Reiss-Engelhorn-Museen SWR2 Kunstexpertin Marie-Dominique Wetzel zur Herkunft der Objekte in der Ausstellung „Javagold“

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Sendezeit
6:00 Uhr
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SWR2

Wilfried Rosendahl, Direktor der Reiss-Engelhorn-Museen, hat Kritik an der Ausstellung „Javagold – Pracht und Schönheit Indonesiens“ zurückgewiesen. Bei einer Pressekonferenz zur Eröffnung der Ausstellung am 11. September richtete er sich gegen den Vorwurf, dass die Herkunft der Objekte unklar sei: „Wir haben uns mehrfach schriftlich bestätigen lassen, dass die Objekte rechtmäßig auf Auktionen in den USA, Europa und Asien erworben worden sind“, betonte er.

SWR2-Kunstexpertin Marie-Dominique Wetzel ist der Frage nach der Herkunft der Objekte nachgegangen.

SWR2: Um was für eine Privatsammlung handelt es sich ? Woher kommt sie?

Marie-Dominique Wetzel: Im Vorwort des Ausstellungskatalogs wird die „Golden Lotus Foundation“ aus Singapur als Leihgeber genannt. Damit ist aber noch nicht die Frage beantwortet, woher die Objekte genau stammen und wie sie in die Sammlung kamen. Die Reiss-Engelhorn-Museen berufen sich darauf, dass die „Golden Lotus Foundation“ ihnen schriftlich versichert habe, dass die Objekte „rechtmäßig erworben wurden und nicht aus einem Unrechtskontext stammen“. Das scheint dem Museum als Provenienznachweis zu genügen.

Ist das nicht ausreichend?

Marie-Dominique Wetzel: Ein Beweis sieht zumindest anders aus. Man würde erwarten, dass sich ein Museum näher erkundigt und absichert. Auch wenn es durch eine solche pauschale Bestätigung rechtlich aus dem Schneider sein sollte, bleibt die Frage, ob ein solches Vorgehen ethisch-moralisch vertretbar ist. Es gibt ethische Richtlinien, wie sie der ICOM (International Council of Museums) erarbeitet hat. Ich habe mit zahlreichen Wissenschaftlern und Museumsfachleuten gesprochen. Die sehen eine so pauschale Bescheinigung eines Leihgebers durchaus kritisch.

Wie steht es um die wissenschaftliche Aufarbeitung dieser Sammlung?

Marie-Dominique Wetzel: Im Katalog steht oft unter den Gold-Objekten als Angabe nur „Java, 7. – 15. Jahrhundert“. Immerhin eine Zeitspanne von 800 Jahren. Das würde man sich genauer wünschen. Der ganze Fundkontext scheint oft unbekannt zu sein. Wo genau in Java ist das Objekt gefunden worden?

Das Museum verweist auf die wissenschaftliche Arbeit der Foundation selbst. Es gibt Bildbände, die die Foundation über die Sammlung publiziert hat. Die Texte sind jedoch aus meiner Sicht nicht wirklich kunstwissenschaftlich. Ich habe den Projektkoordinator der Reiss-Engelhorn-Museen darauf angesprochen. Er verwies darauf, dass die kultur- und kunstwissenschaftliche Aufarbeitung der Sammlung auch nicht das Anliegen dieser Ausstellung, sondern die Erforschung des Materials, also des Goldes, der Ausgangspunkt ist.

Die Reiss-Engelhorn-Museen verfügen über ein eigenes Forschungszentrum, das Curt Engelhorn Zentrum für Archäometrie, kurz CEZA. Seit fast zehn Jahren ist die Golden Lotus Foundation dort „Forschungspartner“. Das heißt, sie lässt ihre Goldschätze in diesen Labors analysieren, um die Echtheit prüfen zu lassen, mit der Hoffnung, die Objekte genauer datieren zu können. Das ist aber immer noch schwierig, wie mir der Projektkoordinator der Ausstellung und CEZA-Mitarbeiter sagte. Letztlich gebe es „für Gold noch keine naturwissenschaftliche Datierungsmethode“. So heißt es auch im Ausstellungs-Katalog.

Ihre Schlussfolgerung?

Marie-Dominique Wetzel: Ich finde, es ist sehr wichtig, über diese Fragen öffentlich zu sprechen. Auch die ethischen Richtlinien des ICOM sehen eine „Verpflichtung der Museen gegenüber der Öffentlichkeit“. Das ist ein wichtiger Punkt, denn Museen stehen für seriöse, wissenschaftliche Arbeit. Sie sollten sich also gut überlegen, mit wem sie zusammenarbeiten und was sie zeigen.

„Java Gold. Pracht und Schönheit Indonesiens“. Ausstellung in den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen vom 15. September 2019 bis zum 13. April 2020.

Reiss-Engelhorn-Museen Alfried Wieczorek: Erwerb aller Exponate von „Javagold“ dokumentiert

Alfried Wieczorek, Generaldirektor Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen weist Vorwürfe zurück, bei der Ausstellung „Javagold – Pracht und Schönheit Indonesiens“ würden Exponate gezeigt, deren Herkunft nicht zweifelsfrei nachgewiesen sei. „Zu jedem einzelnen Stück, das wir präsentieren, sind die Unterlagen zum Erwerb vorgelegt worden. Diese Unterlagen stammen aus Ankäufen und Auktionen in den USA, in Asien und in Europa und sind mit den entsprechenden Anforderungen an den Herkunftsnachweis gebunden.“ Weiter betonte Wieczorek im Gespräch mit SWR2, es gäbe keine Rückforderungen vonseiten Indonesiens, darüber hinaus errichte der Leihgeber „Golden Lotus Foundation“ zurzeit zwei Museen auf der indonesischen Insel Bali und in Singapur. „Die Sammlungsstücke werden also nicht wieder in den Verkauf gegeben, sondern in den Ursprungsländern in diesen Museen präsentiert und sie bleiben auch dort.“ Die Exponate seien also dem Handel entzogen. Dennoch räumte Wieczorek ein, dass es schwierig sei, die die direkten Umstände der Objekt-Auffindung in jedem Fall zu klären: „Man muss mit einer ungeklärten Herkunft insofern leben.“
Die Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim zeigen in der Ausstellung „Javagold“ ab kommendem Sonntag rund 400 Schmuck- und Kultgegenstände aus Indonesien. Ein Großteil der Goldobjekte, so das Museum, seien erstmals öffentlich zu sehen. Sie stammen aus einer Privatsammlung.  mehr...

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