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Wie lebt und arbeitet es sich in diesem einzigartigen Experimentierfeld am Stuttgarter Nordbahnhof? Das erzählt uns die Künstlerin Gabriela Oberkofler. Eine von weit über 100 Kunstschaffenden, die aktuell auf dem Areal beheimatet sind. Sie war von Anfang an dabei – erst in der Container-City, jetzt in ihrem neuen Atelier in den sanierten Wagenhallen.

Dort gedeiht seit zwei Jahren ihr neuestes künstlerisches Forschungsprojekt „Api étoilé – ein wachsendes Archiv“. Dabei geht es – kurz gesagt – um das Verhältnis von Mensch und Nutzpflanzen und um neue Formen des Zusammenlebens… oder: Was können menschliche Gesellschaften von Pflanzengemeinschaften lernen?

Gabriela Oberkofler in ihrem Atelier im Kunstverein Wagenhalle (Foto: SWR, SWR / Katja Schalla)
„Ich möchte Künstlerin und Bäuerin gleichzeitig sein“, sagt Gabriela Oberkofler (hier in ihrem Atelier im Kunstverein Wagenhalle). Die Pflanzenwelt ist schon lange ihr Thema, denn Pflanzen haben „ganz besondere Kommunikationssysteme“, „die auf die Gesellschaft übertragbar sind“, wie sie sagt. SWR / Katja Schalla Bild in Detailansicht öffnen
Vor ihrem neuen Atelier in den Stuttgarter Wagenhallen trocknet der Mais – Teil ihres künstlerischen Forschungs-Projekts, an dem sie seit zwei Jahren arbeitet. SWR / Katja Schalla Bild in Detailansicht öffnen
Es geht um den Wert alter Nutzpflanzen, die Erhaltung der Vielfalt – und: Wie die Pflanzenwelt unsere Gesellschaft revolutionieren könnte. (Gabriela Oberkofler: Pflanzenpalaver, Tusche Auf Papier, Zeichnung, 20 x 30 cm) (c) Gabriela Oberkofler Bild in Detailansicht öffnen
„Die Initialzündung dieses Projektes war eigentlich die Trump-Wahl in Amerika“, sagt Gabriela Oberkofler. Sie hatte damals das Gefühl, dass „alles auseinander driftet“. (Gabriela Oberkofler am Obermaurer Hof, Jenesien) (c) Gabriela Oberkofler Bild in Detailansicht öffnen
„Die Menschen sind nicht mehr in der Lage aufeinander zuzugehen. Aber die Pflanzen sind in der Lage aufeinander zuzugehen, weil Pflanzen ganz spezielle Überlebensstrategien haben, von denen der Mensch lernen könnte.“ (Gabriele Oberkofler) (Gabriela Oberkofler: Pflanzenpalaver, Tusche Auf Papier, Zeichnung, 20 x 30 cm) (c) Gabriela Oberkofler Bild in Detailansicht öffnen
Pflanzen kooperieren, kommunizieren und wehren sich ganz ohne chemische Pflanzenschutzmittel, gegen Schädlinge. Davon erzählt Gabriela Oberkoflers Arbeit „Pflanzenpalaver“. (Gabriela Oberkofler: Pflanzenpalaver, Tusche Auf Papier, Zeichnung, 20 x 30 cm) (c) Gabriela Oberkofler Bild in Detailansicht öffnen
Alte Sorten verschwinden zunehmend. Vereine wie „Arche Noah“ und engagierte Kleinbauern bemühen sich um den Erhalt und die Verbreitung alter Kulturpflanzen. Gabriela Oberkofler hat einige von ihnen besucht – und dort alte Samen für ihr eigenes Projekt gesammelt. (Gabriela Oberkofler: Pflanzenpalaver, Tusche Auf Papier, Zeichnung, 20 x 30 cm) (c) Gabriela Oberkofler Bild in Detailansicht öffnen
Etwa beim Südtiroler Bauern Harald Gasser vom Aspingerhof in Barbian. Sein Credo: „Was auf dem Teller zusammenpasst, passt auch auf dem Feld zusammen“. (c) Gabriela Oberkofler Bild in Detailansicht öffnen
In ihrer Heimat Südtirol will Gabriela Oberkofler auf dem „Taberhof“ einen Garten anlegen, der wie eine Experimentierstation funktionieren soll. „Institut für Alternative Landwirtschaft, zeitgenössische Kunst und Leben in der Peripherie“, hat sie es genannt. (c) Gabriela Oberkofler Bild in Detailansicht öffnen
Gabriela Oberkoflers Vision: Eine Welt im Gleichgewicht - ein vernetztes System von Pflanze, Tier und Mensch. Bevor ihre Arbeiten nach Südtirol gehen, sollen sie ab Mitte Mai in der „Villa Merkel“ in Esslingen zu sehen sein. (hier mit Irina Zacharias (l.) auf dem Blattenhof in Maxhütte-Haidhof) (c) Gabriela Oberkofler Bild in Detailansicht öffnen

Gabriela Oberkofler hat dafür unter anderem viele Interviews geführt, mit Bergbauern und Gärtnerinnen, Expertinnen und Hobbyzüchtern. Samen alter Sorten aus aller Welt gesammelt. Gepflanzt, gezeichnet, protokolliert und inszeniert.

Am Ende steht eine Ausstellung in der Esslinger „Villa Merkel“ und die Utopie eines besseren Zusammenspiels von Mensch und Natur. Warum die gebürtige Südtirolerin sich den Pflanzen und Lebensmitteln in all ihrer Vielfalt verschrieben hat? Vielleicht ist daran die „Weiber-Wirtschaft“ schuld, aus der sie stammt. Ein Besuch in ihrem Atelier.

Porträts Lernen Sie die Kulturfrauen im Südwesten kennen!

Sie leiten Ausstellungshäuser, Kulturzentren und Archive, sind Meisterinnen auf ihrem Instrument, Designerinnen, Choreografinnen und sind — nicht nur am internationalen Frauentag — Vorbild für andere Frauen und Männer. Sie sind Netzwerkerinnen, forschen, setzen außergewöhnliche Konzepte um und sind kreativ – sie sind Kulturfrauen im Südwesten. In der Reihe #Kulturfrauen präsentiert SWR2 die spannenden Biografien dieser Frauen, die das Kulturleben in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ausmachen und bereichern. Entdecken Sie die #Kulturfrauen auch bei Facebook, Instagram und Twitter!  mehr...

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