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Aufgebrochene Rollenklischees – die Kunsthalle Mannheim zeigt die Ausstellung „Mutter!“

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Mit ihr beginnt das Leben eines jeden Menschen auf der Welt: mit der Mutter! Doch wie sich die Beziehung zu ihr dann weiterentwickelt, ist höchst unterschiedlich. Die Vorstellungen, wie eine gute Mutter sein sollte, das Idealbild einer Mutter, hat sich im Laufe der Geschichte immer wieder verändert, und damit auch die Bilder, die Künstlerinnen und Künstler von Müttern gestaltet haben.

Mal verherrlichend, mal realistisch, mal kritisch hinterfragend zeigt die Kunsthalle Mannheim jetzt in Kooperation mit dem Louisiana Museum of Modern Art in Dänemark in einer breit angelegten Ausstellung, welch unterschiedliche Sichtweisen und Bilder von Müttern es in der Kunstgeschichte bis in die Gegenwart gibt

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Maria, die christliche Übermutter

Dieric Bouts: Madonna mit Kind, nach 1454 (Foto: Pressestelle, SMK, Dänische Nationalgalerie)
Dieric Bouts: Madonna mit Kind, nach 1454 Pressestelle SMK, Dänische Nationalgalerie

Ihr Blick ruht voll Liebe und Gelassenheit auf dem kleinen Kind, das sie vorsichtig in ihren Händen hält. Hinter ihr und dem Kind erstrahlt alles in glänzendem Gold. Friede, Ruhe und Geborgenheit gehen von dem kleinen Marien-Gemälde des Renaissance-Künstlers Dieric Bouts aus. Maria, die christliche Übermutter - ein Idealbild, das auch heute noch nachwirkt.

Die Künstlerin Ulrike Rosenbach dagegen hat in den 70er-Jahren zu Pfeil und Bogen gegriffen und für eine Videoarbeit ein Madonnen-Bild mit Pfeilen beschossen. Und ihre Kollegin VALIE EXPORT ersetzt in einer Fotoarbeit das Jesuskind einfach durch einen Staubsauger, den eine selig lächelnde Frau an ihre Brust drückt.

VALIE EXPORT (1940-) 21 Ohne Titel, 1976 Schwarz-Weiß-Fotografie, 60 × 43,5 cm (Foto: Pressestelle, Courtesy VALIE EXPORT)
VALIE EXPORT (1940-) 21 Ohne Titel, 1976 Schwarz-Weiß-Fotografie, 60 × 43,5 cm Pressestelle Courtesy VALIE EXPORT

Die amerikanische Pop-Diva Beyoncé ist da weniger emanzipiert, sie inszenierte sich 2017 nach der Geburt ihrer Zwillinge wie eine Madonna im Rosenhag  – was ihr Rekord-Klickzahlen in den sozialen Netzwerken, aber auch Kritik einbrachte.

Mutter oder Künstlerin?

Unter die Haut geht die autobiografische Arbeit der finnischen Künstlerin Elina Brotherus, die jahrelang versuchte, schwanger zu werden, mit medizinischer Hilfe, und die Versuche in einer Fotoserie dokumentierte. Auf dem letzten Bild der Serie trägt sie einen Hund wie ein Baby im Arm und zeigt der Kamera den Stinkefinger.

Elina Brotherus: Mein Hund Ist Süßer Als Dein Hässliches Baby, 2013 (Foto: Pressestelle, Elina Brotherus/ VG Bild-Kunst, Bonn 2021)
Elina Brotherus: Mein Hund Ist Süßer Als Dein Hässliches Baby, 2013 Pressestelle Elina Brotherus/ VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Mutter oder Künstlerin? Vor dieser Frage standen viele Künstlerinnen, beides schien lange Zeit unvereinbar – und ist noch heute schwierig. Die französische Turner-Preisträgerin Laure Prouvost ist vor kurzem Mutter geworden und hat für die Ausstellung in der Mannheimer Kunsthalle ein raumgreifendes, riesiges Muttertier geschaffen, das durchaus bedrohlich wirkt.

