Ausstellung in der Berlinischen Galerie des Berliner Landesmuseum "Beckmann und Berlin"

Kulturthema am 17.11.2015 von Simone Reber

"Beckmann und Berlin" heißt eine Ausstellung in der Berlinischen Galerie, das ist das Berliner Landesmuseum. Zum ersten Mal überhaupt beleuchtet die Schau das Verhältnis des Malers Max Beckmann zu Berlin. Das verwundert deshalb besonders, weil Beckmann von seinen Zeitgenossen immer mit Berlin identifiziert wurde. Selbst dann noch, als er längst in Frankfurt lebte und lehrte. "Max Beckmann ist das neue Berlin" schrieb der Kunstschriftsteller Julius Meier-Gräfe 1924. Zu Beginn und am Ende seiner Laufbahn in Deutschland wohnte der Künstler in Berlin. Wie entscheidend die Stadt seine Malerei geprägt hat, kann man nun in der Ausstellung beobachten. "Beckmann und Berlin" wird am 19.11. eröffnet.

Erfolgreich und wohlhabend – schon der 23jährige Max Beckmann malt in einem frühen Selbstporträt seine siegessichere Vision von gesellschaftlicher Anerkennung. Im Frack, die Zigarette in der Hand steht er am Fenster. Die Gesichtszüge sind noch jugendlich weich, aber der Blick verrät die ganze Zielstrebigkeit. Gerade hat Max Beckmann mit dem ersten Bild, das in seinem Berliner Atelier entstand, einen Ehrenpreis des Deutschen Künstlerbundes und damit ein Stipendium in der Villa Romana gewonnen. Er hat seine Studienfreundin Minna Tube geheiratet. Das Paar zieht in ein Atelier- und Wohnhaus im Norden Berlins, das Minna selbst entworfen hat. Alles scheint zu gelingen, nur die Reaktion von Publikum und Kritik bleibt gespalten.

Die Kuratorin Stefanie Heckmann baut die mitreißende Ausstellung in der Berlinischen Galerie als Entwicklungsgeschichte auf. Die glasklare Struktur öffnet den Blick von den ungelenken Anfängen auf die geheimnisvollen Meisterwerke.

In Berlin sucht Beckmann sein Thema noch: das Leben. Er findet es auf der Straße. Ein anrührendes Stillleben zeigt die Sicht aus dem Atelier auf die verschneite Nachbarschaft. Handtuch, Waschbecken und die Schneedecke gehen in einander über und verraten bereits die Stärke des Malers, Innenräume nach außen zu stülpen. Aber erst nach seinem Nervenzusammenbruch im 1. Weltkrieg verdichten sich die Bilder zu schockgefrorenen Albträumen. Beckmann lässt seine Familie in Berlin, zieht 1915 nach Frankfurt und baut sich ein neues Leben auf. Jetzt porträtiert er die Berliner Gesellschaft aus der Distanz. Die Straße wird zum Jahrmarkt.

Bettler und Kriegsversehrte, Straßenkünstler, Prostituierte und Schieber – sie alle verkanten sich zu einem brutalen, vulgären Milieu. Noch immer ist es das Ziel des Künstlers, einen Raum in der Berliner Nationalgalerie zu erhalten. Dafür arbeitet der geschäftstüchtige Beckmann mit drei Galeristen zusammen, die er auch gegeneinander ausspielt. Alfred Flechtheim gelingt es, zunächst ein Gemälde als Schenkung zu platzieren. Schließlich wird 1932 ein Raum mit zehn Bildern in der Galerie der Gegenwart eingerichtet. Mit dem Gemälde "Fastnacht, Paris" zeigt die aktuelle Ausstellung die ganze Wucht, in der sich zu dieser Zeit Beckmanns künstlerische Kraft ballt.

Der Triumph dauert nur kurz. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wird der Saal wenige Monate nach seiner Eröffnung geschlossen. Max Beckmann zieht nach seiner Entlassung aus der Frankfurter Städel-Schule ein zweites Mal nach Berlin, hofft, in der Großstadt untertauchen zu können. Aber 1937 emigriert er - mit zehn Mark in der Tasche. Nach Deutschland kehrt der Künstler nie wieder zurück.

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