Ausstellung

„Rhein-Romantik”: Der wiederentdeckte Maler Johann Adam Ackermann war der Caspar David Friedrich von Mainz

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AUTOR/IN
Sandra Biegger

Das Landesmuseum Mainz zeigt 36 detailreiche romantische Aquarelle von Johann Adam Ackermann mit Motiven aus Mainz und Umgebung. Es sind beruhigende Werke, die an den großen Maler und Zeitgenossen Caspar David Friedrich erinnern – das ideale Anti-Stress-Programm für die Vorweihnachtszeit.

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Winterromantik im Landesmuseum

Im Grafikkabinett des Landesmuseum Mainz gibt es die zur Jahreszeit passende Ausstellung mit dem Titel „Rhein-Romantik“. Gezeigt werde 36 stimmungsvolle Aquarelle von Johann Adam Ackermann. Schneebedeckte Landschaften, kahle Bäume, einsame Flusslandschaften, verlassene Ruinen sind darauf zu entdecken.

Das Ganze ist so detailreich und realistisch gemalt, dass man beim Betrachten der romantischen Werke förmlich die kalte Winterluft zu atmen glaubt.

Johann Adam Ackermann, Rhein-Romantik (Foto: Pressestelle, © GDKE, Foto: Astrid Garth)
Mühle im Trarbacher Tal an der Mosel, Bleistift, Aquarell und Deckweiß. Pressestelle © GDKE, Foto: Astrid Garth Bild in Detailansicht öffnen
Auf dem alten Friedhof zu Langenschwalbach – Winter – Sonnenuntergang, Bleistift, Aquarell und Deckweiß, 1833. Pressestelle © GDKE, Foto: Astrid Garth Bild in Detailansicht öffnen
Der Postillon im Nebel – Winter, Bleistift, Aquarell und Deckweiß, 1841. Pressestelle © GDKE, Foto: Astrid Garth Bild in Detailansicht öffnen
Die Mainmündung, Aquarell und Deckweiß über Bleistift, 1838. Pressestelle GDKE, Landesmuseum Mainz, Astrid Garth Bild in Detailansicht öffnen

„Er hat die Fähigkeit, besondere Lichtstimmungen in einem Bild festzuhalten“, sagt die Kuratorin Maria Aresin. „Tageszeiten. Die schummrige Atmosphäre der Luft. Mit den reduzierten Mitteln, die ihm beim Aquarell zur Verfügung standen.“

Von Caspar David Friedrich beeinflusst

Johann Adam Ackermann hat zwischen 1781 und 1853 gelebt. Gearbeitet hat er unter anderem in Paris und Rom, arkadische Landschaften prägten zunächst sein Werk. Später widmete sich Ackermann vermehrt Motiven entlang des Rheins.

Bewusst versuchte er, seinem Zeitgenossen Caspar David Friedrich nachzueifern, indem er sich beispielsweise gezielt ähnlichen Motiven wie sein Vorbild widmete: Zum Beispiel einem Kreuz im Schnee. 

Beide lernten sich wohl in den 1830er Jahren in Nürnberg kenen, woraufhin Ackermann anfing, in dieser romantischen Art zu malen, sagt Kuratorin Aresin. „Vorher malte er eher lichtdurchflutete Landschaften. Von da an beginnt dann das stimmungsvolle, das romantisch Nebelige.“ Diese Spätphase Ackermanns sei stark bestimmt von Caspar David Friedrich und der romantischen Malerei. 

Zwei nach dem Krieg gestohlene Werke sind zurück in Mainz

Die Mainzer Ausstellung zeigt auch zwei Werke, die unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg einem Kunstraub zum Opfer fielen. Die Bilder „Alter Brunnen und altes Münzgebäude auf dem Markt in Mainz“ und „Zu Oppenheim am Rhein“.

Diese waren 1938 auf die Veste Heldburg in Thüringen ausgelagert worden. Den Krieg überstanden die Grafiken schadlos. Auf dem Rücktransport nach Mainz allerdings brachen unbekannte Täter einzelne Transportbehälter auf und entwendeten Grafiken von Dürer, Rembrandt und Ackermann.

Museum musste die Bilder zurückkaufen

1999 und 2011 tauchten zwei der insgesamt 40 gestohlenen Ackermann-Grafiken auf dem Frankfurter Kunstmarkt auf. Über Stempel auf der Rückseite konnten die Kunsthändler das Mainzer Museum als vorherigen Besitzer identifizieren. Für insgesamt 6.000 Euro fanden so die beiden Werke den Weg zurück. 

Gestohlene Kunstwerke zurückkaufen? Das ist auch für die Leiterin des Landesmuseums, Birgit Heide, ein heikles Thema. Wegen der fehlenden rechtlichen Handhabe sei es jedoch der einzig gangbare Weg, denn in den Wirren der Nachkriegszeit habe es keine Anzeige gegen Unbekannt gegeben.

Die Mainzer Ausstellung „Rhein-Romantik“ lohnt ob ihrer Entdeckung des Künstlers Johann Adam Ackermann auf jeden Fall. Gerade in der oft stressigen Vorweihnachtszeit strahlen die romantischen Landschaftsaquarelle eine angenehme Ruhe aus. 

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