"Inspiration Matisse" in der Kunsthalle Mannheim

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22:45 Uhr
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SWR Fernsehen

Henri Matisse (1869-1954) hat die Kunst des 20. Jahrhunderts nachhaltig beeinflusst. Anlässlich seines 150. Geburtstags feiert die Kunsthalle Mannheim den "Kunstrevolutionär" mit einer opulenten Ausstellung.

Kalender, Postkarten, Bastelbögen, wir alle kennen Henri Matisse. Tun wir das wirklich? Mit Obstschalen, mediterranen Landschaften, pompösen Interieurs und üppigen Nackten hat Henri Matisse (1869-1954) die Kunst des 20.Jahrhunderts nachhaltig beeinflusst. Knallige Farben, unkonventionelle Malerei - von Derain über Rothko bis zu Popkünstlern wie Tom Wesselmann haben sich Maler und Bildhauer mit dem Meister der klassischen Moderne auseinander gesetzt.

Ausstellung „Inspiration Matisse“ in der Kunsthalle Mannheim

Inspiration Matisse (Foto: Foto: Edward Steichen - VG Bild-Kunst, Bonn 2018)
Hin zu Licht und Farbe! 1903 brach Matisse sein Jurastudium ab, zu dem ihn der Vater gedrängt hatte. Er hatte im Louvre alte Meister kopiert und war nach einem gescheiterten Versuch dann doch noch auf der École des Beaux-Arts in Paris angenommen worden. Edward Steichen: Henri Matisse, an „La Serpentine“ arbeitend, 1909, Fotogravüre, 22 x 17,4 cm, Paris, Musée d’Orsay Foto: Edward Steichen - VG Bild-Kunst, Bonn 2018 Bild in Detailansicht öffnen
Mit André Derain reiste Matisse nach Südfrankreich. Einige Bilder von dieser Reise wurden berühmt, darunter ein weiblicher Rückenakt, der aus New York ausgeliehen werden konnte: Man spürt förmlich beim Betrachten die Hitze des Sommers in den flächig aufgetragenen Orange- und Lilatönen. Diese Wucht der Farben war für die Zeitgenossen wie ein Schock. Henri Matisse: Akt im Wald | Nu dans la forêt, 1906 Öl auf Holz, 40.6 x 32.4 cm Brooklyn Museum, Geschenk von George F. Of Succession H. Matisse/ VG BildKunst, Bonn 2019 Bild in Detailansicht öffnen
Matisse und seine Künstlerfreunde zeigten die Werke 1905 auf dem Herbstsalon in Paris und wurden daraufhin von Kritikern als „Les Fauves“, „die wilden Tiere“, tituliert. Eine neue Kunstrichtung, der Fauvismus, war geboren. Bosco-Automat-Sofortbild: Henri Matisse, Albert Weisgerber und Hans Purrmann (v.r.n.l.), Löwenbräukeller, München, 1910 Foto: Hans-Purrmann-Archiv, München Bild in Detailansicht öffnen
An den ausgestellten Werken von Georges Braque, Henri Manguin und Charles Camoin sieht man, wie sehr Matisse mit seiner Malweise seine Zeitgenossen beeinflusst hat. Georges Braque: Sitzender Akt | Nu assis, 1906 Öl auf Leinwand, 61,28 x 50,8 x 3,33 cm, Milwaukee Art Museum, Gift of Mr. Harry Lynde Bradley VG Bild-Kunst Bonn Bild in Detailansicht öffnen
Besonders reizvoll sind aber die Einflüsse, die Matisse auf die deutschen Expressionisten hatte. Allein dieses Kapitel der Ausstellung ist einen Besuch wert. Ernst Ludwig Kirchner: Mädchenakt auf blühender Wiese, 1909, Öl und Leimfarbe auf Leinwand, 89,5 x 63 cm - Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See Foto: Nikolaus Streglich, Starnberg Bild in Detailansicht öffnen
Ein weiterer Schwerpunkt der Mannheimer Schau liegt auf dem bildhauerischen Werk von Matisse. Denn genauso wie er in der Malerei immer wieder Formen auflöst und an die Grenzen der Abstraktion kommt, tut er das auch in seinen Bronze-Plastiken. Die Mannheimer Kunsthalle, die einen Sammlungs-Schwerpunkt auf Skulpturen der Moderne gelegt hat, besitzt von Matisse einen lebensgroßen Rücken-Akt in Bronze, der Abschluß einer einer ganzen Serie. Henri Matisse: Weiblicher Rückenakt IV | Nu de dos IV, 1930 Bronze, 189 x 114 x 16 cm - Kunsthalle Mannheim Succession H. Matisse/ VG BildKunst, Bonn 2018 Bild in Detailansicht öffnen
Die Ausstellung schließt mit den Werken, die Matisse in seinen Jahren in Nizza zwischen 1917 und 1930 geschaffen hat. Henri Matisse, Stilleben mit Efeu (Skulptur und Vase mit Efeu) | Nature morte au lierre (Sculpture et vase de lierre), 1916, Öl auf Leinwand, 60 x 73 cm Foto: Centre Pompidou / Musée national d’Art moderne / Cliché Charles CHOFFET, Besançon, musée des Beaux-arts et d’archéologie Bild in Detailansicht öffnen
In der Spätphase findet man häufig das Motiv des Fensters wieder. Der Blick aus einem aufwendig drapierten Innenraum, meist mit weiblichem Modell hinaus in eine flirrende Sonnenlandschaft. Hans Purrmann: Blick auf Collioure, 1911, Öl auf Leinwand, 50 x 61 cm, Privatbesitz Süddeutschland VG Bild-Kunst Bonn Bild in Detailansicht öffnen
George Braque: Marine, L’Estaque, 1906, Öl auf Leinwand, 59 x 72,4 cm, Carmen Thyssen-Bornemisza Collection on loan at the Museo Nacional Thyssen-Bornemisza VG Bild-Kunst, Bonn 2018 Bild in Detailansicht öffnen
Henri Manguin: Die Druckgraphiken | Les Gravures, 1905, Öl auf Leinwand, 81 x 100 cm, - Carmen Thyssen-Bornemisza Collection on loan at the Museo Nacional Thyssen-Bornemisza, Madrid VG Bild-Kunst, Bonn 2018 Bild in Detailansicht öffnen
Henri Matisse: Großer Holzschnitt | Grand Bois, 1906 Holzschnitt, 58,4 x 46,5 cm Foto: Kunsthalle Mannheim / Cem Yücetas Bild in Detailansicht öffnen
Henri Matisse, Marguerite, 1906 Öl auf Leinwand, 65 x 54 cm Paris, Musée Picasso Foto: bpk | RMN - Grand Palais | RenéGabriel Ojéda Bild in Detailansicht öffnen

Ein Künstler für Künstler

Ein Künstler für Künstler und viel mehr. Mit der Schau „Inspiration Matisse“ möchte die Mannheimer Kunsthalle jetzt vor allem diesen Einfluss von Matisse auf nachfolgende Künstlergenerationen zeigen.

Bühnenbilder, Buchillustrationen, Tapisserien, Kirchenfenster. Matisse probierte sich in vielen Genres aus. Mit Erfolg. „Eine Harmonie analog der einer musikalischen Komposition“ war Ziel des musikalischen Malers, eine Absage an den Realismus seine neue Ästhetik.

Kunscht! ist beim Aufbau der Ausstellung in der Mannheimer Kunsthalle dabei und trifft den Kurator und Matisse-Experten Peter Kropmanns

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