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Deutschlands erster Night Mayor - Hendrik Meier Von der Popakademie zum Nachtbürgermeister von Mannheim

Am 3.8.2018 von Annette Lennartz

Hendrik Meier, Student der Popakademie Baden-Württemberg ist zum ersten "Nachtbürgermeister" Deutschlands gewählt worden. Er wird in Mannheim arbeiten, dort, wo er auch studiert. Es ist sein letztes Semester an der Hochschule, den Master macht er im Bereich "Music and Creative Industries". Seine Ernennung zum "Nachtbürgermeister" hat bundesweit für Aufsehen gesorgt.

Hendrik Meier ist 27 Jahre alt, hat die blonden Haare zu einem kleinen Knoten hochgesteckt und wirkt sehr entspannt. Dabei hat er gerade wenig Zeit. Er schreibt seine Masterarbeit, muss sie schon am 6. August abgeben. Gleichzeitig kann er sich vor Presseanfragen kaum retten, denn seine erste Arbeitsstelle, der Nachtbürgermeister, ist ein bisher unbekanntes Amt in Deutschland.

Job mit Zukunft: Nachtbürgermeister

Allerdings haben Amsterdam, Paris, London und New York so einen Night Mayor schon. Hendrik Meier selbst ist jetzt auf Honorarbasis bei der Stadt Mannheim beschäftigt, 50 Stunden im Monat, erst einmal. Die Vorbildstädte haben auch einmal so klein angefangen, sagt er: „Da sind inzwischen drei bis vier Mitarbeiter dabei, auch auf Vollzeitstellen gelegt. Ich glaube, dass es auch in anderen Städten einen guten Anklang finden würde.“

Mannheim setzt schon lange auf Popkultur. Die Stadt hatte vor gut 17 Jahren den bundesweit ersten Popbeauftragten engagiert und vor 15 Jahren die erste Hochschule für Popmusik eröffnet, die Popakademie Baden-Württemberg.

Hendrik Meier

Hendrik Meier

Erster "Night Mayor" kommt aus der Popakademie

Und sicher keine Zufall: Die Wahl des Nachtbürgermeisters fiel auf einen Studenten der Popakademie, Hendrik Meier. Drei Gruppen hat der "Night Mayor" im Focus: Zunächst die Nachtschwärmer, erklärt er: „Es ist wichtig, dass man Sicherheit garantieren kann, nicht nur in den Clubs, sondern auch auf dem Weg zum Club und nach Hause. Da spreche ich ganz klar die Mobilität an, dass man den ÖPNV mehr ausbaut, damit die Leute nachts weniger allein nach Hause laufen müssen, aber auch weniger mit gewissem Alkoholgehalt auf das Rad steigen oder ins Auto.“

Viel Erfahrung mit Musik und Nachtleben

Dann geht es um die Clubs und Veranstaltungshäuser, die ihren Gästen möglichst viel bieten wollen. Damit kennt er sich aus, denn er spielte selbst früher in Bands, veranstaltete auch Konzerte. Die dritte Zielgruppe ist die Nachbarschaft, rund um die Clubs und Bars, die unter dem Lärm leiden. Im Jungbusch, dem Mannheimer Ausgehviertel, ist beispielsweise im Sommer jeden Samstag große Open Air Party, schon ab 15 Uhr, mit lauter Technomusik. Das beschallt die Anwohner auf ihren Balkonen, nicht alle mögen es so laut.

Aber, meint Hendrik Meier: „Das wird dann auch so zu einem nicht ausgerufenen Happening, am Samstag Nachmittag. Da wird gegrillt und man hat die musikalische Unterhaltung. Das kann man auch positiv sehen und positiv zu vermarkten. Den Anwohnern ist das nicht super Recht. Da muss man gucken wie man da vermitteln kann, zwischen den Anwohnern und Betreibenden.“

Konfliktmanagement gefragt

Konflikte lösen wird seine Hauptaufgabe werden. Nicht einfach, denn die Kontakte zu den Anwohnern, das Vermitteln zwischen den Fronten, das muss sich der neue Nachtbürgermeiser noch erarbeiten. Ansonsten ist er vorbereitet auf das Amt, durch sein Studium an der Popakademie. Da studiert er nicht Musik, sondern Musikbusiness. Und schon während des Studiums arbeitet er praktisch im Businessbereich. Er hat eine Booking-Agentur gegründet, sucht für Bands Auftrittsmöglichkeiten, plant Touren.

Masterarbeit über Nachtleben in der Region

Auch seine Masterarbeit passt sehr gut zum neuen Job. Sie beschäftigt sich mit dem Nachtleben in der Rhein-Neckar-Region, ganz konkret mit Veranstaltern, Bars und Clubs, um deren kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung zu unterstreichen. Denn, so meint er: „Jede Stadt hat gewisse Kriterien, die sie zu einer lebenswerten Stadt machen, da gehört die Kultur dazu, aber auch das Nachtleben. Das bestimmt, was Menschen in ihrer Freizeit machen können. Es gibt die Hochkultur, Theater- und Opernhäuser, es gibt aber auf der anderen Seite auch die Betriebe des Nachtlebens, die für viele andere Menschen sehr wichtig sind. Man muss die Wahrnehmung stärken, dass Pop- und Subkultur eine Existenzberechtigung haben und gestärkt werden müssen.“

Im Programm

Mit Martin Hagen
Carlos Chávez:
Sinfonie Nr. 2 „Sinfonía India“
The Orchestra of the Americas
Leitung: Carlos Miguel Prieto
Traditional:
"Kalimanku, Denku"
Vesselina Kasarova (Mezzosopran)
Cosmic Voices
"Sofia Soloists" Kammerorchester
Leitung: Tzanko Dimitrov Delibozov
Wolfgang Amadeus Mozart:
"La Clemenza di Tito" Arie des Sesto (2. Akt)
Vesselina Kasarova (Mezzosopran)
Staatskapelle Dresden
Leitung: Colin Davis
Henriette Renie:
Harfenkonzert c-Moll
Xavier de Maistre (Harfe)
Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR
Leitung: Hugh Wolff
Franz Schubert:
Rondo h-Moll D 895 op. 70 "Rondeau brillant"
Isabelle Faust (Violine)
Alexander Melnikov (Klavier)
Georg Philipp Telemann:
Ouvertüre D-Dur
Akademie für Alte Musik Berlin

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