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"Ausgetrunken!" | Historische Trinkgefäße im Landesmuseum Mainz Zum Austrinken zu schade

Am 28.6.2018 von Sina Weinhold

Zum Trinken gehört immer ein Trinkgefäß? Kulturgeschichtlich war es ein weiter Weg bis zu dieser scheinbaren Selbstverständlichkeit. Die kunstvolle Entwicklung von Trinkgefäßen zeigt das Mainzer Landesmuseum in einer sorgfältig gemachten Ausstellung: „Ausgetrunken! Trinkgefäße von der Steinzeit bis zum Jugendstil“.

Anfänge des Trinkens: Von der hohlen Hand zur Birkenrinde

Die Archäologin Ellen Riemer vermutet, dass man aus der hohlen Hand, aus Birkenrindengefäßen oder Holzgefäßen getrunken hat. Irgendwann waren die Menschen in der Lage ein haltbares Gefäß herzustellen.

Fingerspuren auf jahrtausendealten Bechern

Die ältesten, erhaltenen Gefäße aus dem Großraum Mainz, wurden per Hand aus Ton gefertigt und stammen aus der Mitte des 6. Jahrtausend vor Christus. Man kann auf diesen Bechern Fingerspuren erkennen.

Außerdem gibt es Becher aus dieser Zeit, die bereits stilvoll mit Zickzacklinien und einfachen Mustern verziert sind, die mit einem spitzen Werkzeug in den noch feuchten Ton geritzt wurden. Kunsthandwerk, das bereits damals über den reinen Gebrauchswert der Gefäße hinausging.

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Trinkgefäße von der Steinzeit bis zum Jugendstil in Mainz

Zu schön zum Austrinken

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Trinkhorn aus der Römerzeit.

Trinkhorn aus der Römerzeit.

Weingläser vom Typ "Römer". Der Begriff ist seit dem 15. Jahrhundert überliefert. Die Gläser sind aus deutscher Produktion. Grünlich eisenoxidhaltiger Quarzsand bestimmt die molekulare Struktur und die Färbung.

Kunstvolle Stengelgläser. Das Glas rechts ist aus der Zeit um 1900 und wurde hergestellt in der Kristallfabrik Theresienthal.

Auch Trinkgefäße für heiße Getränke zeigt die Mainzer Ausstellung: Schokolade, Tee und Kaffee waren Luxusgüter, die erst im 17. Jahrhundert nach Europa importiert und für das eigenes Geschirr entwickelt wurde. Hier: Teekanne aus Steingut, Kaffeekannen aus Silber und Zinn.

Kaffee oder Tee? Die Tülle der Kanne oben oder unten, der Henkel an der Seite oder auf der anderen Seite der Tülle, wie heute üblich? Was das für den Geschmack des Getränks bedeutete, haben die Kunsthandwerker im Laufe der Zeit herausgefunden.

Service mit bunten Landschaften aus der Porzellanmanufaktur Höchst, um 1765.

Glaskunst der Römer in knalligen Farben

Richtig in Serie gehen konnte die Töpferware mit der Erfindung der Drehscheibe. Es ist erstaunlich, wie wenig sich die mehr als 2.000 Jahre alten Gefäße von heutiger Töpferware unterscheiden: Zeitloses, funktionales Design.

Ganz anders dagegen die Glaskunst der Römer, die den wertvollen Werkstoff gerne opulent gestalteten. Ellen Riemer: "Knallige Farben, dunkel kobaltblau, dunkelbraun. Aber der Geschmack ändert sich im Laufe des ersten Jahrhunderts. Da gibt es halt jetzt dieses zartgrünliche, zartbläuliche Glas – und erst im 4. Jahrhundert ändert sich das wieder. Da kommen wieder verstärkt bunte Gläser auf. Oder man liebt es auch, auf dieses grünliche Glas farbige Glasnuppen in Blau und Dunkelbraun zu setzen."

Ausgetrunken! Trinkgefäße von der Steinzeit bis zum Jugendstil

Weingläser "Römer", Begriff ist seit dem 15. Jahrhundert überliefert

Klassischer „Römer“: Mit Quarzsand grüngefärbtes Glas

Die grünliche Farbe stammt übrigens vom eisenoxidhaltigen Quarzsand, aus dem das Glas hergestellt wurde. Trotz der Erfindung von farblosem Glas kennzeichnet die grüne Farbe bis heute den „Rheinwein“.

Denn beim weltweiten Handel von elsässischen, pfälzischen und Rheingauer Weinen hatten die Händler aus Mainz oder Frankfurt auch immer die heimischen, grünlichen Trinkgläser mitgeliefert. Der „Römer“, ein Markenzeichen bis heute.

Ausgetrunken! Trinkgefäße von der Steinzeit bis zum Jugendstil

Service mit bunten Landschaften aus der Porzellanmanufaktur Höchst, etwa 1765.

Kaffee wurde anfangs aus der Untertasse getrunken

Auch Trinkgefäße für heiße Getränke zeigt die Mainzer Ausstellung: Schokolade, Tee und Kaffee waren Luxusgüter, die erst im 17. Jahrhundert nach Europa importiert und für das eigenes Geschirr entwickelt wurde.

Teekannen aus Steingut, Kaffeekannen aus Silber und Zinn und natürlich Porzellan. Die Henkeltasse mit Untertasse wurde erfunden. Ellen Riemer erinnert daran, dass der Kaffee anfangs aus der Tasse in die Untertasse gegossen und dann daraus getrunken wurde - damit das Getränk nicht mehr so heiß war.

Sorgfältig gemachte Ausstellung

„Ausgetrunken! Trinkgefäße von der Steinzeit bis zum Jugendstil“ ist eine sorgfältig zusammengestellte Ausstellung, die man vorzugsweise im Rahmen einer Führung erkundet. Und mithilfe der aufwendig gestalteten Informationsblätter, die - passend zum jeweiligen Thema - neben den Ausstellungsvitrinen liegen. Die wirklich interessanten Geschichten hinter dem Objekt erschließen sich so am besten.


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