Kommentar

Mutige Entscheidung mit Restrisiko – Alistair Hudson löst Peter Weibel als künstlerischer Leiter am ZKM in Karlsruhe ab

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AUTOR/IN
Marie-Dominique Wetzel

Die Überraschung war groß: Den eher unbekannten 53-jährigen Briten Alistair Hudson habe niemand wirklich auf dem Zettel gehabt, kommentiert SWR2-Redakteurin Marie-Dominique Wetzel die Suche nach der Peter Weibel-Nachfolge am ZKM. Lange wurde international gesucht, nachdem klar war, dass Peter Weibel kommenden März in den Ruhestand gehen wird.

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Ist Alistar Hudson ein würdiger Nachfolger?

Sagen wir es mal so: Die Entscheidung für Alistair Hudson ist ein mutiger Schritt. Und wie bei jedem mutigen Unterfangen ist immer auch eine Portion Risiko dabei. „Es war klar, dass wir keinen zweiten Peter Weibel finden werden“, sagte die Kunst-Staatssekretärin Petra Olschowski gestern.

Naja, das ist ja auch nicht Sinn und Zweck einer Neubesetzung. Natürlich wünscht man sich keine Kopie des Vorgängers – aber eben einen würdigen Nachfolger. Ob Alistair Hudson das werden kann? Mal sehen.

Beim Turner-Preis in der Jury

Bisher ist Alistair zwar nicht als Medienkunst-Experte in Erscheinung getreten, aber er ist Mitglied in der Jury des Turner-Preises, einem der wichtigsten Preise für zeitgenössische Kunst. Er hat in einer renommierten Londoner Galerie gearbeitet, war Kurator für die Kunstsammlung der britischen Regierung und hat zuletzt das Whitworth Museum und die Manchester Art Gallery geleitet.

Diese Vita führt nicht geradlinig zur Leitung des Zentrums für Kunst und Medien in Karlsruhe – das ist richtig.

Aber es gibt da in seinem Lebenslauf einen interessanten Schlenker, der zeigt, dass Alistair Hudson offen für Neues ist – eine der wichtigsten Voraussetzungen, wenn man an einem Haus wie dem ZKM am Puls der Zeit arbeiten möchte: Zehn Jahre lang war Alistair Hudson Vizedirektor von Grizedale Arts.

Steht für die Idee eines „useful museum“

Das ist eine Kunst-Institution mitten in den Wäldern des Lake Districts – ein progressiver Denk- und Experimentier-Raum. Dort stellt man zum Beispiel so wichtige Fragen wie: Wer braucht Kunst und wofür?

Alistair Hudson steht für die Idee eines „useful museum“, also einem Museum als Ort für gesellschaftliche Verantwortung und Veränderung. Das passt gut zum Selbstverständnis des ZKM.

Hudson tritt in große Fußstapfen

Wie kaum ein anderer hat Peter Weibel mit seinem Team in den letzten Jahren gesellschaftspolitische Debatten aufgegriffen und befördert, von Fragen der Überwachung, der politischen Aktionskunst, über künstliche Intelligenz bis hin zum Klimakollaps. Und was den internationalen Diskurs angeht: die Zusammenarbeit mit Gastkünstlern und Kuratoren aus aller Welt sowie der Blick in die Kunstszenen nach Afrika und Asien wurden im ZKM schon sehr viel früher praktiziert als andernorts – und zwar stets auf Augenhöhe.

Wie gesagt: es sind große Fußstapfen in die ein Nachfolger von Peter Weibel treten muss. Aber Alistair Hudson scheint das zu wissen und nicht zu denen zu gehören, die meinen, erstmal alles anders machen zu müssen.

Er wolle Weibels Arbeit fortsetzen, sagte er gestern. Merkte dann aber vielleicht doch, dass das etwas zu bescheiden klingt und setzte doch noch einen drauf: „und einen Ort schaffen, an dem die Welt neu gedacht wird“. Das ist nun doch ein ziemlich ehrgeiziger Plan – und das wiederum passt sehr gut zum ZKM.

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