Ausstellung Historisch aufgeladene Orte eines Kontinents: „Dawn of Europe“ in Stuttgart

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12:33 Uhr
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SWR2

Der junge Künstler Georg Lutz war zwei Jahre lang in den Ländern der EU unterwegs, auf der Suche nach den Brennpunkten, in denen sich die derzeitigen europäischen Probleme spiegeln. Gefördert wurde er dabei unter anderem von der Kunststiftung Baden-Württemberg. Seine dokumentarischen Arbeiten sind jetzt zu sehen in der Ausstellung „Dawn of Europe“.

Lutz möchte zeigen, wie der Mensch mit seinem Handeln Ort oder Gegenstände historisch auflädt. Themen wie Migration, Rechtspopulismus oder die gefährdete Pressefreiheit reduziert er dabei oft auf ein einziges Bild.

Ausstellung Historisch aufgeladene Orte eines Kontinents: „Dawn of Europe“ in Stuttgart

Kunststiftung Baden-Württemberg: „Dawn of Europe“ Ausstellung Georg Lutz  (Foto: Foto: Georg Lutz)
„Dawn of Europe“ – Abenddämmerung Europas nennt der 32jährige Künstler das gesamte Projekt, von dem nur ein kleiner Teil in der Ausstellung zu sehen ist. Europa befindet sich seiner Meinung nach in einem negativen Wandel. Auch wenn die Fotografie des geographischen Mittelpunkts von Europa eine beschauliche Landschaft mit grünen Wiesen und Hügeln zeigt. Eine Stele und ein Park mit Europaflaggen, in Westerngrund an der hessisch-bayerischen Grenze: „Die Fotografie ist spät abends aufgenommen“, Georg Lutz, „um die Dämmerungsstimmung einzufangen am Mittelpunkt der EU, der für die gesamte EU steht.“ Foto: Georg Lutz Bild in Detailansicht öffnen
Eine Mülldeponie im Norden von Lesbos in Sichtweite zur türkischen Küste, dort häufen sich abgewrackte kleine Flüchtlingsboote. Bulldozer schieben unglaubliche Massen von orangefarbenen Rettungswesten zusammen, von denen der Großteil, laut verschiedener Hilfsorganisationen, offenbar Fälschungen sind, die, so Georg Lutz „nicht mal vor dem Ertrinken retten, sondern sich bei Kontakt mit Wasser vollsaugen und untergehen.“ Eine Gewinnmaximierung der Schlepperbanden sei das gewesen. Foto: Georg Lutz Bild in Detailansicht öffnen
Die Fotografien von Lutz zeigen keinen einzigen Menschen, berühren aber dennoch tief. Fast wie ein dekoratives Stilleben wirkt zum Beispiel der Ausschnitt eines roten Bistrotisches, auf dem Metallsplitter tiefe Kerben hinterlassen haben. Er steht im Pariser Café Comptoir Voltaire, wo sich bei den Anschlägen im November 2015 ein islamistischer Terrorist in die Luft sprengte und viele Menschen mit in den Tod riss. Foto: Georg Lutz Bild in Detailansicht öffnen
Georg Lutz bringt den Betrachter mit seinen Arbeiten zum Nachdenken. Ein Film und diverse Objekte runden die kleine Schau ab. Besonders eindrücklich aber demonstriert der umfangreiche Bildband „Dawn of Europe“ die derzeitige Befindlichkeit in der EU, wo man sich auch an den neuen Ton der Rechtspopulisten gewöhnen muss. Was der 32-jährige Künstler bei seinen Recherchen deutlich gespürt habe. Dawn of Europe“ ist eine künstlerische Arbeit mit stark dokumentarischem Charakter – wer wissen will, wie es um Europa bestellt ist, der sollte sie sich ansehen. Foto: Georg Lutz Bild in Detailansicht öffnen

Georg Lutz: „Dawn of Europe“ in der Kunststiftung Baden-Württemberg in Stuttgart, vom 8. bis zum 16. Oktober 2019.

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