Kunst

Ausgebremst: So schwierig ist Kunst studieren im Lockdown

STAND
AUTOR/IN

Ein Kunststudium lebt in besonderem Maße vom persönlichen Austausch zwischen Studierenden und Lehrenden über die künstlerische Arbeit. Doch das ist zur Zeit kaum möglich. Die Kunstakademie Karlsruhe konnte inzwischen immerhin ihre Ateliers und Werkstätten für ihre Studentinnen und Studenten wieder öffnen. Allerdings lässt das strenge Hygienekonzept kaum Raum für spontane Kreativität. „Wenn wir nicht ins Atelier können, sind wir keine richtigen Kunststudentent“, berichten Studierende an der Kunstakademie Karlsruhe über den schwierigen Studienalltag im Lockdown.

Audio herunterladen (4,1 MB | MP3)

Studierende auf sich selbst gestellt

Das schwierigste sei, sich selbst jeden Tag aufs Neue zu motivieren und die Energie hochzuhalten, sagt Anna Köpnick. Die Meisterschülerin von Marcel van Eeden ist fast fertig mit ihrem Studium an der Kunstakademie in Karlsruhe.

Sie betrachtet den Lockdown schon mal als eine Art Vorgeschmack auf die Zeit nach ihrem Abschluss, wenn sie als Künstlerin auf sich selbst gestellt sein wird. Immerhin darf Anna Köpnick seit ein paar Wochen wieder in ihr Atelier in der Akademie. „Das ist Gold wert, denn wenn wir nicht ins Atelier können, sind wir keine richtigen Kunststudenten“

Ideen müssen spontan sein dürfen

Denn wenn die Ideen kommen, müssen sie auch umgesetzt werden, sagt Anna Köpnick. Genau das ist auch das Problem mit den jetzt verkürzten Öffnungszeiten und dem eingeschränkten Zugang zu den Ateliers und Werkstätten in der Akademie.

Man muss sich dort jetzt eine Woche vorher anmelden: Doch voraus planen, wann man kreativ sein kann, das funktioniert nicht, sagt Anna Köpnick. Deswegen ist sie froh, dass sie sich, mit finanzieller Hilfe ihrer Eltern, ein eigenes Atelier in der Stadt anmieten konnte.

Not macht auch erfinderisch

So isoliert sie sich im Moment auch fühlt, eigentlich sind ja alle da, sagt die Kunststudentin – und alle haben die gleichen Sorgen. Deswegen sei es wichtig, sich mit den anderen Studierenden wenigstens online regelmäßig zusammen zu schalten und über Projekte und Probleme zu sprechen.

Manchmal entstehen dabei auch kreative Ideen: so wie die Comics, die sie gemeinsam gezeichnet haben, jeder malt eine Szene und reicht den Skizzenblock dann weiter.

Bildhauen in der Studentenbude?

Jorgen May studiert Bildhauerei bei Stefan Balkenhol. Für ihn ist die Arbeitssituation noch schwieriger. Denn seine großformatigen, antropomorphen Skulpturen sind aus Gips, Stahl, Wachs und Holz. Die kann er in seiner kleinen Studentenwohnung gar nicht ausführen.

Auch ihm fehlt der Austausch mit den Studienkollegen und Ateliernachbarn und natürlich das Feedback der Dozenten. Der Rektor der Kunstakademie Karlsruhe, Harald Klingelhöller, hat größtes Verständnis für die schwierige Situation seiner Studierenden.

Besondere Herausforderungen für ausländische Studierende

Klingelhöller selbst bietet regelmäßig persönliche Einzelbesprechungen in der Akademie an, um den Kontakt zu ihnen nicht zu verlieren. Doch gerade für die Studienanfängerinnen und -anfänger sei die momentane Situation sehr belastend.

Besonders für diejenigen, die aus dem Ausland ganz neu nach Karlsruhe gekommen sind und noch kaum Kontakte knüpfen konnten. Ein Student aus Korea habe sein Studium deswegen jetzt leider abgebrochen, erzählt der Rektor der Kunstakademie.

„Die meisten Dozenten sind online in Kontakt mit ihren Studenten. sagt Harald Klingelhöller. Doch das Kunststudium lebe in besonderem Maße von Erfahrungs- und Gedankenaustausch, der nicht einfach ins Netz verlegt werden könne. „Es ist nicht der Sinn des Studiums, so zu tun als könnte die dingliche Welt einfach so transferiert werden in Onlineformate. Das ist Krisenmanagement, aber nicht das, was das Studium leisten sollte.“

Gespräch Preis des Deutschen Architekturmuseums für „Werk12“ in München

„Ein geradezu visionäres Gebäude“ sagt Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums Frankfurt, über das Werk12 in München. Der mehrstöckiger Glasbau mit Außentreppe, der vielfältig genutzt werden kann, erhält den Preis des Deutschen Architekturmuseums 2021. Im Untergeschoss befinde sich eine Gin-Bar, in den Obergeschossen das modernste Fitnessstudio in ganz München. Besonders auffällig seien die lautmalerischen Leuchtschriftzüge an der Außenfassade. Sie seien inspiriert von den Lautmalereien aus Donald Duck, erklärt Peter Cachola Schmal im Gespräch mit SWR2.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Literatur Wild und rebellisch – Social Beat im Stuttgarter Literaturhaus

Die amerikanischen Beatniks Kerouac, Ginsberg und Burroughs waren prägend für eine Generation junger Autorinnen und Autoren, die Anfang der 1990er Jahre den etablierten Literaturbetrieb in Deutschland zum Beben brachten. In einer wilden Mischung aus Punk, Underground-Popliteratur und spontanen Events formierte sich der Social Beat, der im Südwesten eine besondere Rolle spielte, wie eine Ausstellung im Stuttgarter Literaturhaus zeigt.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

STAND
AUTOR/IN