Kunst aus der Südpfalz Die Malerin Sonja Bittlinger

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Von Kerstin Bachtler

Sonja Bittlinger ist erst seit wenigen Jahren als Malerin tätig und hat mit ihren Bildern bereits international Aufmerksamkeit erregt. Vor drei Jahren gewann sie einen Kunstpreis in der Schweiz, auch eine Galerie in London möchte ihre Bilder zeigen. Die bescheidene Südpfälzerin, die immer noch in ihrem erlernten Beruf als Floristin arbeitet, ist von diesem Erfolg überrascht.

Komfortables Atelier im Keller

Mit einem Spachtel kratzt Sonja Bittlinger eine lehmige Masse aus einem Eimer auf die große Leinwand, die vor ihr auf dem Tisch liegt. Im Keller ihres Wohnhauses, wo sie mit Mann und Sohn lebt, hat sie sich ein großes komfortables Atelier eingerichtet, mit viel Platz zum Arbeiten und einem großen Raum, wo die meist großformatigen Werke an den Wänden stehen.

Schichten aus Palmblättern und Tapeten

Am liebsten arbeitet Sonja Bittlinger aber unter freiem Himmel in ihrem Garten hinter dem Haus. Die Wirkung der Luft und vor allem des Sonnenlichts setzt sie ganz gezielt ein, um die Materialien in ihren Bildern zu formen. Zum Beispiel arbeitet sie Palmblätter oder Tapeten ein und überarbeitet das Ganze mit Sumpfkalk. Dann lässt sie es draußen in der Sonne trocknen, so dass Risse entstehen.

Gips, Zement und Kaffeesatz

Sonja Bittlingers Bilder haben eine grobe Struktur. Sie verwendet häufig Werkstoffe aus dem Baubereich wie zum Beispiel Gips, Zement, Beton und Lacke. Dazu kombiniert sie trockenes Holz oder Rindenstücke, die sie in der Natur findet. Gern greift sie auch zu Materialien, die man in einem Bild zunächst nicht erwartet. Zum Beispiel Kaffeesatz, der das Bild bräunlich färbt: „Wenn man da dann weiße Farbe draufmacht, dann kommt der Kaffee wieder raus. Dadurch sieht das Bild alt aus, das mag ich.“

Durch Überlagerungen entsteht der Eindruck räumlicher Tiefe

Stilistisch erinnern Sonja Bittlingers an Werke von Vertretern der so genannten informellen Kunst wie Antoni Tapies, Gabriele Middelmann und Emil Schumacher. Alle vier Künstler verbindet ein besonderer Umgang mit der Oberfläche ihrer Bilder. Durch Überlagerungen, verschiedene Schichten und Strukturen, die sich in harmonischen Verläufen aus meist erdigen und dunklen Farbtönen verbinden, entstehen Flächen, die der Betrachter als räumliche Tiefe deuten kann.

Bilder von Sonja Bittlinger an der Wand ihres Ateliers in Billigheim-Ingenheim, Südpfalz (Foto: SWR, SWR - Kerstin Bachtler)
Bilder von Sonja Bittlinger an der Wand ihres Ateliers in Billigheim-Ingenheim, Südpfalz SWR - Kerstin Bachtler

Zur Künstlerin geworden in der Elternzeit

Angefangen hat sie mit der Kunst vor acht Jahren. Da kam Sonja Bittlingers Sohn zur Welt und die junge Mutter nahm für eine Weile Elternzeit in Anspruch. Sie ist gelernte Floristin und liebt den gestalterischen Spielraum, den ihr der Beruf bietet. Sie spürte deutlich, wie sehr dieser ihr nach der Geburt ihres Kindes fehlte, und so begann sie mit ihrer Kunst.

„Ich habe nie eine Ausbildung gemacht“, erzählt sie, „allerdings ganz am Anfang die Spachteltechnik geübt bzw. gelernt. Ich habe immer etwas Kreatives gesucht und konnte dann gar nicht mehr aufhören, in jeder Minute habe ich gedacht, ich muss malen, es war wie eine Sucht.“

Bilder von Sonja Bittlinger an der Wand ihres Ateliers in Billigheim-Ingenheim, Südpfalz (Foto: SWR, SWR - Kerstin Bachtler)
Bilder von Sonja Bittlinger SWR - Kerstin Bachtler

Einladung aus London

Inzwischen wurde auch die Kunstszene auf Sonja Bittlinger aufmerksam. 2015 erreichte die Künstlerin beim Kitz Award in Kitzbühel unter 600 Teilnehmern den vierten Platz. In Kunstforen im Internet wurde sie von einem Londoner Galeristen entdeckt. Sonja Bittlinger erlebte daraufhin das, was sich viele Künstler wünschen. Sie wurde gebeten, ihre Bilder in London präsentieren. Möglicherweise kann der Plan im kommenden Jahr realisiert werden.

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