Archiv für Musik Afrikas Afrika-Musikschatz wandert nach Mainz

Von Marie-Christine Werner

Schon heute beherbergt das Archiv für die Musik Afrikas an der Uni Mainz (AMA) als eines der größten in Europa mehr als 10.000 Tonträger, Schellackplatten, CDs und DVDs mit moderner afrikanischer Musik von den 1940er Jahren bis heute. Jetzt kommt als Schenkung eine umfassende Sammlung afrikanischer Popmusik vom Frankfurter Frobenius-Institut hinzu. Ein ungewöhnlicher Vorgang in Zeiten, in denen Archive ihre Schätze hüten.

Schenkung an das Archiv für die Musik Afrikas in Mainz Umfassende Sammlung afrikanischer Popmusik

Stapel mit Langspielplatten mit afrikanischer und afrodiasporischer Musik (Foto: Archiv für die Musik Afrikas - Foto: Thomas Hartmann)
481 Tonträger ziehen um von Frankfurt nach Mainz, darunter so berühmte Aufnahmen wie die afrikanisch-amerikanische Koproduktion des aus Mali stammenden Sängers Ali Farka Touré und Ry Cooder an der Gitarre. Es ist eine der erfolgreichsten Platten der frühen Worldmusic.Der größte Teil dieser Sammlung stammt aus dem Nachlass eines Rechtsanwalts, der westafrikanische Musik sammelte. Archivleiter Hauke Dorsch: „Wir haben hier einen idealtypischen Ausschnitt, wie Musik damals gehandelt, gehört und konsumiert wurde. Denn natürlich hat man auch in den 90ern nicht nur Musik der 90er gehört, sondern auch gesagt: Ach, damals in den 60ern, die guten alten Klassiker.“ Archiv für die Musik Afrikas - Foto: Thomas Hartmann Bild in Detailansicht öffnen
Westafrikanische Musik der 80er und 90er Jahre habe ihn bisher nicht sonderlich interessiert gibt Hauke Dorsch zu. Doch schon erstes Reinhören in die Sammlung habe ihn umgestimmt: „Natürlich hatte ich so meine Vorurteile, dass ghanaischer Highlife der 90er eher repetitiv ist, berechenbar und sehr eng am amerikanischen R&B oder am jamaikanischen Loversrock. Das stimmt auch, aber trotzdem gibt es natürlich musikalisch interessante Sachen.“ Archiv für die Musik Afrikas - Foto: Thomas Hartmann Bild in Detailansicht öffnen
„Groovy“ von Kojo Antwi. Der Mister Music Man, wie er in seinem Heimatland Ghana genannt wird, ist seit Mitte der 80er Jahre sehr erfolgreich. Mit seiner Mischung aus ghanaischen Klängen, R&B und Reggae ist Kojo Antwi bis heute aktiv im Musikbusiness, 2018 war er auf großer Tour durch die USA. Von ihm finden sich gleich mehrere Kassetten und CDs in der Sammlung des Frankfurter Frobenius-Instituts.Hauke Dorsch über die Gründe, diese Sammlung nach Mainz zu geben: „Die Frankfurter haben sich gesagt: Alle, die national und international mit dieser Musik zu tun haben, kommen zu euch nach Mainz. Da ist es unsinnig, dass wir dieses Material hier horten und dann die Leute für zwei CDs extra nach Frankfurt fahren müssen.“ Archiv für die Musik Afrikas - Foto: Thomas Hartmann Bild in Detailansicht öffnen
Für das Mainzer Archiv für die Musik Afrikas bedeutet die Schenkung eine gute Erweiterung des Bestandes. Hauke Dorsch: „Wir haben wahrlich nicht wenig Platten aus Ghana, aber zu unserer Überraschung ist noch deutlich Material dazugekommen, das wir überhaupt nicht hatten. Eine wissenschaftliche Auswertung steht uns noch bevor. Das wird eher Jahre als Monate in Anspruch nehmen, bis man das wirklich ganz beurteilen kann.“Auf dem Bild: Saiteninstrument mit Kanisterkorpus Archiv für die Musik Afrikas - Foto: Thomas Hartmann Bild in Detailansicht öffnen
Außerdem sollen die neu hinzugekommenen Tonträger digitalisiert werden. Einige der Tonkassettenbestände lagern derzeit noch in ehemaligen Karteikartenschränken. Langfristig, wenn Urheberrechtsfragen geklärt sind, sollen zumindest Teile des Archivbestands online verfügbar gemacht werden, damit das Material nicht nur in Europa, sondern auch in Afrika zur Forschung genutzt werden kann. Archiv für die Musik Afrikas - Foto: Thomas Hartmann Bild in Detailansicht öffnen
Dauer
STAND