Ausstellung Ins Digitale surfen: Michael Bielicky „Perpetuum mobile“ im ZKM Karlsruhe

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12:33 Uhr
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SWR2

Der Medienkünstler Michael Bielicky ist seit 2006 Professor für Neue Medien an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe und arbeitet immer wieder an Forschungs- und Ausstellungsprojekten des benachbarten ZKM mit. Dort ist jetzt eine Retrospektive seiner Arbeiten aus den letzten vierzig Jahren zu sehen.

Ausstellung Michael Bielicky „Perpetuum mobile“ im ZKM Karlsruhe

Michael Bielicky Perpetuum mobile, Ausstellung im ZKM Karlsruhe (Foto: Luc Laurent Bernard)
Eine mannshohe Menora, ein siebenarmiger Leuchter, auf dem - statt Kerzen - kleine Bildschirme sitzen, in denen Kerzenflammen flimmern. „Menora/Inventur“ ist ein frühes Werk von Michael Bielicky, es entstand 1988, noch während seiner Zeit an der Kunstakademie Düsseldorf. Letztlich habe er es wohl diesem Kunstwerk zu verdanken, dass er Professor an der benachbarten HfG Karlsruhe wurde, sagt Michale Bielicky. Luc Laurent Bernard Bild in Detailansicht öffnen
Einige Werke von Bielecky spielen zwischen analoger und digitaler Welt. Auch die große begehbare Metallspirale, die für die Ausstellung aus dem Nationalmuseum Prag ausgeliehen werde konnte, ist mit kleinen Bildschirmen besetzt. - The Name, 1990, Videoskulptur Michael Bielicky Bild in Detailansicht öffnen
Das Motiv der Spirale beziehungsweise des Labyrinths, hat Michael Bielicky auch in einer jüngeren Arbeit, dem „Data-Labyrinth“, aufgegriffen. Auf raumhohen Bahnen aus Fliegengitter flimmern einzelne Buchstaben und sorgen dafür, dass der Betrachter, der einen Weg hindurch sucht, schnell die Orientierung verliert. Hat man es hindurch geschafft, landet man in dem Ausstellungsteil, der Bielickys Lehrer Nam June Paik, einem der einflussreichsten Medienkünstler, gewidmet ist. - Hier auf dem Bild: Columbus 2.0, 2008. Datengesteuerte, interaktive und computergenerierte Installation. Michael Bielicky Bild in Detailansicht öffnen
Nam June Paik sei zwar relativ selten in der Akademie gewesen, da er in New York lebte, erinnert sich Michel Bielicky. Aber er habe seine Studierenden immer wieder nach New York eingeladen und sie dort ausstellen lassen. Besonders geprägt habe ihn, dass Nam June Paik den technologischen Wandel schon damals kritisch hinterfragt habe, so Bielicky: „Er war ein Visionär. Wir haben relativ wenig über Kunst gesprochen oder Kunststrategien, sondern über Gott und die Welt. Das war es, was den Kontakt zu ihm so wertvoll gemacht hat.“ Mali Ranzer Bild in Detailansicht öffnen
In der Ausstellung gibt es einige Werke, in denen man gut nachverfolgen kann, wie sich der damalige Meisterschüler und Assistent Michael Bielicky mit dem Werk seines Mentors Nam June Paik auseinandersetzt: Zwischen tiefer Bewunderung und der Suche nach dem eigenen Weg. Viele dieser frühen Arbeiten hat Michael Bielicky erst jetzt, bei der Vorbereitung für diese Retrospektive, in seinem persönlichen Archiv wiederentdeckt. Auch für ihn eine Art Zeitreise. - Auf dem Bild: Perpetuum mobile I, 1986 - Einkanalvideo. Michael Bielicky Bild in Detailansicht öffnen
Besonders interessant sind die Werke, in denen er sich mit seiner eigenen Herkunft, dem Prager Judentum auseinandersetzt. Zum Beispiel in der Videoarbeit „Golem is alife“, in der Bielicky bei seiner ersten Rückkehr nach Prag 1989 über den verschneiten jüdischen Friedhof geht. Sein herumirrender Blick durch die Videokamera bleibt immer auf einzelnen Inschriften hängen und löst sie scheinbar aus dem Stein heraus. - Hier auf dem Bild: Garden of Error and Decay, 2011 - Datengesteuerte, interaktive und computergenerierte Installation Michael Bielicky Bild in Detailansicht öffnen

Michael Bielicky wurde 1954 in Prag geboren. Seine Großeltern waren von den Nazis ermordet worden. Seine Eltern überlebten und emigrierten mit ihm 1969 nach Deutschland. An der Düsseldorfer Akademie erlebte er Beuys, Tony Cragg und Gerhard Richter. Bielicky zog nach New York, wo er als Fotograf arbeitete. Wieder zurück in Düsseldorf kam er zunächst in die Fotoklasse von Bernd Becher. Er wechselte bald zu dem Videokünstler Nam June Paik, dessen Meisterschüler und Assistent er wurde.

Michael Bielicky, Perpetuum mobile. Ausstellung im Karlsruher ZKM vom 13. Oktober 2019 bis zum 8. März 2020.

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