Kunst

Videokunst von Anri Sala im Kunsthaus Bregenz

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Das Kunsthaus Bregenz zeigt ab dem 16. Juli Videoarbeiten des aus Albanien stammenden und in Berlin lebenden Künstlers Anri Sala. Eine überaus faszinierende, klangerfüllte, und sinnliche Schau, die auch aus leeren Räumen und Weinbergschnecken Kunst macht.

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Weinbergschnecke auf Bratschenbogen

Eine lebende Weinbergschnecke sitzt auf einem Bratschenbogen, zu sehen auf einer riesigen Video-Leinwand im abgedunkelten Kunsthaus. Der Musiker spielt Strawinskys „Elegie für Viola“, mit der Schnecke auf dem Bogen. Langsam kriecht sie hinauf zur Spitze. Er hält inne, wenn sie innehält, und er modifiziert die Komposition, die eigentlich wie ein Duett auf zwei Saiten gleichzeitig zu spielen ist.

Anri Sala (Foto: Pressestelle, Markus Tretter, © Anri Sala, Bildrecht Wien, 2021, Kunsthaus Bregenz)
If and Only If, 2018 - Installationsansicht 1. Obergeschoss Kunsthaus Bregenz - Courtesy of the artist, Galerie Chantal Crousel, Paris, und Marian Goodman Gallery Pressestelle Markus Tretter, © Anri Sala, Bildrecht Wien, 2021, Kunsthaus Bregenz Bild in Detailansicht öffnen
If and Only If, 2018 - Einkanal-HD-Video und separate 4.0 Surround-Sound-Installation, Farbe 9:47 Min. - Courtesy of the artist, Marian Goodman Gallery, New York / Paris / London, und Galerie Chantal Crousel, Pressestelle Anri Sala Bild in Detailansicht öffnen
Day Still Night Again, 2021 - Installationsansicht 2. Obergeschoss Kunsthaus Bregenz - Courtesy of the artist Pressestelle Markus Tretter, © Anri Sala, Bildrecht Wien, 2021, Kunsthaus Bregenz Bild in Detailansicht öffnen
Time No Longer, 2021 - Installationsansicht 3. Obergeschoss Kunsthaus Bregenz - Courtesy of the artist und Marian Goodman Gallery Pressestelle Markus Tretter, © Anri Sala, Bildrecht Wien, 2021, Kunsthaus Bregenz Bild in Detailansicht öffnen
Anri Sala Pressestelle Wolfgang Stahr Bild in Detailansicht öffnen

Sobald die Schnecke sich wieder bewegt hat, spielt er die Noten der unteren Stimme gespielt, die er vorher ausgelassen hat. Durch diese Gabelungen ist das Stück länger geworden, also nicht durch Verzögerung, sondern durch Gabelungen.

Natürlich wurde die Schnecke nicht gequält. Anri Sala erzählt, dass sie vom Scheinwerferlicht weg ins Dunkle an der Bogenspitze kriecht. Die Kamera folgt jedem Auf- und Abstrich des Bogens, vollzieht quasi das Schaukeln der Schnecke nach, zeigt sie in Großaufnahme. Dieses Video sei für ihn wie ein Roadmovie, sagt der schlacksige 47-Jährige mit Fünftagebart verschmitzt, ein Roadmovie von der Länge eines Bratschenbogens. Es habe aber auch etwas von einem Western.

Tragende Rolle der Musik

2009 hatte Anri Sala im deutschen Pavillon der Biennale in Venedig Ravels „Konzert für linke Hand“ zu einer Videoinstallation verarbeitet. Im Kunsthaus Bregenz spielen fast alle seine Arbeiten mit Musik. Das oberste Stockwerk füllt eine extrem breite Leinwand, das Video zeigt einen Plattenspieler, der in der Schwerelosigkeit eines Weltraumlabors rotiert und dabei Olivier Messiaens „Quartett für das Ende der Zeit“ abspielt.

Es geht Anri Sala um Wege und Bewegung, um Rotation und Zeit und Wiederkehr. Vor allem aber um das, was seine Arbeiten im Betrachtenden auslösen. Deshalb habe er sich auch im Kunsthaus Bregenz sofort zuhause gefühlt. Weil der Zumthor-Bau aus Milchglas und Sichtbeton das Erleben in den Mittelpunkt stelle, nicht den Diskurs.

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