Fotografie

Apokalypse und Fernweh – Beeindruckende Stadt-Fotografien von Peter Bialobrzeski im Stadthaus Ulm

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AUTOR/IN
Andreas Langen

Der Hamburger Fotograf Peter Bialobrzeski befasst sich seit Jahrzehnten vor allem mit dem öffentlichen Raum von Städten. Unter dem Titel „Urbane Räume“ widmet das Stadthaus Ulm dem Fotografen nun eine Ausstellung.

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Beunruhigende und zugleich ästhetisch ansprechende Stadtaufnahmen

Bialobrzeskis farblich fein austarierte Kompositionen sind Wimmelbilder der Globalisierung – Augenweiden der besonderen Art und zugleich voller beunruhigender Details.

Der Fotograf untersucht seit Jahren urbane Räume weltweit, und zwar unter einem ganz speziellen Aspekt. „Wie würde jemand wie Caspar David Friedrich eigentlich so eine Stadt malen?“, fragt er sich beim fotografieren, wie er sagt.

Bialobrzeski erhebt nicht den Zeigefinger, rüttelt aber auf

Im Stadthaus Ulm gibt Bialobrzeski nun eine sehr umfassende Antwort mit fast hundert Exponaten auf drei Etagen: Auszüge aus Bildserien, die er zwischen Unna, Graz, Johannesburg, Wuhan und Bangkok aufgenommen hat.

„Aus meiner Sicht ist es eine absolut faszinierende Bilderwelt, weil die Bilder alles gleichzeitig erzählen: von Fernweh, von Ästhetik, von Klimawandel, von Sehnsuchtsorten, von Apokalypse. Diese Gleichzeitigkeit von allem gelingt, weil Peter Bialobrzeski nicht belehrt mit den Bildern.“

Peter Bialobrzeski, Urbane Räume (Foto: © Peter Bialobrzeski)
Peter Bialobrzeski: Dhaka Diary (2019). © Peter Bialobrzeski

Globale Widersprüchlichkeiten sollen sichtbar werden

Tatsächlich ist Bialobrzeskis distanzierte Blickweise das pure Gegenteil von einem erhobenen Zeigefinger und aktivistischer Anklage. Dem Fotografen reicht die kühle Bestandsaufnahme, um Betrachtern Schauder ins Gemüt zu jagen angesichts der globalen Ungleichheit.

Auf den blütenweißen Wänden der Richard-Meier-Architektur des Stadthauses, die immer wieder Ausblicke bietet auf den denkmalgerecht sanierten Wohlstand ringsumher, wirken Bialobrzeskis Bilder wie Menetekel einer globalen Katastrophe, die längst im Gang ist.

„Es ist eigentlich auf der Oberfläche sauber, wenn ich nur auf die Oberfläche gucken will. Wenn ich dahinter gucke, dann kommen andere Sachen zum Vorschein.“

Richtet Bialobrzeski den Blick auf Deutschland, findet er zwar trostlose bis skurrile Szenerien – Tankstellen, Grill-Imbisse, ein älterer VW Golf mit Blechschaden, liegen geblieben mitten auf einer leeren Kreuzung. Aber wer das für ein Unglück hält, der war noch nie in Neu-Dehli. Um an solchen Widersprüchen nicht zu verzweifeln, mache er seine Bilder, sagt Bialobrzeski.

Peter Bialobrzeski, Urbane Räume (Foto: © Peter Bialobrzeski)
Peter Bialobrzeski: No Buddha in Suburbia 72 (Mumbai, 2017). © Peter Bialobrzeski
Ulm

Fotografien von Peter Bialobrzeski Spannende Stadtimpressionen: Die Fotoausstellung "Urbane Räume" im Stadthaus Ulm

Wie verändern sich Städte, wie der "urbane Raum"? Dieses Thema hat der Fotograf Peter Bialobrzeski mit der Kamera aufgegriffen. Jetzt zeigt das Stadthaus Ulm eine Auswahl seiner Bilder.  mehr...

SWR4 BW am Samstagmorgen SWR4 Baden-Württemberg

Fotografie Faszination „Lost Places“ – Benjamin Seyfang macht Fotos von verlassenen Orten

Der Metzinger Fotograf Benjamin Seyfang hat sich auf so genannte „Lost Places“ spezialisiert: Mit Fotoapparat und Stativ lässt er sich von der Morbidität des Verfalls an verlassenen Orten inspirieren. Seine Bildbände sind mittlerweile ziemlich erfolgreich. SWR2 Reporter Andreas Langen hat ihn auf einer Entdeckungstour in einem Stuttgarter Vorort begleitet.  mehr...

