Theater Stuttgart Erinnerung an eine Agora: „Probegrube“ von Tobias Rehberger

Theater Stuttgart Erinnerung an eine Agora: „Probegrube“ von Tobias Rehberger

0516 Theater Stuttgart - Probegrube (Foto: Pressestelle, Staatstheater Stuttgart - Foto: Björn Klein)
Von Susanne KaufmannTobias Rehberger hat für seine „Probegrube“ kein Loch gegraben, sondern zunächst mal in die Höhe gebaut: einen Pavillon mit Außenwänden, die fast so lang sind wie eine 20-Meter-Bahn. Pressestelle Staatstheater Stuttgart - Foto: Björn Klein
Auf der Seite, die dem Schauspielhaus gegenüber liegt, führt eine lange Treppe hinauf. Pressestelle Staatstheater Stuttgart - Foto: Björn Klein
Dann steht man oben und schaut hinein – in eine labyrinthische Grube, in der sich kurz vor der Eröffnung sogar der Künstler selbst noch verlaufen hat. Pressestelle Staatstheater Stuttgart - Foto: Björn Klein
Tobias Rehberger: „Obwohl ich es so oft schon gesehen habe und überall so oft durchgegangen bin, am Computer, wusste ich jetzt wirklich nicht mehr so genau, wo man hoch oder hinunter kommt. Verrückt!“ Pressestelle Staatstheater Stuttgart - Foto: Swatch
Eine Grube für Stuttgart, die Stadt im Kessel (Bild vom Aufbau): keine 300 Meter Luftlinie vom Hauptbahnhof entfernt, wo noch auf Jahre so viel gebuddelt wird wie kaum in einer anderen deutschen Metropole. Pressestelle Staatstheater Stuttgart - Foto: Björn Klein
„Das weiß jeder, der hier im Hochsommer mal bei Luftstillstand durch die Innenstadt geht“, sagt Tobias Rehberger. „Stuttgart selbst ist ja auch ein Loch, auch eine Grube sozusagen. Und diese Übereinanderlagerung von Grubenideen, die hier stattfindet, ist natürlich hier, ganz speziell, präsenter als anderswo.“ Pressestelle Staatstheater Stuttgart - Foto: Björn Klein
Rehberger hat Häuser, Straßen, einen kleinen See entworfen, auch einen Bauernhof mit Feldern und einen Fußballplatz – aber alles geometrisch abstrahiert, halt typisch Rehberger: monochrome Flächen in klaren Farben – rot, gelb, grün, orange, blau und violett – strukturiert durch markante Geländer. Wie ein faszinierendes Op-Art-Wimmelbild, das man begehen kann. Pressestelle Staatstheater Stuttgart - Foto: Björn Klein
„Tobias ist kein Künstler, bei dem man einfach auf ein Bild drauf guckt. Das ist immer erlebbare Kunst, Kunst zum Anfassen“, nicht zuletzt theatrale Kunst, so Schauspielintendant Burkhard Kosminski. Die Konstruktion der „Probegrube“ (hier beim Aufbau) erinnert an eine antike Agora und hat damit auch optisch zu tun mit einem Theater. Doch welches Stück wird hier geprobt? Protest gegen Stuttgart 21? Pressestelle Staatstheater Stuttgart - Foto: Björn Klein
Tobias Rehberger: „Ich habe, glaube ich, noch nie einen Ton zu dem gesagt, ob das hier in Stuttgart schlimm oder nicht schlimm wäre. Ich möchte den Finger heben zu der Frage: Was könnte zu dem, was entsteht, eigentlich noch entstehen? Nicht im Sinne von ‚Da ist irgendwas Schlechtes‘, sondern: Könnte es vielleicht noch besser sein?“ Pressestelle Staatstheater Stuttgart - Foto: Björn Klein
Was also könnte entstehen, bei der Planung eines frei werdenden Gleisfeldes, eines neuen Stadtteils, der hinter dem Bahnhof gebaut soll. Rehberger ist mit der Region vertraut. Er ist in der Nähe von Stuttgart aufgewachsen, in Denkendorf. Pressestelle Staatstheater Stuttgart - Foto: Björn Klein
Doch Tobias Rehberger stellt klar: „Was hier passiert, ist eigentlich etwas, was über Stuttgart hinausgeht. Das ist mir deshalb ein bisschen zu eng gedacht, wenn man, sozusagen, nur als Inländer denkt, es ginge um so ein paar Quadratkilometer unbebaute Gleise. So ist das ja nicht.“ Pressestelle Staatstheater Stuttgart - Foto: Björn Klein
Darum appelliert Tobias Rehberger an das utopische Potenzial und zeigt mit seiner „Probegrube“ auch, dass es sich immer lohnt, zweimal hin zu schauen. Pressestelle Staatstheater Stuttgart - Foto: Björn Klein
Was man üblicherweise sieht, wenn man im Inneren einer Baugrube steht und an die Wände blickt – etwa die Betonverschalungen – ließ Tobias Rehberger als illusionistische Kulissenmalerei auf die Außenseiten seines Freiluftpavillons drucken. Zu erkunden ist das alles bis zum 4. Juli. Danach wird zurückgebaut. Pressestelle Staatstheater Stuttgart - Foto: Björn Klein
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