Ausstellung Großvater der Popart: Larry Rivers im Museum Ludwig Koblenz

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12:33 Uhr
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SWR2

Das Museum Ludwig in Koblenz zeigt eine große Einzelshow mit über 70 Werken des amerikanischen Künstler Larry Rivers. Darunter Zeichnungen, Gemälde, Objekte, Skulpturen und Assemblagen aus amerikanischen Museen und Sammlungen. Larry Rivers gilt gemeinhin als Großvater der Popart. Um so erstaunlicher ist es, dass sein Werk seit 40 Jahren in Deutschland nicht in diesem Umfang zu sehen war.

Ausstellung „Larry Rivers - American-European Dialogue“ in Koblenz

Ausstellung Larry Rivers im Museum Ludwig in Koblenz (Foto: SWR, Natali Kurth)
Larry Rivers sah sich eigentlich zuerst als Musiker. Er studierte mit Miles Davis 1945 an der berühmten Juillard School in New York, kam auch mit Künstlern wie Wolfgang Niedecken zusammen, ging in Jazz Clubs. Wenig später interessierte er sich für Malerei. Kommt in Kontakt mit den Künstlern des Abstrakten Expressionismus, wie Jackson Pollock. Natali Kurth Bild in Detailansicht öffnen
Der Focus der Ausstellung liegt aber auf der intensiven Auseinandersetzung von Larry Rivers mit der europäischen Moderne und speziell der französischen Malerei. Beate Reifenscheidt, Direktorin des Ludwig Museums: „Jemand, der im abstrakten Expressionismus in New York groß wird, bricht aus und will figurativ malen. Und wo findet er seine ersten Impulse? Er geht ins Moma und sieht eine Ausstellung von Pierre Bonnard, der im selben Jahr stirbt. Dann reist er nach Paris und fängt an, sich in dieser Pariser Szene zu orientieren, trifft auch auf Niki de Saint Phalle und Tinguely.“ - Auf dem Bild: Larry Rivers: Wedding Photo, 1979. 73,66 x 74,93 cm. Collection Larry Rivers Foundation. Museum Ludwig Koblenz / Larry Rivers Foundation, VG Bildkunst Bonn 2019 Bild in Detailansicht öffnen
Larry Rivers sieht in Frankreich die französischen Meister und lässt sich von Manets Olympia zu einer Bleistiftzeichnung auf ausgeschnittenem Papier hinreißen. Natali Kurth Bild in Detailansicht öffnen
Oder er malt den „Tanz“ von Henri Matisse nach und montiert eine Holzpanelle daran, die einen gedeckten Tisch zeigt. Natali Kurth Bild in Detailansicht öffnen
Im Werk von Larry Rivers sind immer sehr gegensätzliche Kräfte zu spüren. Auf der einen Seite zitiert er historische Malerei und tatsächlich auch die sogenannte Historienmalerei. Auf der anderen Seite lässt er moderne Impulse zu und realisiert eigene Ideen. Berühmt ist seine Collage der frühen 60er Jahre von Napoleon Bonaparte. - Auf dem Bild: The Greatest Homosexual, 1964. 203.2 x 154.9 cm, Gift of Joseph H. Hirshhorn, 1966, Hirshhorn Museum and Sculpture Garden. Museum Ludwig Koblenz / Photography by Lee Stalsworth. Hirshhorn Museum and Sculpture Garden. / Estate of Larry Rivers, VG Bildkunst Bonn 2019. Bild in Detailansicht öffnen
Larry Rivers nimmt im Prinzip die Vorlage von Jacques Louis David, der Napoleon in seinem Arbeitszimmer in den Tuilerien gemalt hat, und zerlegt sie collageartig. Am Ende stehe seine Provokation „The Greatest Homosexual“, so Direktorin Beate Reifenscheidt. Natali Kurth Bild in Detailansicht öffnen
