Ausstellung Wildnis (Foto: (Pressestelle) Schirn Frankfurt - Fotografen: NORBERT-MIGULETZ)

Ausstellung "Wildnis" in der Schirn Frankfurt

Von Martina Conrad

Parallel zur Ausstellung mit Werken des Tiermalers Wilhelm Kuhnert thematisiert die Ausstellung „Wildnis“ in der Schirn Frankfurt mit rund 100 Gemälden, Fotografien, Videos und Soundinstallationen von 35 internationalen KünstlerInnen den Begriff von der klassischen Moderne bis heute.

Themen, die die Kunstszene früher und heute beschäftigen

Um 1800 war es der Orientalismus, der über Europa schwappte. 100 Jahre später war es die Suche nach der Unberührtheit der Natur – man denke nur an Gauguin und die Expressionisten. Wieder 100 Jahre später ist es die Wildnis, die die Kunstszene beschäftigt.

Die Wildnis ist eine Illusion

Aber wie schon die beiden anderen vorausgehenden exotischen Naturwellen in der Kunst ist auch die Wildnis in Wirklichkeit nur noch eine Illusion. Weder fand Gauguin damals das Paradies auf Tahiti, noch Thomas Struth heute unberührte Wälder im brasilianischen Dschungel.

Struths Fotografien, Mark Dions ausgestopfter Wolf und Markus Coates inszenierte Selbstporträts als Fuchs spiegeln aber eine ganz große Sehnsucht nach unberührter Natur unserer Gesellschaft in Zeiten klimatischer Veränderungen wider, sagt Kuratorin Esther Schlicht.

Das habe mit der Diskussion um den neuen Begriff des "Anthropozäns" zu tun, entstanden aus der Einsicht, dass menschliches Handeln und Wirken inzwischen wirklich jede letzte Ecke unseres Planeten transformiert hat: "Wildnis ist tatsächlich keine Kategorie mehr. Und vor dem Hintergrund befragen Künstler unsere Beziehung zur Natur auch neu."

Schirn Kunsthalle Frankfurt | 1.11.2018 bis 2.2.2019 Wildnis

Ausstellung Wildnis in der Schirn Kunsthalle Frankfurt (Foto: (Pressestelle) Schirn Frankfurt - © Tate, London 2017)
Briton Rivière, Beyond Man's Footsteps1894, Öl auf Leinwand, 119 x 184,5 cm, © Tate, London 2017 (Pressestelle) Schirn Frankfurt - © Tate, London 2017 Bild in Detailansicht öffnen
Julian Charrière, Panorama 52° 29' 50.88" N 13° 22' 19.37" E2011, C-print on Alu-Dibond, 100 x 150 cm, Courtesy André Schlechtriem, © the artist & VG Bild-Kunst, Bonn 2018 (Pressestelle) - © the artist & VG Bild-Kunst, Bonn 2018 Bild in Detailansicht öffnen
Asger Jorn, Eine Cobra-Gruppe1964, Öl auf Leinwand, 132 x 162 cm, Peter und Gudrun Selinka Stiftung, Ravensburg/Kunstmuseum Ravensburg, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Foto: Thomas Weiss, Ravensburg Schirn Kunsthalle Frankfurt - © VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Foto: Thomas Weiss, Ravensburg Bild in Detailansicht öffnen
Richard Long, A Circle in Scotland1986, Photograph and text, © Richard Long, courtesy Lisson Gallery (Pressestelle) - © Richard Long, courtesy Lisson Gallery Bild in Detailansicht öffnen
Thomas Struth, Paradise 21Yuquehy/Brazil, 2001, 172,1 x 215,8 cm, © Thomas Struth Schirn Kunsthalle Frankfurt - © Thomas Struth Bild in Detailansicht öffnen
Georgia O'Keeffe, From the Plains II1954, Öl auf Leinwand, 122 x 183 cm, Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid (Pressestelle) - C.: Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid Bild in Detailansicht öffnen
Gerhard Richter, Tiger1965, Öl auf Leinwand, 140 x 150 cm, Museum Morsbroich, Leverkusen, © Gerhard Richter 2018 (0127) (Pressestelle) Schirn Frankfurt - © Gerhard Richter 2018 (0127) Bild in Detailansicht öffnen
Henri Rousseau, Le lion, ayant faim, se jette sur l'antilope1898 – 1905, Öl auf Leinwand, 200 x 301 cm, Fondation Beyeler, Riehen/Basel, Sammlung Beyeler (Pressestelle) Schirn Frankfurt - Copyright: robert bayer, bildpunkt AG, switzerland, Bild in Detailansicht öffnen
Hicham Berrada, Ghost #1seit 2013, Glasgefäß, Säure, Gänseblümchen, Kamera, Live-Projektion, Full-HD-Farbvideo, ca. 6 Min, Wentrup, Berlin und kamel mennour, Paris/London (Pressestelle) Schirn Frankfurt - Hicham Berrada Bild in Detailansicht öffnen
Blick in die Ausstellung "Wildnis" in der Kunsthalle Frankfurt, 2018, (Pressestelle) Schirn Frankfurt - Foto: Wolfgang Günzel Bild in Detailansicht öffnen

