Probleme beim Neubau der Kunsthalle Mannheim Eröffnung mit leeren Wänden

Kommentar am 8. November von Annette Lennartz

Ein Hauch von Flughafen BER in Mannheim: Die neue Mannheimer Kunsthalle wird zwar am 2. Adventswochenende eröffnet - wie geplant. Gemälde aber kommen vorerst nicht hinein. Und die zweite Überraschung: Nach drei Tagen wird sie wieder geschlossen - und zwar für ein halbes Jahr. Der Grund seien Restarbeiten am Neubau. Dennoch wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 18. Dezember zur feierlichen „Schlüsselübergabe“ eintreffen. Ein Kommentar von Annette Lennartz.

Tageslichtatrium des Neubaus der Kunsthalle Mannheim (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - Foto: Uwe Anspach)
Tageslichtatrium des Neubaus der Kunsthalle Mannheim picture-alliance / dpa - Foto: Uwe Anspach

Ob der Berliner Flughafen je in Betrieb gehen wird, das weiß niemand, auch die Elbphilharmonie ist Jahre zu spät eröffnet worden, warum soll dann bei der Mannheimer Kunsthalle alles klappen? Ein halbes Jahr später – geschenkt! Aber die Begründung ist schon merkwürdig: Sie lautet: Der Bau sei fertig und in Ordnung. Nur bei Begehungen mit Polizei und Versicherung seinen Sicherheitslücken aufgefallen. 30 Bewegungsmelder müssten zusätzlich installiert werden. Außerdem seien noch andere kleiner Nachbesserungen nötig. Die Bilder könnten erst danach gehängt werden.

Mehr Zeit für das kuratorische Feintuning

OK, das kann passieren! Aber können 30 Bewegungsmelder die Eröffnung von einem Museum sechs Monate lang hinauszögern. Man sollte wohl eher die Aussage der Direktorin der Kunsthalle beachten. Sie sagte auf der Pressekonferenz, dass sie sehr erleichtert sei, wirklich sehr erleichtert, weil sie jetzt Zeit für das kuratorische Feintuning habe.

Ja, die Hängung der wertvollen Werke, die muss halt auch stimmen! Da möchte man gern glänzen! Das kann man nicht nur am Schreibtisch vorplanen, da muss viel ausprobiert werden. Vielleicht war im Plan dafür einfach zu wenig Zeit vorgesehen.

Der Neubau der Mannheimer Kunsthalle ist eigentlich eine Erfolgsgeschichte

Was auch immer die lange Verzögerung verursacht hat – eine schlüssige Begründung wäre besser gewesen. Denn der Neubau der Mannheimer Kunsthalle ist eigentlich eine Erfolgsgeschichte. Von Beginn an lagen die verschiedenen Bauabschnitte fast immer im geplanten Zeitlimit und vor allem, der finanzielle Rahmen ist nicht überschritten worden, Dank eines finanziellen Puffers können sogar Nachbesserungen verkraftet werden. Die 68 Millionen Euro Baukosten wurden zudem überwiegend durch Spenden finanziert. Und außerdem hat sich ein Fördererkreis gegründet, der jedes Jahr etwa eine Million Euro für den Betrieb zuschießen möchte. Ein vorbildliches Projekt also!

Pseudoeröffnung mit Bundespräsident

Bis auf diese merkwürdige Verzögerung und eine ebenso merkwürdige Pseudoeröffnung. Nur am 2. Adventswochenende kann man das Museum anschauen. Und zu sehen sind aber keine Gemälde, nur einige Skulpturen und die Anselm Kiefer Werke. Wirklich schade.

Warum dann nicht gleich auf die Festivität im Dezember verzichten, bis alles soweit ist? Vermutlich ist diese Entscheidung dann auf die Zusage des Bundespräsidenten zurück zu führen. Er kommt nicht alle Tage. Er hat für den 18. Dezember zugesagt. Und so wird die Stiftung Kunstverein Mannheim dann auch offiziell die Schlüssel übergeben, und alle werden die schönen leeren Wände bewundern können.

STAND