Ausstellung Raffael in Berlin: „Die Madonnen der Gemäldegalerie”

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12:33 Uhr
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SWR2

Den Auftakt zum Raffael-Jahr 2020 (500. Todestag) macht die Berliner Gemäldegalerie, die ihre fünf Madonnen von Raffael zu einer Ausstellung vereint. Ergänzt wird die Schau durch eine phänomenale Leihgabe aus London, die Madonna mit den Nelken, die früher beinahe in der Berliner Sammlung gelandet wäre. Jetzt darf sie erstmals das Vereinigte Königreich verlassen. Die Ausstellung „Raffael in Berlin. Die Madonnen der Gemäldegalerie“ erzählt zugleich die Geschichte der Berliner Sammlung.

Ausstellung Raffael in Berlin: „Die Madonnen der Gemäldegalerie”

Raffael in Berlin. Die Madonnen der Gemäldegalerie (Foto: The National Gallery, London. Bought with the assistance of the Heritage Lottery Fund, The Art Fund (with a contribution from the Wolfson Foundation), the American Friends of the National Gallery, London, the George Beaumont Group, Sir Christopher Ondaatje and through public appeal, 2004)
Das kleinste Bild im Kreis der Madonnen zieht alle Blicke auf sich. Raffael weitet hier den Hintergrund in die Landschaft hinaus. Die Mutter sitzt mit ihrem Kind am Fenster. Hauchzarte Bänder halten ihr blondes Haar, die Hände schützen den Sohn ohne ihn zu berühren. Der kleine Junge greift nach den rosa Nelken. Alles wirkt verletzlich in dieser Szene. Eine bittere Vorahnung schwebt über der glücklichen Szene, denn die Nelken versinnbildlichen die Leiden Christi. - Raffael, Madonna mit den Nelken (The Madonna of the Pinks / La Madonna dei Garofani), um 1506-07, Öl auf Eibenholz, 27,9 x 22,4 cm. The National Gallery, London. Bought with the assistance of the Heritage Lottery Fund, The Art Fund (with a contribution from the Wolfson Foundation), the American Friends of the National Gallery, London, the George Beaumont Group, Sir Christopher Ondaatje and through public appeal, 2004 Bild in Detailansicht öffnen
Die preußischen Könige Friedrich Wilhelm III. und Friedrich Wilhelm IV. waren verrückt nach Raffael, sie verhandelten schon über die Madonna mit den Nelken, aber der Herzog von Northumberland schnappte ihnen das Gemälde vor der Nase weg. Die Madonna Solly wirkt noch statisch, der Blick des Kindes geht seltsam gekünstelt zum Buch in der Hand der Mutter. - Raffael, Maria mit dem Kind (Madonna Solly), um 1502, Öl auf Pappelholz, 54,3 x 40,6 cm. Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Jörg P. Anders Bild in Detailansicht öffnen
In der kleinen Ausstellung kann man auch beobachten, wie sich die Beziehung zwischen Mutter und Sohn in Bewegung setzt. Das Berliner Hauptwerk, die Madonna Terranuova, ein Rundbild, zeigt Maria mit dem Jesuskind, das Johannes segnet. Am rechten Rand schielt ein unbekannter Junge mit frechen Augen auf die Szene. Ein winziger Störfaktor in der Vollkommenheit. - Raffael, Maria mit dem Kind, Johannes dem Täufer und einem Heiligen Knaben (Madonna Terranuova), um 1505, Öl auf Pappelholz, D: 88,7 cm. Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Jörg P. Anders Bild in Detailansicht öffnen
Umwerfend ist die Zeichnung, die zu der Madonna existiert. Wie ein schwarz-weiss Foto erscheint Marias Gesicht, die Umrisse sind vom Durchpausen vervielfältigt. - Raffael, Kopf der „Madonna Terranuova“, Fragment des Kartons, um 1505, Zeichnung auf Papier, 18,1 x 14,9 cm Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Dietmar Katz Bild in Detailansicht öffnen
Raffael stehe für Klassizismus, die Suche nach Harmonie und Ausgewogenheit der Form, so Kuratorin Alexandra Enzensberger. Damit sei er eigentlich der Künstler par excellence für den Architekten des ersten Berliner Museums, Karl Friedrich Schinkel, und genauso für den ersten Museumsdirektor, Gustav Friedrich Wagen. - Auf dem Bild: Raffael, Maria mit dem segnenden Kind und den Heiligen Hieronymus und Franziskus, um 1502, Öl auf Pappelholz, 35,3 x 29,8 cm. Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Jörg P. Anders Bild in Detailansicht öffnen
Verloren sind allerdings die Tapisserien nach Vorlagen von Raffael, die hundert Jahre auf der Museumsinsel hingen. Sie waren vergessen, bis Kuratorin Alexandra Enzensberger sich fragte, warum ein Raum im Bode-Museum Gobelinsaal hieß, und zu forschen begann. Es gebe noch einen Plan, auf dem man ganz genau nachlesen könne, wo die Raffael-Tapisserien untergebracht waren. Da stehen die Raffael-Tapisserien direkt neben der Wache. - Auf dem Bild: Raffael, Maria mit dem Kind (Madonna Colonna), um 1508, Öl auf Pappelholz, 79 x 58,2 cm. Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Jörg P. Anders Bild in Detailansicht öffnen
Danach verliert sich die Spur. Dafür macht jetzt die Londoner Leihgabe das ursprüngliche Konzept der Sammlung für die Dauer der Ausstellung komplett. Europa sei Dank. - Auf dem Bild: Raffael, Maria mit dem Kind, das den Johannesknaben segnet (Madonna Diotallevi), um 1503, Öl auf Pappelholz, 72,8 x 52,2 cm. Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Jörg P. Anders Bild in Detailansicht öffnen

„Raffael in Berlin. Die Madonnen der Gemäldegalerie” in den Staatlichen Museen zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz, vom 13. Dezember 2019 bis zum 26. April 2020.

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