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Kleine Bestandsaufnahme in der Coronakrise: In der SWR2 Serie „Museum im Kopf“ sprechen Prominente aus dem Kulturleben über ein Kunstwerk, das ihnen besonders viel bedeutet. So entsteht nach und nach ein „Musée Imaginaire“, ein Museum im Kopf.

Florian Etti über Gordon Matta-Clark und Marlene Dumas

Der in Düsseldorf lebende Bühnenbildner Florian Etti nimmt das Motto unseres „Museums im Kopf“ beim Wort: Das von dem Konzeptkünstler Gordon Matta-Clark 1974 zersägte Haus erinnert ihn nicht nur an Zerstörung und Krieg, sondern auch an einen zerspaltenen Schädel.

Die traurigen Aquarelle der südafrikanischen Malerin Marlene Dumas, die er zum Vergleich heranzieht, zeigen für Etti einen Weg in die Innerlichkeit.

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Schauspieler Itay Tiran über Egon Schieles „Kauerndes Menschenpaar (Die Familie)“

Der israelische Schauspieler Itay Tiran fand die Bilder von Egon Schiele schon als Jugendlicher „verstörend“. Da Tiran seit dieser Spielzeit am Wiener Burgtheater engagiert ist, kann er die Werke in den Wiener Museen nun erstmals im Original betrachten.

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Für unser Museum hat Tiran Schieles „Kauerndes Menschenpaar (Die Familie)“ ausgesucht, ein Bild, das Schiele kurz vor seinem Tod im Oktober 1918 malte. Es zeigt Schiele mit seiner Frau und dem noch ungeborenen Kind – sie alle starben kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs an einer Grippe-Epidemie.

Egon Schiele - Kauerndes Menschenpaar (Die Familie)  (Foto: Österreichische Galerie Belvedere)
Egon Schiele - Kauerndes Menschenpaar (Die Familie) 1918 Österreichische Galerie Belvedere

Historiker Ullrich Raulff über „Guy and Speck“ von Lucian Freud

Der Historiker Ulrich Raulff hat ein Bild mit Herr und Hund für unsere Reihe #imaginäresmuseum ausgesucht: Lucian Freuds „Guy and Speck“ aus dem Jahr 1981. Freud, der Maler des Fleisches, zeigt sich hier eher als Tiermaler und Portraitist, als virtuoser Darsteller des Fells und vornehmer Interieurs. Und als Inszenator des Wartens: der Hund Speck scheint schwer genervt, weil er seinen Bewegungsdrang nicht ausleben kann – in Corona-Zeiten ein vertrautes Bild…

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Sandra Richter, Literaturarchiv Marbach über „Das Rudel“ von Joseph Beuys

Die Installation „Das Rudel“ von Joseph von Beuys erinnere daran, wie schnell wir selbst wieder zum Rudel werden, sagt Sandra Richter, die das Werk für unser imaginäres Museum ausgewählt hat.

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Die bei Beuys typischen, im Weltkrieg für ihn überlebenswichtigen Materialien Fett und Filz sind hier kombiniert mit zahlreichen Schlitten und einem VW-Bus.

Die Installation „Das Rudel“ von Joseph Beuys an der DOCUMENTA 2017 in Kassel (Foto: Imago, Camera4)
Joseph Beuys – „Das Rudel“ Imago Camera4

Autor Matthias Politycki über die Installation „Der Lauf der Dinge“

Der Schriftsteller Matthias Politycki hat für unser „Museum im Kopf“ ein Werk ausgesucht, das bei vielen Menschen für Vergnügen sorgt: „Der Lauf der Dinge“ des Schweizer Künstler-Duos Fischli&Weiss.

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In dieser Installation, 1987 auf der documenta aufgeführt, stoßen Alltagsdinge aneinander und setzen einen Parcours absurder Effekte in Gang. Das steht natürlich in der Tradition von Marcel Duchamp oder auch Jean Tinguely. Auf alle Fälle ist das ein großer Spaß – auch für Matthias Politycki.

Philosoph Andreas Urs Sommer über eine Nietzsche-Medaille

Der an der Universität Freiburg lehrende Schweizer Philosoph Andreas Urs Sommer hat sich für das SWR2 „Museum im Kopf“ ein ziemlich ungewöhnliches Objekt ausgesucht: eine Medaille, die an den Philosophen Friedrich Nietzsche erinnert.

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Andreas Urs Sommer erklärt, warum die Medaille ein Medium extremer „Verdichtung“ ist – und den Betrachter zum Selber-Denken anregt…

Nietzsche-Medaille von Curt Stoever, Vorderseite mit Bild des Philosophen (Foto: privat/ Andreas Urs Sommer)
Nietzsche-Medaille von Curt Stoever, Vorderseite privat/ Andreas Urs Sommer Bild in Detailansicht öffnen
Nietzsche-Medaille von Curt Stoever, Rückseite privat/Andreas Urs Sommer Bild in Detailansicht öffnen

Katinka Deecke über die Doku „Verlieren“

Die Dramaturgin Katinka Deecke vom Schauspielhaus Zürich stellt einen ganzen Performance-Film in unser „Museum im Kopf“.