 

Laure Prouvost: MOOTHERR, 2021 Courtesy die Künstlerin, Galerie Nathalie Obadia (Paris, Brüssel), carlier | gebauer (Berlin, Madrid) und Lisson Gallery (London, New York, Shanghai) (Foto: Pressestelle, Kunsthalle Mannheim: Elmar Witt)
Laure Prouvost: MOOTHERR, 2021 Courtesy die Künstlerin, Galerie Nathalie Obadia (Paris, Brüssel), carlier | gebauer (Berlin, Madrid) und Lisson Gallery (London, New York, Shanghai) Pressestelle Kunsthalle Mannheim: Elmar Witt

Gegenwartskunst und gesellschaftspolitische Aspekte als Schwerpunkt

Dass Mutterschaft und Mutter-Rollenbilder keine privaten, sondern gesellschaftspolitische Themen sind, die alle angehen, zeigen die kleinen Themen-Inseln der Ausstellung, die sich zum Beispiel mit der Einführung der Antibaby-Pille und dem Paragrafen 218 auseinandersetzen. Denn es sind schließlich auch die gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen, die bestimmen, wie das Leben als Mutter verläuft.

Es ist eine der Stärken der Ausstellung, dass sie nicht in der Kunstgeschichte schwelgt, sondern ihren Schwerpunkt vor allem auf die Gegenwartskunst legt und gesellschaftspolitische Aspekte aufgreift.

Weitere Bilder aus der Ausstellung:

Cindy Sherman, Untitled, 1990 (Foto: Pressestelle, Cindy Sherman, Courtesy the artist and Hauser & Wirth)
Cindy Sherman, Untitled, 1990 Pressestelle Cindy Sherman, Courtesy the artist and Hauser & Wirth Bild in Detailansicht öffnen
Egon Schiele: Tote Mutter I, 1910 Pressestelle Leopold Museum, Wien Bild in Detailansicht öffnen
René Magritte: Der Geist der Geometrie, ca. 1936 Pressestelle René Magritte, The Estate of Magritte/ VG Bild-Kunst, Bonn 202 Bild in Detailansicht öffnen
Pablo Picasso: Mutterschaft, 1971 Musée national Picasso, Paris Pressestelle bpk / RMN-Grand Palais Musée national Picasso, Paris / Adrien Didierjean Bild in Detailansicht öffnen
Jean Paul Goude: Die Grace Jones Show: Konstruktivistisches Umstandskleid, New York, 1979 In Zusammenarbeit mit Antonio Lopez © Jean-Paul Goude Pressestelle Kunsthalle Mannheim: Elmar Witt Bild in Detailansicht öffnen
Installationsansicht MUTTER! Pressestelle Kunsthalle Mannheim, Elmar Witt Bild in Detailansicht öffnen
Petrit Halilaj, Es ist das erste Mal, meine Liebe, dass du eine menschliche Form annimmst (Diptychon 1 – Ohrring) Privatsammlung Pressestelle Kunsthalle Mannheim: Elmar Witt Bild in Detailansicht öffnen
Peter Hujar: Ethyl Eichelberger in einer Fashion Pose, 1981 Pressestelle Courtesy The Peter Hujar Archive og Pace Gallery, New York Bild in Detailansicht öffnen
Direktor der Kunsthalle und Kurator der Ausstellung Johan Holten Pressestelle Kunsthalle Mannheim: Elmar Witt Bild in Detailansicht öffnen

Beim Verlassen der Ausstellung trifft man im Foyer auf eine Zettelwand, die Yoko Ono initiiert hat: jede und jeder kann dort kleine Botschaften und Gedanken zum Thema „Mutter“ hinterlassen. Viele Herzchen und Blumen sind da schon vor der Eröffnung der Ausstellung aufgemalt. Mal sehen, welche Assoziationen die Besucherinnen und Besucher später, nach dem Ausstellungsrundgang, dort hinterlassen.

