Ausstellung Meister des Konstruktivismus – Hans Jörg Glattfelder im Museum Ritter

Susanne Kaufmann

Hans Jörg Glattfelder gilt als Meister der konkreten Kunst. Die Arbeit mit strengen geometrischen, oft quadratischen Formen zeichnet seine Arbeit aus. Anlässlich seines 80-jährigen Geburtstags widmet das Museum Ritter in Glattfeld dem Schweizer Künstler eine Ausstellung. „Konkrete Kunst ist nicht nur Geometrie“, sagt Glattfelder in SWR2. „Es ist Kunst, bei der das Bildgeschehen sich selbst bedeutet. Es ist die Kunst unseres Jahrhunderts.“

Bilder Hans Jörg Glattfelder - Vom Besonderen zum Allgemeinen

0703 Museum Ritter - Hans Jörg Glattfelder (Foto: SWR, SWR - Foto: Susanne Kaufmann)
Hans Jörg Glattfelder möchte zum Denken anregen, Vieldeutigkeiten oder Widersprüche ermöglichen, und da ist die Konkrete Kunst für ihn ideal. „Es ist die Kunst unseres Jahrhunderts. Es ist nicht nur Geometrie, es ist Kunst, bei der das Bildgeschehen sich selbst bedeutet. Sie bildet nichts ab.“ SWR - Foto: Susanne Kaufmann Bild in Detailansicht öffnen
Für eine zentrale Wand im Museum Ritter hat Hans Jörg Glattfelder ein großes Relief entworfen, „Les gouttes du temps“: 19 schwarze Tropfen, jeweils mit einem dahinter montierten Quarzlaufwerk. Das Relief ist nur auf den ersten Blick statisch, denn im Hintergrund läuft die Zeit, so dass sich die Tropfen permanent um die eigene Achse drehen.Im Bild: Glattfelder im Gespräch mit der Kuratorin Barbara Willert SWR - Foto: Susanne Kaufmann Bild in Detailansicht öffnen
Die Bewegung selbst nimmt man nicht wahr, wohl aber den Prozess, denn die Spitzen der Tropfen ändern ihre Richtung. „Es gibt keine spezielle Form, die mein ganzes Lebenswerk begleiten würde. Der einzige rote Faden, der durch meine Werke geht, ist das Bekenntnis zu Rationalität.“, sagt Glattfelder. SWR - Foto: Susanne Kaufmann Bild in Detailansicht öffnen
Geboren wurde er 1939 in Zürich, der Stadt von Richard Paul Lohse und Max Bill, die er später als seine größten Vorbilder bezeichnen sollte. Als junger Mann geht Glattfelder nach Italien, wo er sich für die Künstlerexistenz entschied. Als Inspiration für seine frühesten geometrischen Werke dienten auch die schwarz-weißen Bodenplatten im Florentiner Baptisterium.Im Bild: Glattfelder mit Besuchern während der Ausstellungseröffnung. SWR - Foto: Susanne Kaufmann Bild in Detailansicht öffnen
Der internationale Durchbruch gelang ihm in den 60er Jahren mit seinen Pyramidenreliefs, die er aus unzähligen Kunststoffmodulen zusammensetzte. Von der Form her erinnern sie an die Unterseite von Eierkartons. Dabei sind die vier Seiten einer jeden Pyramide verschieden lackiert, so dass sich je nach Blickrichtung die Farbigkeit verändert. SWR - Foto: Susanne Kaufmann Bild in Detailansicht öffnen
Einem ähnlichen optischen Prinzip folgen die sogenannten Lamellenreliefs, deren Aufbau sich an Faltbildern orientiert. Auch hier fragt man sich immer wieder: Was sehe ich da eigentlich? SWR - Foto: Susanne Kaufmann Bild in Detailansicht öffnen
Das Museum Ritter gibt nun in seinem Erdgeschoss anhand zentraler Werke einen guten Überblick über die präzise konstruierten Reliefs, Gemälde und Grafiken, in denen sich Glattfelder sogar mit der nichteuklidischen Geometrie auseinandersetzte. SWR - Foto: Susanne Kaufmann Bild in Detailansicht öffnen
In Mailand, New York und Paris hat Hans Jörg Glattfelder gelebt. Vor vier Jahren zog er zurück in die Schweiz, nach Basel. Mit seiner Kunst hätte er gern die Welt verändert, ganz nach dem Vorbild der russischen Konstruktivisten. Doch irgendwann verabschiedete er sich von diesem Traum. SWR - Foto: Susanne Kaufmann Bild in Detailansicht öffnen
Geblieben ist bis heute das Festhalten an der Rationalität, auch ein politisches Statement. „Das Vertrauen, dass wir die Welt mit dem Verstand meistern können, ist eigentlich die einzige Hoffnung, die wir haben.“ SWR - Foto: Susanne Kaufmann Bild in Detailansicht öffnen

„Es gibt keine spezielle Form, die mein ganzes Lebenswerk begleiten würde. Der einzige rote Faden, der durch meine Werke geht, ist das Bekenntnis zu Rationalität.“ Hans Jörg Glattfelder.

Dauer



Die Ausstellung „Hans Jörg Glattfelder – Vom Besonderen zum Konkreten“ läuft noch bis zum 15. September im Museum Ritter in Waldenbuch.

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