Kunst Mann der leisen Erkennungsmelodie: Andrea Lissoni leitet Münchner Haus der Kunst

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18:40 Uhr
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SWR2

Der 49-jährige Italiener Andrea Lissoni von der Tate Modern in London wird künstlerischer Leiter im Haus der Kunst in München. Der Kunsthistoriker und Kulturmanager soll seine Arbeit am 1. April 2020 aufnehmen. Lissoni sei in der Museumswelt international sehr gut vernetzt und erfahren im Management von Kunstinstitutionen, so der bayerische Kunstminister Bernd Sibler, CSU.

Andrea Lissoni: Eine „Titelmelodie“ für das Haus der Kunst entwickeln

Zudem besitze er einschlägige inhaltliche Expertise in der modernen und zeitgenössischen Kunst. Lissoni gilt als Fachmann für zeitgenössische Kunst und Film, hat unter anderem eine Arbeit zur filmischen Zusammenarbeit von Edgar Reitz und Alexander Kluge verfasst. Die mit der Suche nach der neuen Leitung betraute Findungskommission lobte das Auftreten des Italieners. Er schlage eher leise Töne an und stelle die künstlerische Kraft seines Programms ins Zentrum, hieß es.

Lissoni selbst äußerte auf der Pressekonferenz, er wolle eine neue „Charakteristik“ für das Haus der Kunst entwickeln, eine bekannte „Titelmelodie“, die man mit der Institution verbinden solle. Zwar sei der lokale Zusammenhang wichtig, aber das Haus der Kunst solle auch größere nationale und internationale Ausstrahlung erlangen.

Neustart für Lissoni in schwieriger Zeit

Lissoni wird bis zum Amtsantritt in München an der Tate Modern arbeiten. Als sogenannter Senior Kurator ist er dort unter anderem für Ausstellungen, Ankäufe und Wechselausstellungen verantwortlich.

Das Haus der Kunst befindet sich in einem Umstrukturierungsprozess, ausgelöst durch massive Geldprobleme, die im Sommer 2017 bekannt geworden waren. Der Aufsichtsrat stellte dem künstlerischen Leiter deshalb einen kaufmännischen Geschäftsführer an die Seite. Zudem steht die umfassende Sanierung des neoklassizistischen Gebäudes an, das die Nationalsozialisten errichtet und 1937 eröffnet hatten.    

Die Findungskommission hatte seit Ende Februar nach einem Nachfolger für Okwui Enwezor gesucht. Der Kunstexperte hatte das Haus im Sommer 2018 verlassen und war im März 2019 nach schwerer  Krankheit mit nur 55 Jahren gestorben.

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