Ausstellung „MUTTER!” | Kunsthalle Mannheim Johan Holten über „Mother’s Legs” von Kaari Upson

In der Mannheimer Ausstellung sieht man Mütter mal als Heilige, mal als riesenhafte Spinne oder wie in der Installation "Mother’s Legs". Hier sind es einfach nur noch Beine, die sie darstellen sollen. Ariane Binder spricht mit Johan Holten über das Werk von Kaari Upson.  mehr...

Kunscht! SWR Fernsehen

Ausstellung „MUTTER!” | Kunsthalle Mannheim Johan Holten über eine Installation von Yoko Ono

Eine ganze Wand voller Briefe zeigt die Installation von Yoko Ono. „Eine Einladung von Yoko Ono (…) „Briefe, Nachrichten an unsere Mütter“ zu schreiben, so Johan Holten .  mehr...

Kunscht! SWR Fernsehen

Gespräch Ausstellung „Mindbombs“ in der Kunsthalle Mannheim: Kritischer Umgang mit Terrorismus in der Kunst

Die Ausstellung „Mindbombs“ zeige keine Propaganda und keine Bilder, die direkt von terroristischen Akten stammen, stattdessen würde der künstlerische Filter genau über diese Bildpolitik gelegt, betonte der Kurator der Schau, Sebastian Baden, in SWR2. „Es ist der Versuch, alle Facetten der Instrumentalisierung des Kampfbegriffs Terrorismus darzustellen“.
Man könne den Terrorismusbegriff so wie wir ihn verwenden, eigentlich nicht verwenden, „weil es immer darum geht, das Andere zu brandmarken“, kritisierte Baden. „Auch wenn es um politische Gewalt geht, möchten wir zeigen, dass die Komplexe dahinter wirklich vielseitig sind und man immer unterschiedliche Perspektiven beleuchten muss“. Just dies versuche die Kunsthalle Mannheim zu tun und wolle damit erreichen, den Besuchern und Besucherinnen einen Werkzeugkoffer mit nach Hause zu geben, damit sie kritischer und aufmerksamer auf Bilder schauen können. „Man lernt in der Schule lesen, aber Bilder betrachten, das ist eben Aufgabe des Museums“, so Baden.
Grundsätzlich sei das Verhältnis der Kunst zum Terror tatsächlich ambivalent, räumte Baden ein. Er selbst spreche in diesem Zusammenhang vom „Stockhausen“ Syndrom. Sein Haus zeige in der Ausstellung „Mindbombs“ allerdings ausschließlich Künstler und Künstlerinnen, die kritisch mit dem Terrorismusbegriff umgingen, vor allem mit dem ideologischen Hintergrund.
Im Zentrum stünden Arbeiten, die von Eduard Manets Exekution Kaiser Maximilians in Mexiko über Gerhard Richters Arbeit zu 9/11 bis hin zu Henrike Naumann, die sich in ihrer Kunst u. a. mit einem Reichsbürger aus Schwetzingen beschäftigt habe. Damit spanne die Ausstellung den Bogen vom sozialrevolutionären über den rechtsextremen bis hin zum religiös motivierten Terrorismus.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Ausstellung „Kopfsalat“: Optische Phänomene im TECHNOSEUM Mannheim

Wenn in unserem Gehirn etwas durcheinander geht, dann haben wir manchmal einen regelrechten „Kopfsalat“. Genau den will ganz bewusst das Mannheimer Technoseum anzetteln: In der gleichnamigen Ausstellung „Kopfsalat“  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Kunst Ein gemeinsamer Blick auf die Vergangenheit: Die Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen und ihr Digitalisierungsprojekt

In den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen wurde eine Stelle geschaffen, um die umfangreichen Afrikasammlungen zu digitalisieren und international sichtbar zu machen. Besetzt wurde die Stelle mit einem Wissenschaftler aus Togo.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

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