Ausstellung „Futur, Ancien, Fugitif: Une Scene Francaise“

Ausstellung „Futur, Ancien, Fugitif: Une Scene Francaise“

Ausstellung „Futur, Ancien, Fugitif: Une Scene Francaise“ im Palais de Tokyo (Foto: Palais de Tokyo / Courtesy of the artist)
Ein Feuer in der Nacht – rot maskierte Männer, kaum mehr als ihre Silhouetten sind erkennbar, tanzen um das Feuer – immer wieder springt einer auch mitten durch die Flammen, er schwenkt eine Fahne, Funken sprühen, in Zeitlupe sind Nahaufnahmen des lodernden Feuers zu sehen. Es ist ein Johannisfeuer. Die Künstlerin Mali Arun, mit Anfang 30 eine der jüngsten der Ausstellung, drehte die Bilder im Elsass beim traditionellen Johannis-Fest. Eine traumähnlich bedrohliche Atmosphäre geht aus von dieser Videoarbeit, für die Mali Arun dieses Jahr beim Salon de Montrouge für junge Kunst mit dem Hauptpreis ausgezeichnet wurde. Palais de Tokyo / Courtesy of the artist
Claire Moulène, eine der vier Kuratorinnen, sagt: „Es ist ein ziemlich subjektives Porträt der französischen Kunstszene. Ohne den Anspruch, repräsentativ oder vollständig zu sein, das wäre auch unmöglich.“ - Auf dem Bild: Pierre Joseph, Mûres, photographies sans fin, 2019. Palais de Tokyo / Courtesy of the artist & Air de Paris (Paris)
Zum Ausstellungstitel „Futur, ancien, fugitif“ („zukünftig, früher, flüchtig“) sagt die Kuratorin, er sei aus einem Roman von Olivier Cadiot übernommen. Claire Moulène: „In dem Buch kommt eine Robinson-Figur vor. Und dieser Robinson ist auch eine gute Metapher für die Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung: Sie existieren ein bisschen abseits, viele sind zum Beispiel auf dem Kunstmarkt kaum präsent.“ - Auf dem Bild: Nina Childress, Sauna, 2019, oil on canvas, 38 x 61 cm. Palais de Tokyo / Courtesy of the artist and Galerie Bernard Jordan (Paris) / Adagp, Paris, 2019
So könnte man diese Ausstellung auch als ein Archipel von 44 sehr unterschiedlichen künstlerischen Robinson-Inseln begreifen. Inseln bunter geometrischer Formen sind zum Beispiel die würfelartigen Räume, die Nathalie Du Pasquier in die Hallen des Palais de Tokyo gebaut hat: „Zellen“, in denen sie ihre Gemälde zeigt. - Auf dem Bild: Nathalie Du Pasquier, Untitled, 2018, 150 x 100 cm, oil on canvas. Palais de Tokyo / Courtesy of the artist / Photo credit: Alice Fiorilli
Viele Künstlerinnen und Künstler nutzen das Internet, um ihre Werke zu zeigen und auch um sie zu produzieren. Der Videokünstler Grégoire Beil etwa arbeitet oft mit Bildmaterial der livestream-App Periscope. So verwendete er für seine Arbeit „Roman national“ Videos, die am 14. Juli 2016, dem Tag des islamistischen Attentats in Nizza gestreamt wurden. „Les Jeunesses d’Or“, sein neues Werk, zeigt eine Gruppe Jugendlicher, die sich permanent gegenseitig filmen, während sie in einem französischen Dorf eine ziemlich komische Jagd auf alte Menschen machen. Palais de Tokyo / Courtesy of the artist
Frankreich, seine Geschichte und auch die politische Aktualität werden auf mal mehr, mal weniger subtile Art in mehreren Arbeiten thematisiert. Alain Séchas, einer der bekanntesten Künstler der Ausstellung, zeigt eine Wand mit Cartoon-Zeichnungen, die er seit dem Sommer 2018 beinahe täglich auf Instagram gepostet hat: Humorvolle Alltagsbeobachtungen und Kommentare zu Themen vom Kunstbetrieb bis zur Gelbwesten-Bewegung. - Auf dem Bild: Alain Séchas, Il fait très très beau, 5/15/2019, acrylic pen, colored pencil, 29,7 x 21 cm. Palais de Tokyo / Courtesy of the artist and Galerie Laurent Godin (Paris) / Adagp, Paris, 2019
Großartig ist auch die „Geschichte des Vandalismus in Frankreich“, die der Zeichner Nayel Zeaiter in großformatigen Comic-Bildern präsentiert. Über 200 Jahre französische Kunstzerstörung werden da nacherzählt – von der Revolution 1789 bis hin zu Gewaltakten der Gegenwart - wie dem Beschädigen und Beschmieren einer Skulptur von Anish Kapoor im Park von Versailles durch rechtsextreme Kunstfeinde oder der Zerstörungswut der Gelbwesten am Pariser Triumphbogen. - Nayel Zeaiter, Le mur Ligier Richier, 2017, stones, mortar, concrete, paper poster, 280 × 220 cm, Vent des Forêts, 2017. Palais de Tokyo / Courtesy of the artist / Photo credit: Clément Charbonnier / Adagp, Paris, 2019
Ein echtes Highlight der Ausstellung ist ein Werk mit dem Titel „Histoire de France en 3D“, Geschichte Frankreichs in 3D – ein Animationsfilm in Videospielästhetik des Pariser Künstlers Bertrand Dezoteux. Es ist eine Art road movie – bzw. rail movie: Zu sehen ist ein TGV, ein französischer Hochgeschwindigkeitszug auf einer im Wortsinn abgefahrenen und anspielungsreichen Reise quer durch Frankreich und die französische Kulturgeschichte. Von Biarritz bis Roland Barthes und seinen Mythen des Alltags, vom Historiker Jules Michelet bis zum Bahnhof von Le Mans: Eine rasante Reise, vorbei an Hässlichem und Schönem, Klugem und weniger Klugem. Palais de Tokyo / Courtesy of the artist
Kengné Téguia, The Karaoké Player, 2019, filmstill, video, 6’06’’ Palais de Tokyo / Courtesy of the artist
Vidya Gastaldon, Let It God (Santa Table), 201, mixed media, variable dimensions. Palais de Tokyo / Courtesy of the artist and gallery Art: Concept (Paris) / Photo credit: Fabrice Gousset
Maurice Blaussyld, GRANIT, 1998, granit, paper, ink, 145 x 80 x 25 cm. Palais de Tokyo / Courtesy of the artist and collection of Centre d'art contemporain de Grand-Hornu (Belgium)
Fabienne Audéoud, Parfums de Pauvre, collection of hundred bottles of perfumes, 2011-2019. Exhibition view „Le bien, salle 1", La Salle de bains, 2016. Palais de Tokyo / Courtesy of the artist / Photo credit: La Salle de bains / Adagp, Paris, 2019
STAND