SWR2 am Samstagnachmittag SWR2

Gespräch Der Fotograf Andreas Teichmann war zu Fuß unterwegs durch Deutschland

Zweimal hat Andreas Teichmann Deutschland durchwandert – einmal quer und einmal längs. Von West nach Ost, von Aachen nach Zittau - und von Süd nach Nord, von Oberstdorf nach Sylt. Reisen, die er in einem Buch in Bild, Text und Gesprächen festgehalten hat: „Durch Deutschland. Zwei Wanderungen in 101 Tagen“ heißt es.
Geplant hatte der renommierte Fotograf und mehrfach ausgezeichnete Fotojournalist dabei nur eines: die Überraschung. Denn er folgte bei seiner Erkundung weder einer genauen Route, noch hatte er vorab Verabredungen mit Menschen getroffen.
„Ich werde oft gefragt: ‚Hast Du das alles durchgeplant‘? NEIN! Und dadurch habe ich Gegenden und Wegstrecken kennen gelernt, die keine klassischen Wanderrouten sind.“
Die Natur, die Städte und die Industrie, auf die Andreas Teichmann traf, seien also spontane Zwischenstationen gewesen, deren Eindrücke er auch fotografisch festhalten wollte, wie er in SWR2 erzählt. Mit einer professionellen Kameraausrüstung und einem Laptop ausgestattet, die allein zwölf Kilo in seinem Rucksack ausmachten – drei Kilo blieben übrig für Kleidung.
Genauso offen wie er sich in die Regionen hineinbegeben hätte, so Andreas Teichmann, sei er auch deren Menschen begegnet und habe sie porträtiert. Besonders wichtig sei ihm das Festhalten des jeweiligen Moments gewesen.
Er habe Einheimische, aber auch Besucher und Touristen getroffen – Menschen aus den verschiedensten Berufsfeldern, von jung bis alt. Und sie hätten sich ihm in den gemeinsamen Gesprächen geöffnet.
„Um eine Region kennenzulernen, ist es extrem wichtig, auch mit den Menschen zu sprechen, die dort verortet sind. Nicht nur der Dialekt und die Diversität, die wir an Sprache im Land haben, sind großartig, sondern auch die Geschichten der Menschen. Darauf wollte ich mich einlassen.“
Viele Begegnungen hätten ihn tief beeindruckt und bewegt, wie er berichtet. Das Wichtigste bei diesen Zusammentreffen sei für ihn das intensive Zuhören gewesen:
„Ganz oft wurde ich von Menschen ernster genommen, weil ich mich zu Fuß durch Deutschland bewegt habe. Das haben viele respektiert und fanden es klasse – und sie haben sich dann wahrscheinlich auch eher auf ein Gespräch eingelassen.“
Seine Reisen hätten ihn verändert, sagt Andreas Teichmann, sein Naturerleben und seine Begegnung mit Menschen. Und auch sein Blick auf Deutschland habe sich gewandelt. Besonders beeindruckt auf seinen Touren habe ihn die Erkenntnis, dass 80 % Deutschlands grün sind. Wald, Wiesen und Ackerflächen seien ihm in den verschiedenen Regionen in einem Umfang begegnet, wie er es zuvor niemals für möglich gehalten hätte. Und das Laufen an sich habe ihn extrem geprägt:
„Wenn man läuft, hat man eine ganz andere Wahrnehmung. Wann ist ein erwachsener Mensch sieben Wochen lang täglich ohne Ausnahme zwölf Stunden draußen unterwegs? Egal bei welchem Wetter. Das war wirklich etwas Archaisches.“  mehr...

SWR2 am Samstagnachmittag SWR2

Krieg in der Ukraine Leica statt Kalaschnikow – der Fotograf Alexandr Glyadyelov ist Augenzeuge des Kriegs in der Ukraine

Der Fotograf Alexandr Glyadyelov aus Kiew (65) hat schon die post-sowjetischen Kriege in Tschetschenien und Bergkarabach fotografiert. Jetzt ist er mit dem Krieg in seiner Heimatstadt konfrontiert. „Ich bleibe in Kiew und dokumentiere mit der Kamera, was geschieht“, sagt er. „Es ist das Beste, was ich für mein Land und meine Stadt tun kann.“  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Mannheim / Ludwigshafen

Fotografie Biennale für aktuelle Fotografie: „From where I stand“ ist monumental

Es ist das größte Foto-Ausstellungsprojekt des Jahres im Südwesten und ein ambitioniertes Vorhaben: Die Biennale für aktuelle Fotografie mit sechs Ausstellungen in Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen vom 19. März bis 22. Mai 2022. Unter dem Motto „From Where I Stand“ – „Von dort, wo ich stehe“ – widmen sich 36 Künstlerinnen und Künstler aus vier Kontinenten Ursachen und Folgen der Zerstörung unseres Planeten und zeigen auch Gegenstrategien auf.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Fotografie World Press Photo Ausstellung in Balingen: „Kamloops Residential School“ erinnert an Opfer des Kolonialismus

Aus 64.823 eingereichten Bildern von über 4000 Fotograf*innen wurde heute, am 7. April 2022, eine Gewinnerin gekürt: Mit ihrem Foto „Kamloops Residential School“ glückte der Kanadierin Amber Bracken für die New York Times das Pressefoto des Jahres.  mehr...

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Andreas Langen