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Alles auf Abstand: Kunsthalle Mainz zeigt Moderne Kunst in der Pandemie

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Direktorin Stefanie Böttcher zeigt in der Kunsthalle Mainz ausgewählte Arbeiten, die sich dem Thema „Abstand“ widmen. Der Abstand ist in der Pandemie zu einer Art Motto geworden, ob in der Sicherheitskontrolle oder im Supermarkt. Zeitgenössische Künstler*innen greifen in „Eins Komma Fünf“ diesen Gedanken auf.

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Wegleitsysteme machen den Abstand bewusst erfahrbar

Die Flughäfen befürchten stundenlange Wartezeiten, der Oktober ist ein Haupturlaubsmonat. Es sind vielerorts Schulferien. Chaos an den Sicherheitskontrollen, alles wegen der Pandemie. Wer nicht online eingecheckt und sämtliche Einreiseformulare digital erledigt hat, steht in der Schlange. Schiebt sich in den Sicherheitsabsperrungen Schritt für Schritt vor zum Ziel.

Genau in diese Situation kommen auch die Besucher*innen in der Kunsthalle Mainz. Die Künstlerin Eva Grubinger ist international in Museen und Galerien vertreten. Für die Kunsthalle Mainz hat die 1970 geborene, international bekannte Bildhauerin und Installationskünstlerin sogenannte „Wegleitsysteme“ in den ersten Ausstellungsraum gebaut. Die Arbeit von Eva Grubinger will den Abstand bewusst erfahrbar machen und erhebt ihn zur Kunst.

Kunsthalle Mainz - Eins Komma Fünf (Foto: Pressestelle, Lucy Beech, Edward Thomasson)
Lucy Beech und Edward Thomasson: Passive aggressive 3 (Public Relations), 2016 Pressestelle Lucy Beech, Edward Thomasson Bild in Detailansicht öffnen
Der albanische Künstler Anri Sala zeigt in der Mainzer Kunsthalle die Arbeit „Suspended“. Darin stehen zwei künstliche Hände mit OP- Handschuhen im Fokus. Das Werk zitiert das berühmte Motiv von Michelangelo aus der Sixtinischen Kapelle. Natali Kurth Bild in Detailansicht öffnen
Hanne Lippard: I Missed Your Call More Than I Missed You, 2020 Pressestelle Kristof Vrancken Bild in Detailansicht öffnen
Agnieszka Polska: The Longing Gaze, 2021 Pressestelle Galerie Georg Kargl, Wien Bild in Detailansicht öffnen
Stefanie Böttcher, Direktorin der Kunsthalle Mainz und Kuratorin der Ausstellung „Eins Komma Fünf“. Die Ausstellung zeigt Arbeiten zum Fokus „Abstand“. Der Abstand von 1,5 Metern wurde in der Pandemie zu einem täglichen Begleiter. Hier vor einer Installation von Eva Grubinger. Sie thematisiert die „Distanz“ mit einem Wegeleitsystem, dass wir aus Flughäfen kennen. Natali Kurth Bild in Detailansicht öffnen
Videostill von der russischen Künstlerin Taus Makhacheva: Mining Serendipity, 2021 Pressestelle Kunsthalle Mainz/Norbert Miguletz Bild in Detailansicht öffnen
Stefanie Böttcher, Direktorin der Kunsthalle Mainz und Kuratorin der Ausstellung „Eins Komma Fünf“. Natali Kurth Bild in Detailansicht öffnen

Berührungen und Menschenansammlungen sind durch die Pandemie zu unangenehmen Erfahrungen geworden

Die physische Distanz auf der einen und die unmittelbare Nähe auf der anderen Seite zu erfahren, lernen wir von Geburt an. Es gibt Menschen, mit denen wir uns gerne umgeben, andere meiden wir. In Menschenansammlungen fühlen sich heute die meisten unwohl. Das Virus ist schuld daran. Berührungen werden im Alltag zu einer höchst unwahrscheinlichen Aktion.

Installationen und Videoarbeiten die den Abstand erlebbar machen, dominieren die Ausstellung. Sei es durch Workshops, bei denen man eine sichere Art der Berührung erlernen kann oder auch in direkter Konfrontation mit Kunstwerken, wie sie der Franz Erhard Walter provoziert. Der Prozeßkünstler studierte an der Kunstakademie Düsseldorf bei K.O. Götz unter anderem zusammen mit Sigmar Polke. Seine Arbeiten werden erst zum Kunstwerk, wenn Besucher in sie hineinschlüpfen und miteinander in Aktion treten.

Anfassen darf man in der Kunsthalle natürlich nichts. Darin sind wir ja in der Pandemie bestens geübt. Aber sollte man aus Versehen doch irgendwen oder irgendwas berührt haben, zückt man halt das Desinfektionsmittel und geht künftig auf Distanz. 1,5 Meter am besten.

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