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6:00 Uhr
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SWR2

Der Architekt und Rüstungsminister Albert Speer war in der NS-Diktatur der zweite Man hinter Hitler. Doch mit Heuchelei und geschickten Lügen vor dem Nürnberger Kriegsverbrechertribunal ist es dem NS-Verbrecher Speer gelungen, der Hinrichtung zu entgehen.

„Albert Speer in der Bundesrepublik – Vom Umgang mit der deutschen Vergangenheit“

Albert Speer in der Bundesrepublik (Foto: SWR, Eberhard Reuß)
„Albert Speers Aussage, von Auschwitz nichts gewusst zu haben, ist eine ganz klare Lüge“, sagt Andreas Nix vom Mannheimer Stadtarchiv Marchivum. Speer höchstpersönlich habe die Mittel zum Ausbau des Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau bewilligt. Im Bild: Albert Speer (r) besucht mit Gauleiter August Eigruber das KZ-Mauthausen am 25.6.1944 Eberhard Reuß Bild in Detailansicht öffnen
Beim Nürnberger Kriegsverbrecherprozess gab Speer den reuigen, unpolitischen Großbürger und konnte so der Hinrichtung entgehen. Im Bild: Gerichtsverhandlung von Albert Speer Eberhard Reuß Bild in Detailansicht öffnen
Nach einer zwanzigjährigen Haftstrafe machte er Karriere als gefragter Zeitzeuge und beliebter, weil reumütiger Ex-Nazi: „Jovial grüßend präsentierte sich Albert Speer der Öffentlichkeit in einem Prominenten-Hotel“, berichtet die Wochenschau am 1. Oktober 1966 anlässlich seiner Freilassung. Bild links: Albert Speer vor Journalisten auf der Pressekonferenz nach seiner Haftentlassung am 1.10.1066. Bild rechts: DER SPIEGEL, 26.9.1966 Pressestelle Bild in Detailansicht öffnen
Seine Bücher, die „Erinnerungen“ und die „Spandauer Tagebücher“ werden Bestseller mit einer Auflage von über 3 Millionen Exemplaren. Die Ausstellung zeigt, wie der Verleger Wolf Jobst Siedler und der Journalist Joachim Fest in Kumpanei mit Albert Speer gezielt den Mythos vom unpolitischen Architekten und Rüstungsfachmann schufen, der nicht ahnen konnte, wem er da diente. Im Bild: Bücher von Albert Speer in der Ausstellung Eberhard Reuß Bild in Detailansicht öffnen
„Albert Speer bot mit seinen Geschichten der bundesdeutschen Gesellschaft ein ideales Entschuldigungsangebot, wenn sogar der engste Vertraute Hitlers nichts wusste von den Verbrechen des Regimes“, sagt Andreas Mix vom Mannheimer Stadtarchiv Marchivum in SWR2. Im Bild links: Die Woche, 8.9.1937; rechts: Deutsche Illustrierte, 1.2.1938 Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände Nürnberg Bild in Detailansicht öffnen
Fünfzehn Jahre lang war Speer mit seinen Lügen und Legenden präsent auf allen Kanälen, in allen Zeitungen und Zeitschriften, gab pausenlos Interviews in seiner Heidelberger Villa. Als Millionär und edler Ex-Nazi ist Speer 1981 in London gestorben, kurz vor einem Interviewtermin mit der BBC. Im Bild: Fotografien aus der Ausstellung Eberhard Reuß Bild in Detailansicht öffnen
Es hat fast vier Jahrzehnte gedauert, bis die Geschichtswissenschaft mit quellengesättigter Forschung die Lügen und Legenden von Speer und seinen publizistischen Helfershelfern entlarvt hat. Die famose Ausstellung „Albert Speer in der Bundesrepublik – Vom Umgang mit der deutschen Vergangenheit“ ist nun endlich auch in Mannheim der Heimatstadt von Albert Speer zu sehen. Im Bild: Albert Speer mit der Führungsriege - Titelbild des „Frontarbeiter OT“ Eberhard Reuß Bild in Detailansicht öffnen

Später stieg Speer dank medialer Unterstützung zum beliebten Zeitzeugen auf, der behauptete, von Hitler verführt worden zu sein. Diese Lebenslüge, die erst lange nach Speers Ableben im Jahr 1981 von Historikerinnen und Historikern entlarvt wurde, zeichnet die Ausstellung „Albert Speer in der Bundesrepublik – Vom Umgang mit der deutschen Vergangenheit“ nach.

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Die Ausstellung, die vom Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände Nürnberg konzipiert wurde, ist nun erstmals im Marchivum in Mannheim, der Heimatstadt von Albert Speer, noch bis zum 31.5.2020 zu sehen.

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