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In „Verlieren“ von Monika Gintersdorfer und Knut Klaßen, 2006 gedreht, erkundet ein deutsches Filmteam die schwarzafrikanischen Subkulturen der Pariser Banlieues – und erforscht dabei auch sich selbst. Dabei „verliert“ sich niemand; im Gegenteil: man findet in der „fremden“ Kultur viel Kreativität…

Wolfgang Alber über René Magrittes „Die Liebenden II“

„Dieses Bild ist mir bis heute ein Rätsel geblieben“, sagt der Reutlinger Kulturwissenschaftler Wolfgang Alber über René Magrittes „Les Amants II“.

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Das surrealistische Bild von 1928 zeigt ein sich scheinbar küssendes Paar mit verhüllten Köpfen. „Magritte zeigt uns, das es keine absolute Wahrheit gibt, allenfalls eine unsichere Annäherung an die Wirklichkeit.“

Renée Magritte - Die Liebenden (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Boris Roessler/dpa)
„Die Liebenden“ von René Magritte – dieses Bild gibt Rätsel auf Boris Roessler/dpa

Seyran Ateş über „Die Freiheit führt das Volk“ von Eugène Delacroix

Die Frauenrechtlerin und Reformmuslimin Seyran Ateş bestückt unser imaginäres Museum mit einem Revolutionsbild.

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Die mutige und kampfbereite „Marianne“ in Eugène Delacroix‘ „Die Freiheit führt das Volk“ von 1830 sei ein Symbol der Hoffnung. „Ich sehe darin die Kraft der Frauen.“ Der Freiheitswille der Aufständischen erinnert sie an den Fall der Berliner Mauer 1989.

Das Gemälde "Die Freiheit führt das Volk" von Eugène Delacroix, 1830 (Foto: picture-alliance / Reportdienste, akg-images)
„Die Freiheit führt das Volk“” von Eugène Delacroix hängt im Louvre. akg-images

Ulrike Groos über Amie Siegels Film „Fetish“

Angesichts geschlossener Museen und Kultureinrichtungen darf der Film „Fetish“ der amerikanischen Künstlerin Amie Siegel in unserem imaginärem Museum nicht fehlen. Ausgewählt hat ihn Ulrike Groos, Direktorin des Stuttgarter Kunstmuseums.

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In „Fetish“ tastet sich die Kamera durch ein menschenleeres Museum, dessen Objekte sorgfältig gesäubert werden. „Im Film erhöht Siegel den Reinigungsvorgang zu einem Ritual. Sie offenbart damit, dass jede Konservierung einer als authentisch wahrgenommenen Situation zu einem Fetisch wird“, sagt Groos.

Matthias Degott über Max Beckmanns „Abtransport der Sphinxe“

Der katholische Kirchenmusiker und Bezirkskantor Matthias Degott aus Gengenbach bringt Max Beckmanns Ölgemälde „Abtransport der Sphinxe“ aus dem Jahr 1945 in unser „Museum im Kopf“.

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Degott sieht Parallelen zwischen dem nahenden Ende des Zweiten Weltkriegs und der Hoffnung auf ein Ende der Corona-Pandemie.

In der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe das Gemälde "Abtransport der Sphinxe" aus dem Jahr 1945 von Max Beckmann. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Uli Deck)
In der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe das Gemälde "Abtransport der Sphinxe" aus dem Jahr 1945 von Max Beckmann. Uli Deck

Julia Hölscher über düstere Kunst von Thomas Bellinck zu Europa

Die meistens in Basel arbeitende Opern- und Theaterregisseurin Julia Hölscher schickt uns in ein fiktives Museum, das der belgische Künstler Thomas Bellinck ersonnen hat.

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In diesem „Haus der europäischen Geschichte im Exil“ kann es einem ganz schön schummrig werden – denn hier wird Europa aus der Perspektive des Jahrs 2080 betrachtet.

Klaus Theweleit: Wie Polizisten nach einer Bombe suchen

Dem Freiburger Kulturwissenschaftler Klaus Theweleit hat es in diesen Tagen ein ganz alltägliches Zeitungsfoto angetan. Aufgenommen am 17. November 2017 im Niedersachsenstadion Hannover.

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Polizisten suchen die Tribünenplätze nach womöglich deponierten Sprengsätzen ab. Ein Bild, auf dem aus seiner Sicht wie in einem Brennpunkt zu sehen ist, wie wir versuchen, Kontrolle zu gewinnen – und eigene Ängste abzuwehren.

