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Architekten-Wettbewerb zum Gutenberg-Museum Mainz: Erster Preis mit schwebender Schatzkammer

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AUTOR/IN
Hannegret Kullmann

Schon lange wird das Gutenberg-Museum in Mainz dem selbst postulierten Anspruch eines „Weltmuseums für Druckkunst“ nicht mehr gerecht. Das Gebäude von 1962 und die Ausstellungskonzeption sind völlig überholt. Nach vielem Hin und Her entschied man sich zuletzt für einen Neubau am alten Standort und schrieb dafür einen Architekturwettbewerb aus. Den ersten Preis hat nun das Stuttgarter Büro „h4a Gessert + Randecker Architekten“ gewonnen.

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Der Neubau rückt in greifbare Nähe

Laut Jury überzeugt der Entwurf, weil er sich städtebaulich gut einfügt, sich für die Stadtgesellschaft öffnet und weil er die kostbaren Gutenberg-Bibeln architektonisch ansprechend inszeniert.

Bei der Verkündung des Siegerentwurfs gab es viele strahlende Gesichter, denn endlich – nach vielen Jahren des Stillstands und der Diskussionen – rückt der Neubau des Mainzer Gutenberg-Museums in greifbare Nähe.

Zwei Tage hat sich die Jury Zeit genommen, um aus insgesamt 25 Einreichungen die besten drei auszuwählen. Wenn alles glatt läuft, wird der Entwurf des Stuttgarter Büros „h4a Gessert + Randecker Architekten“ ab 2025 realisiert.

Neubau Gutenberg-Museum Mainz (Foto: Pressestelle, SWR, h4a Gessert und Randecker Architekten GmbH, Hannegret Kullmann)
Visualisierung des Innenraums. Pressestelle h4a Gessert und Randecker Architekten GmbH, Hannegret Kullmann Bild in Detailansicht öffnen
Der Entwurf aus der Vogelperspektive. Pressestelle h4a Gessert und Randecker Architekten GmbH, Hannegret Kullmann Bild in Detailansicht öffnen
Blick vom Liebfrauenplatz, vorne historischer Bestand Römischer Kaiser. Pressestelle h4a Gessert und Randecker Architekten GmbH, Hannegret Kullmann Bild in Detailansicht öffnen
Seitenansicht von der Rotekopfgasse. Pressestelle h4a Gessert und Randecker Architekten GmbH, Hannegret Kullmann Bild in Detailansicht öffnen

Transparenter Sockel und ein Dach, das in Falten liegt

Die Architekt*innen haben ein viergeschossiges Gebäude mit einer rötlichen Fassade entworfen, dessen Dach sich in Falten legt. Der Sockel des Gebäudes ist transparent, der Eingangsbereich wirkt einladend. Im Gegensatz zum bisherigen Museumsvorplatz soll der neue Platz durchlässiger sein. Er öffnet sich zu zwei Seiten hin, hinein in die Gassen der Mainzer Altstadt.

„Dieser Entwurf beinhaltet auch die Freiheit, die wir brauchen, um dann gemeinsam mit den Architektinnen und Architekten dieses Museum zu füllen: mit Leben zu füllen, mit Exponaten zu füllen, mit Museum zu füllen.“

Eine Schatzkammer für die kostbaren Bibeln

Für die Präsentation der berühmten Gutenberg-Bibeln, die bislang in einem schlichten Tresorraum gezeigt werden, haben sich die Stuttgarter Architekt*innen etwas Überraschendes ausgedacht: In der Eingangshalle kann man bis hinauf zur Dachkonstruktion schauen, gleichzeitig sieht man einen freischwebenden Baukörper – quasi eine fliegende Schatzkammer für die kostbaren Bibeln.

Im Foyer sind Flächen für Sonderausstellungen vorgesehen, in den beiden darüber liegenden Geschossen gibt es viel Platz für die künftige Dauerausstellung. Im Stockwerk darüber, unter dem gefalteten Dach, soll der Vortragsraum liegen. Dieses Konzept hat die Jury überzeugt.  

Gewerbesteuereinnahmen durch Biontech sichern Finanzierung

Das Stuttgarter Architekturbüro h4a hat bislang noch kein Museum gebaut, aber das muss kein Manko sein. Bisher haben sie Schulen, Krankenhäuser und auch Firmengebäude realisiert. Seriöse Kostenschätzungen für den Museumsneubau sind derzeit nicht möglich. Deshalb nennt die Mainzer Bau- und Kulturdezernentin Marianne Grosse die rund 70 Millionen Euro nur unter äußerstem Vorbehalt.

Jahrelang wusste die Stadt Mainz nicht, wie sie das neue Gutenberg-Museum finanzieren soll. Dank der enormen Gewerbesteuereinnahmen durch Biontech ist das Geld nun endlich vorhanden – und wie das Museum in Zukunft aussehen könnte, das weiß man nun endlich auch.

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Hannegret Kullmann