Dasselbe habe Larry Rivers auch mit O´Hara gemacht, seinem Freund. Beate Reifenscheidt: „Das war ein ganz berühmter Kurator am Moma, bestens vernetzt in der Szene. Den malt er als nackten Mann. Aktstudien aus dem 19.Jahrhundert sehen alle so aus. Aber er malt ihn mit Springerstiefeln. Eigentlich ist das ein ganz merkwürdiges Bild. Es ist sein Freund, aber er malt ihn im Stil des 19.Jahrhunderts und nackt. Er haut wirklich jeden provokativ vor die Stirn und sagt: Lasst uns doch mal sprechen über Homosexualität und Heldenverehrung.“ - Auf dem Bild: Larry Rivers: O’Hara Nude with Boots, 1954, Oil on Canvas, 246,38 x 134,62 cm, Collection Larry Rivers Foundation. Museum Ludwig Koblenz / Larry Rivers Foundation, VG Bildkunst Bonn 2019 Bild in Detailansicht öffnen
Larry Rivers setzt sich bewusst mit dem Heldenmythos auseinander. Er verbindet die großspurige Historien- und Porträtmalerei mit Abstraktion. So zeigt das Gemälde „The last veteran“ den angeblich letzten Überlebenden des Bürgerkriegs. Ein gesichtsloser Soldat aufgebahrt auf weißen Laken, hinter ihm die amerikanische Flagge. Inspiration war eine Fotografie, die Rivers zu einem teils abstrakten Bild umwandelt. Damit hinterfragt Rivers im Grunde das Staatsbegräbnis, denn der angeblich letzte Veteran, der gefeiert wurde, war wahrscheinlich nicht der letzte. Heute würde man von Fake News sprechen. Auf dem Bild: Larry Rivers: The Last Civil War Veteran, 1960. 210.2 x 161.9 cm, Acquavella Galleries. Museum Ludwig Koblenz / Estate of Larry Rivers, Aquavella Galleries, VG Bildkunst Bonn 2019. Bild in Detailansicht öffnen
In seinen späteren Arbeiten wird deutlich, dass Rivers im Grunde viel von der Popart vorweggenommen hat. Werbung spielt plötzlich eine Rolle. Wir sehen eine Installation einer Packung Camel Zigaretten. Der Marke Lucky Strike widmet Larry Rivers gleich eine ganze Serie. - Auf dem Bild: Larry Rivers: America Today, 1972, 53,97 x 62,23 cm. Collection Larry Rivers Foundation. Museum Ludwig Koblenz / Larry Rivers Foundation, VG Bildkunst Bonn 2019. Bild in Detailansicht öffnen
Zurecht gelte Larry Rivers als „Gottvater der Popart“, so Beate Reifenscheidt: „Er hat viel angeregt. Jasper Johns, Andy Warhol, Roy Lichtenstein, die ja viel jünger waren, sind in seinem Windschatten mitgeschwommen. Das Unbekümmerte hat dann auch Andy Warhol nachempfunden. Das Malen nach Zahlen, den Umgang mit Sprache. Immer im Dialog mit alter, klassischer Malerei, die in eine zeitgenössische Geste gepusht wird.“ - Auf dem Bild: Larry Rivers: Vocabulary Lesson (Polish), 1964-1965, 56.5 × 83.8 cm, Private Collection. Museum Ludwig Koblenz / Estate of Larry Rivers, Private Collection, VG Bildkunst Bonn 2019 Bild in Detailansicht öffnen
Die Ausstellung im Museum Ludwig in Koblenz zeigt das Schaffen des Ausnahmekünstlers Larry Rivers anhand facettenreich ausgewählter Werke und guten Schwerpunkten. So werden die vielen Querverbindungen, die der Künstler nach Europa hatte, deutlich. Seine bleibende Eigenschaft war vielleicht, den Finger immer in eine offene Wunde zu legen, sich nicht um Gefälligkeit zu scheren. Das macht Larry Rivers so modern. - Auf dem Bild: Larry Rivers: Instructions for Cubism Today, 1986, Instructions for Cubism Today. 54,61 x 57,15 cm. Museum Ludwig Koblenz / Estate of Larry Rivers, VG Bildkunst Bonn 2019. Bild in Detailansicht öffnen

BAp-Sänger Wolfgang Niedecken besucht die Rivers-Ausstellung

Nicht jeder in Deutschland kann mit dem Namen Larry Rivers etwas anfangen. Doch BAP-Sänger Wolfgang Niedecken kennt den Künstler seit seiner großen Zeit im New York der 70er. Damals hat Niedecken ihn auch persönlich kennengelernt, kaum 20 Jahre jung.

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„Larry Rivers. An American European Dialogue.” Ausstellung im Museum Ludwig in Koblenz vom 10. November 2019 bis zum 12. Januar 2020.

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