Ausstellung Dampfablassen vor der Askese – Ausstellung zur Kulturgeschichte des Karnevals in Trier

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12:33 Uhr
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SWR2

Mit Beginn der Narrenzeit fragt die Trierer Ausstellung „Die Welt steht Kopf: Eine Kulturgeschichte des Karnevals“ nach den närrischen Traditionen und Entwicklungen über die Jahrhunderte – vom kirchlichen Ursprung im Mittelalter über die politischen Verbindungen im 19. Jahrhundert bis hin zur Gleichschaltung 1933 und zur Nachkriegszeit-Legende vom Widerstand.

Reguliertes Ausgelassen-Sein vor Beginn der Fastenzeit

Organisiert über die Stränge geschlagen wurde schon in der Antike. Deshalb stehen die Saturnalien und Baccanalien, die römischen Trinkgelage, am Anfang der Ausstellung. Mit Verkleidung und Maskeraden hatten sie eindeutig karnevaleske Züge, sagt Dorothee Henschel, eine der beiden Kuratorinnen der Trierer Ausstellung. Entstanden sei der Karneval aber im Mittelalter. Die Kirche plante strengere Verhaltensweisen und brauchte reguliertes Ausgelassen-Sein.

Diskrepanz zwischen Ausschreitung und Askese

Die dem Karneval eigentümliche Diskrepanz zwischen Ausschreitung und Askese zeigen Highlights der Ausstellung wie das Spitzweg-Gemälde „Narr in der Zelle“, und das Ölbild „Das jüngste Gericht“ aus dem 16. Jahrhundert. Kunstvolle Masken und Kostüme, Orden und Ornate, oder Narrenzepter als Insignien einer unwirklichen Macht, ziehen sich als roter Faden durch Schau.

Die Welt steht Kopf. Eine Kulturgeschichte des Karnevals. Stadtmuseum Trier (Foto: Stadtmuseum Simeonstift Trier)
Frans Breydel: Zwei Karnevalsszenen, 1. Hälfte 18. Jahrhundert, Öl auf Holz, Inv. Nr. III 36 und III 37 Stadtmuseum Simeonstift Trier

Entwicklung des Karnevals durch die Jahrhunderte

Parallel wird die Entwicklung des Karnevals durch die Jahrhunderte gezeichnet: vom religiös motivierten mittelalterlichen bis zum politischen Fasching im 19. Jahrhundert. Der entstand im Rheinland in der napoleonischen Zeit und in Trier nach der 1848er Revolution, sagt Mitkuratorin Jutta Albrecht. Der Name des ersten Trierer Karnevalvereins lautete „Zum Verdruss“:

Gleischschaltung 1933 und die falsche Legende vom Widerstand

Ab 1933 wurde Karneval gleichgeschaltet. In Trier bestieg ein arischer Prinz den Narrenthron, jüdische Karnevalisten wurden überall früh diskriminiert und hinausgedrängt. Die Ausstellung dokumentiert das und zerstört so die Legende vom Widerstand. Aufgearbeitet wurde die Zeit des Nationalsozialismus laut Kuratorin Jutta Albrecht erst ab den späten 70er Jahren.

Die Welt steht Kopf. Eine Kulturgeschichte des Karnevals. Stadtmuseum Trier (Foto: Ralf Schmitt - rechts: Jürgen Jacobs)
Anja Worst: Karnevalskostüm „Pfau“, 2018, Tüll, Korsage, Pfauenfeder, Leihgabe aus Privatbesitz - rechts: Der Sonnengott von Zalawen, 2017, Stoff, leuchtender Helm mit Federn und goldenen Schuhe Ralf Schmitt - rechts: Jürgen Jacobs

Im letzten und größten Teil der Ausstellung wird der Besucher durch Bühnenbilder von Fastnachtsgalas und an prämierten Faschingsverkleidungen vorbei geleitet. Und am Ende darf er sogar aktiv werden.

Die Welt steht Kopf: Eine Kulturgeschichte des Karnevals. Sonderausstellung im Stadtmuseum Simeonstift vom 10. November 2019 bis 26. Februar 2020

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