Kunst Akt mit „Cliffhanger“: „Lot und seine Töchter“ für Karlsruher Grien-Ausstellung

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12:33 Uhr
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SWR2

Für die große Landesausstellung über den Straßburger Renaissance-Maler Hans Baldung Grien wird in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe derzeit ein weiteres Grien-Meisterwerk restauriert: drei Fragmente zum biblischen Motiv „Lot und seine Töchter“

Kunst Akt mit „Cliffhanger“: „Lot und seine Töchter“ für die Karlsruher Grien-Ausstellung

Lot und seine Töchter von Hans Baldung  (Foto: SWR, Foto: Oliver Grimm)
„Lot und seine Töchter“ heißt das auf eine Eichenholztafel gemalte Bild, das der Straßburger Künstler Hans Baldung Grien um 1535/40 gemalt hat. Die Tafel wurde – aus welchen Gründen auch immer – in mehrere Teile zersägt. Ein Fragment zeigt Lots ältere Tochter als liegenden Akt auf einer mit rotem Stoff drapierten Liege. Das zweite Teilstück zeigt Loth, der aus einem Weinbecher trinkt. Rechts auf dem dritten Teilstück das brennende Sodom, mit der zur Salzsäule erstarrten Frau von Lot. Obwohl dazwischen ein Stück fehlt, zeigt das Bild die ganze biblische Geschichte, so Kurator Holger Jacob-Friesen. Foto: Oliver Grimm Bild in Detailansicht öffnen
Hans Baldung Grien gestaltet hier das ganze „seelische Drama“, sagt Kurator Holger Jacob-Friesen. „Diese psychologische Dimension ist neu in der damaligen Kunst. Der Seitenblick von Lot zeigt offenbar Begehren und gleichzeitig Schuld. Der fromme Mann wird gleich eine Sünde begehen.“ Staatliche Kunsthalle Karlsruhe / Erworben mit Hilfe der Ernst von Siemens Kunststiftung Bild in Detailansicht öffnen
Auch der liegende, provokant dem Betrachter zugewandte Akt sei in dieser Form ungewöhnlich für die Zeit, so der Kurator. Grien hatte hier wohl italienische Vorbilder, wie Giorgione oder Tizian, vermutet Jacob-Friesen: „Er kippt den Akt gleichsam in die Fläche, dem Betrachter entgegen. So kommt der Betrachter mit ins Spiel, seine eigenen Gefühle und Gedanken, seine erotischen Phantasien.“ Staatliche Kunsthalle Karlsruhe / Erworben mit Hilfe der Ernst von Siemens Kunststiftung Bild in Detailansicht öffnen
Holger Jacob-Friesen: „In diesem Bild sind simultan verschiedene Momente der Geschichte dargestellt. Die Verführungsszene, die schwierige Inzestgeschichte und die Vergangenheit, nämlich das brennende Sodom, ist eigentlich auch Zukunft, denn es ist im Hinblick auf das jüngste Gericht zu sehen, das sozusagen drohend am Horizont steht.“ Staatliche Kunsthalle Karlsruhe / Erworben mit Hilfe der Ernst von Siemens Kunststiftung Bild in Detailansicht öffnen
Der fehlende Teil des Bildes zeigt die zweite, jüngere Tochter von Lot als Halbakt. Von dieser Tafel existiert eine Fotografie in einem Auktionskatalog vom 1977, doch wo sich diese Tafel befindet, ist unbekannt. Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung, die erheblich zum Kauf der drei Bildfragmente beigetragen hat: „Es ist ein Kunstwerk mit Cliffhanger. Die jüngere Tochter fehlt noch, und wir werden ein scharfes Auge auf den Kunstmarkt haben, ob sie Tochter noch auftaucht.“ Foto: Oliver Grimm Bild in Detailansicht öffnen

Glücklicher Erwerb in London

Kurator Holger Jacob-Friesen ist glücklich, dass er die Fragmente in der Ausstellung zeigen kann. Er hatte die drei Tafeln bei einem privaten Sammler in England entdeckt. Trotz Zusage, sie als Leihgabe erhalten zu können, standen sie in London plötzlich zum Verkauf.

Mit Hilfe von Partnern wie der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Museumsstiftung Baden-Württemberg und einer anonym bleibenden Mäzenin sei es gelungen, sie zu erwerben. Jacob-Friesen: „Das ist ein Glücksmoment.“

Große Landesausstellung über Hans Baldung Grien vom 30. November bis zum 20. März 2020 in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe.

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