Auftakt der Kunstmesse art KARLSRUHE Viel Platz für Skulpturen

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Mit der art KARLSRUHE beginnt der Reigen der diesjährigen Kunstmessen, noch vor der Armory Show in New York und der Maastrichter TEFAF. So will Kurator Ewald Karl Schrade sicherstellen, dass seine Messe mehr beachtet wird - ohne terminliche Überschneidungen für die Galerien. Bis Sonntag werden rund 50.000 Besucher auf der art KARLSRUHE erwartet.

Drohende Eskalation der Supermächte in einer Installation

Groß, größer, am größten: Der Berliner Galerist Michael Schultz lässt es in Karlsruhe mal wieder so richtig krachen. Gleich neben seiner Koje zeigt er auf einem der Skulpturenplätze eine Installation des Kölner Künstlers Bernd Reiter mit dem Titel "Ironie des Schicksals".

Reiters Thema ist die drohende Eskalation der beiden Supermächte Russland und Amerika. Dargestellt hat er sie mit einer russischen MiG 21 aus dem Jahr 1964 und mit zwei amerikanischen Straßenkreuzern Baujahr 1968 für die Vereinigten Staaten. "Jede Welt will die andere dominieren", erklärt Reiter sein Kunstwerk.

Das Werk "Ironie des Schicksals" vom Künstler Bernd Reiter auf der Kunstmesse art Karlsruhe (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - Uli Deck)
"Ironie des Schicksals" heißt die Installation von Bernd Reiter picture-alliance / dpa - Uli Deck

Die MiG hat er auf das "Präsidentenauto" aufschlagen lassen, das andere amerikanische Fahrzeug frisst sich in den Flügel ein, "um die Russen zu dominieren", so Reiter. In die Außenhaut des Abfangjägers und der Straßenkreuzer sind Monitore eingesetzt, über die Szenen aus dem Syrienkrieg flimmern.

Viel Platz für die sonst vernachlässigten Skulpturen

Insgesamt sind in den Karlsruher Messehallen zwanzig Skulpturenplätze verteilt. Kurator Ewald Karl Schrade findet, dass die Skulptur auf Messen bisher vernachlässigt worden sei und möchte ihr zu einem ähnlichen Stellenwert verhelfen wie die Malerei.

Gerade durch die Skulpturenplätze hat er seiner Messe ein unverwechselbares Profil gegeben. Dass die art KARLSRUHE in diesem Jahr erstmals einen Skulpturenpreis verleiht, dotiert mit 20.000 Euro, freut ihn besonders, denn die Galerien hätten einen Riesenaufwand, diese Abertonnen herzukarren, um sie in den Messehallen für das Publikum zu platzieren.

Fotos von der art KARLSRUHE:

So wie im Extremfall sogar einen Jagdbomber und zwei Straßenkreuzer – acht Tonnen sind sie schwer, und die Transportkosten liegen bei rund 25.000 Euro, weiß der Künstler Bernd Reiter. Mit drei Tiefladern hatte er sie in sechs Stunden von Köln nach Karlsruhe gebracht. Dazu kam ein 7,5-Tonner für Kleinteile. "Das ganze Teil kann man auseinandernehmen, und wir haben anschließend hier zwei Tage gebraucht, um das aufzubauen.“

Das teuerste Kunstwerk: Ein spätes Kirchner-Gemälde

Ab Donnerstag sind in Karlsruhe die Messehallen für alle geöffnet. Starke Kunst wartet insbesondere im Segment der Klassischen Moderne. Die Galerie Henze & Ketterer aus Wichtrach bei Bern hat das teuerste Kunstwerk mitgebracht: ein spätes Gemälde von Ernst Ludwig Kirchner, betitelt „Sängerin am Piano“. Es kostet 3,7 Millionen Euro.

Ernst Ludwig Kirchners Bild Sängerin am Piano wird auf der art Karlsruhe gezeigt (Foto: art KARLSRUHE  - Galerie Henze & Ketterer (Wichtrach/Bern, Riehen/Basel / CH))
Eines der teuersten Bilder auf der art KARLSRUHE: Ernst Ludwig Kirchners Gemälde "Sängerin am Piano" art KARLSRUHE - Galerie Henze & Ketterer (Wichtrach/Bern, Riehen/Basel / CH)

Sonderausstellung der Sammlung Frieder Burda

Einen der stärksten Auftritte im Bereich der zeitgenössischen Kunst hat die Galerie MeyerRiegger aus Karlsruhe/Berlin, die international in der ersten Liga spielt. Jochen Meyer sitzt im Ausstellerbeirat der Art Basel. Mit einer Sonderausstellung präsentiert sich auf der diesjährigen art KARLSRUHE auch die Sammlung Frieder Burda. Hier stehen Klassiker neben Werken ganz junger Künstler wie Alicja Kwade oder Jeppe Hein, die zeigen, in welche Richtung Burdas Stieftochter Patricia Kamp die Sammlung weiterentwickeln wird.

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