norwegen.“

Die Natur wird romantisch verklärt und dominiert das Bild. Menschen und von Menschen gebaute Hütten oder Boote sind reine Staffage, sie verstärken nur den Eindruck von der Monumentalität der Landschaft.

Im Bild: Georg Anton Rasmussen, Ein norwegischer Fjord im Sommer, ohne Datum

Johan Christian Dahl löste einen Reiseboom aus, unter norwegischen Künstlern, aber auch unter deutschen. Sie begannen Norwegen zu entdecken und zu malen.

So brach Christian Morgenstern, Großvater des berühmten Dichters, 1827 von Hamburg auf und bereiste monatelang das Land. Im heimischen Atelier malte er gigantische Wasserfälle, die von dunklen Felswänden herabstürzen, oder tosendes Wasser, von schwarzen Granitblöcken begrenzt. In den Bildern liegt eine ungeheure Dramatik.

Im Bild: Christian Morgenstern, Wasserfall Haug Foss, 1827/28

Der Norweger Peder Balke wiederum schuf Mondlandschaften, die durch die Lichtverhältnisse - nächtlicher Himmel, aus dem Meer aufsteigender Mond - eine fast sakrale Atmosphäre hervorrufen. Diese Sicht auf die Natur verändert sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts: sie ist weniger romantisch verklärt.

„In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sucht man eher ein authentisches Bild von Norwegen zu prägen“, erzählt Ulrike Wolff-Thomsen, Leiterin des "Museums Kunst der Westküste" auf der Insel Föhr, mit der das Augustinermuseum bei dieser Ausstellung zusammenarbeitet. „ Nichtsdestotrotz ist es auch ein idealisiertes Bild. Über diese Bilder gab es auch eine Sehnsucht, in dieses Land zu reisen. Das führt hin bis zu den Nordlandfahrten von Kaiser Wilhelm II., der jährlich dorthin reiste.“

Im Bild: Peder Balke, Strand im Mondschein, um 1843/44

Es ist eine Win-Win-Situation: Die Bilder entfachen eine große Skandinavien-Begeisterung, kurbeln den Tourismus an. Der bringt Geld ins Land. Kreuzfahrtschiffe, Straßen und Eisenbahnnetze werden gebaut. Nicht nur den Künstlern verschafft dieser Boom einen gewissen Wohlstand, sondern auch dem Land. Norwegen löst sich 1905 von Schweden, parallel bricht die Kunst in die Moderne auf.

Edward Munch, der berühmteste norwegische Maler und vielleicht der unglücklichste, musste viele Schicksalsschläge verkraften. Mit fünf starb die Mutter, dann die Schwester, der Vater litt an Wahnvorstellungen. Alkoholexzesse, unglückliche Liebesbeziehungen - Munch verarbeitete die Seelennöte in seinen Bildern.

Im Bild: Edvard Munch, Fischer am Wasser, 1881

In der Graphischen Sammlung des Augustinermuseums zeigt sich noch eine andere Seite Munchs: sein Humor. Während eines Sanatorium-Aufenthaltes 1908 in Kopenhagen zeichnete er eine Serie, die er "Alpha und Omega" nannte: Mann und Frau auf einer Insel. Er liebt sie, sie liebt ihn und dazu noch alle anderen Wesen der Insel. Das Ganze endet natürlich mit Mord und Totschlag.

Munch fügte auch Karikaturen von Zeitgenossen in diese Zeichnungen ein. "Sie haben einen Witz, den man sonst im Werk von Munch nicht vermuten würde", erzählt Ulrike Wolff-Thomsen. Ein kleines, dickes Schweinchen trägt die Gesichtszüge des wenig geliebten Kunstkritikers - auch das ein echter Munch. Die Kunstgeschichte ist nach der großartigen Schau in Freiburg um einige Facetten reicher!

Im Bild: Edvard Munch, Omega und das Schwein, 1908/09

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