Sicherheitskontrolle im Hannoveraner Fußballstadion, vor einem Länderspiel Deutschland gegen Holland. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, GES-Sportstudio)
Sicherheitskontrolle im Fußballstadion vor einem Länderspiel Deutschland gegen Holland, 2015 GES-Sportstudio

Anna Bergmann über „Bild Nr. 6 (Violett, Grün und Rot“ von Mark Rothko

Anna Bergmann, die Schauspieldirektorin des Badischen Staatstheaters Karlsruhe, stellt ein Bild des abstrakten Expressionisten Mark Rothko vor: „Bild Nr. 6 Violet, Green and Red“ von 1951. Bergmann sieht Rothkos Bilder als Farb-Landschaften, in denen etwas Unerwartetes geschieht. Wie auf einer Theaterprobe.

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Burkhard Kosminski über „The Disappeared“ von Stephan Kaluza

Burkhard Kosminski, Schauspiel-Intendant des Stuttgarter Staatstheaters, ist bekannt für seine Uraufführungen von politischen Gegenwartsstücken. Ebenso aktuell ist das Werk des Düsseldorfer Künstlers Stephan Kaluza, das er in unser Museum bringt. Der 56-jährige Kaluza ist sowohl Maler als auch Fotograf. Burkhard Kosminski haben es besonders die fotorealistischen Ölbilder der Serie „The Disappeared“ (die Verschwundenen) von 2014 angetan.

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Boris Palmer wählt die „Nixe“ von Tübingen von Carole E. Feuerman

Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer muss nicht lange überlegen, um sein Werk für das „Musée Imaginaire“ von SWR2 zu nennen. Er entscheidet sich für Carole Feuermans „Midpoint“ von 2017, im Tübinger Volksmund genannt „Die Nixe“. Seit Ende 2019 bekannt wurde, dass die Stadt Tübingen eine hyperrealistische Skulptur von Carole Feuerman ankaufen und in der Nähe des Hölderlinturms am Neckar aufstellen möchte, gibt es heftigen Streit über das Werk.

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Claus Leggewie über „Napoleon bei den Pestkranken von Jaffa“

Der Politologe Claus Leggewie bereichert das Museum im Kopf um ein Ölgemälde des französischen Klassizisten Antoine-Jean Gros von 1804. „Napoleon Bonaparte bei den Pestkranken von Jaffa“. Während seines Ägypten-Feldzugs besuchte Napoleon im März 1799 seine von der Pest befallenen Soldaten, die in einem Kloster in Jaffa gepflegt wurden. Leggewie war lange Jahre Direktor des „Kulturwissenschaftlichen Instituts“ in Essen und ist ein wichtiger Exponent der undogmatischen Linken in der Bundesrepublik.

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Christian Gampert über die Idee zu einem „Museum im Kopf“

Als er in München durch die fast menschenleere Pinakothek der Moderne lief und schließlich vor dem Pendulum von Ingo Maurer in der Rotunde stand, wurde SWR2 Kunstkritiker Christian Gampert eines noch einmal neu bewusst: die direkte Zwiesprache mit den Bildern ist das eigentliche Kunst-Erlebnis. Kein Katalog, keine Recherche im Netz kann es ersetzen. Da die Museen während der Coronakrise geschlossen sind, muss sich jeder von uns im Grunde jetzt sein eigenes Museum erfinden.

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Kultur-Quarantäne-Paket Museum digital: Kunst und Ausstellungen im Internet

Seit dem Beginn der Coronazeit zeigen Museen und Galerien, was sie digital drauf haben und bieten ihre Ausstellungen auf vielfältige Weise online an. Wir haben Tipps für Ihren maskenfreien digitalen Museumsbesuch.  mehr...

Ausstellung Porträt der Quarantäne: Edward Hopper in Basel

Bereits lange vor Ausbruch der Corona-Krise war der 1882 geborene amerikanische Maler Edward Hopper bekannt für seine Bilder einsamer Menschen in Zimmern und Restaurants. Im Zuge der Infektionsschutz-Maßnahmen wie dem Reduzieren der Sozialkontakte und #wirbleibenzuhause oder #stayathome erleben Hoppers Bilder momentan einer enorme Renaissance im Internet. Die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel hatte ursprünglich eine Hopper-Ausstellung im Programm — wie viele andere Museen ist sie jetzt auf Online-Angebote umgestiegen.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Kultur-Quarantäne-Paket Bühne Online: Theater, Tanz und Oper für zuhause

Die Corona-Krise trifft die Bühnen besonders. Als die Säle geschlossen werden mussten, suchten viele nach kreativen Lösungen, um auf digitalem Weg mit ihrem Publikum in Kontakt zu bleiben. Sie organisierten Livestreams, stellten Stücke online, schickten Grüße von zu Hause oder experimentierten mit neuen Formaten.  mehr...

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