Darstellung von Wildnis nach dem Vorbild der klassischen Moderne

Die Künstler greifen dabei nicht selten auf die klassische Moderne zurück. So haben die Brüder Bisson im 19.Jahrhundert die Gipfel der Alpen fotografiert – damals Synonyme für unberührte Natur und Wildnis. Joachim Koester zeigt uns in seinen aktuellen Fotografien ein anderes Niemandsland, einen Wald an der polnisch-weißrussischen Grenze.

Henri Rousseaus berühmtes Dschungelbild hängt gegenüber von Gerhard Richters Tiger. Aber das Wilde gibt es nicht nur außerhalb, sondern auch in uns – dafür stehen in dieser Ausstellung Bilder der Gruppe Cobra und surrealistische Werke von Max Ernst.

Ausstellung Wildnis (Foto: (Pressestelle) Schirn Frankfurt - Copyright: robert bayer, bildpunkt AG, switzerland,)
Henri Rousseau, Le lion, ayant faim, se jette sur l'antilope, 1898 – 1905, Öl auf Leinwand, 200 x 301 cm, Fondation Beyeler, Riehen/Basel, Sammlung Beyeler (Pressestelle) Schirn Frankfurt - Copyright: robert bayer, bildpunkt AG, switzerland,

Wahre Entdeckungen sind die verwilderten Vorgärten, die Jean Dubuffet fast abstrakt in den 1950er Jahren gemalt hat. Und Helmut Middendorf gehörte mit seinen großformatigen expressiven Großstadtbildern selbst zu den Neuen Wilden in den 1970er Jahren.

Aus Wildnis wird Kunst wird Wildnis

Die Wildnis und ihre äußere sowie innere Erscheinung sind vielfältig in der Kunst, sie bieten auch Platz für neue Visionen. Und manchmal entsteht aus der Kunst neue Wildnis. So arbeitet Richard Long in der Wüste, setzt mit seinen Landart-Projekten künstlerische Akzente, aber gleichzeitig werden die Skulpturen der Natur ausgesetzt und kehren durch Wind und Wetter zu Mutter Erde zurück.

Mit der Ausstellung "Wildnis" greift die Schirn Kunsthalle in Frankfurt ein Thema auf, das bisher so noch nicht museal bearbeitet wurde, aber in der Gesellschaft und in Kunstkreisen heftig diskutiert wird. Gerade im historischen Zusammenspiel mit den Bildern der klassischen Moderne, aber auch mit der parallel laufenden Schau des Tiermalers Wilhelm Kuhnert ein gelungener Ansatz.

Ausstellung "Wildnis"| Schirn Kunsthalle Frankfurt | 1.11.2018 bis 3.2.2019

STAND