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Griechenland-Krimi von Wolfgang Schorlau: Der große Plan Elend der Griechen zutiefst beschämend

Kulturgespräch am 08.03.2018 mit mit dem Bestsellerautor Wolfgang Schorlau

Im neuen Krimi "Der große Plan" von Wolfgang Schorlau ist Privatdetektiv Georg Dengler auf der Spur des großen Geldes in Griechenland. Dengler versucht herauszufinden, wer eine deutsche Diplomatin entführt hat. Dabei kommt er auch verschwundenen EU-Millarden auf der Spur. Der Stuttgarter Bestsellerautor Schorlau ist bei seinen Recherchen immer wieder auf das geschichtlich belastete deutsch-griechische Verhältnis gestoßen.

In seinem neunten Fall lässt der Stuttgarter Autor Wolfgang Schorlau den Privatermittler Georg Dengler in Griechenland recherchieren. Im Roman wird er vom Bundesaußenminister höchstpersönlich nach Griechenland geschickt, um die Entführung der Diplomatin Anna Hartmann aufzuklären. Dabei gerät er immer tiefer in die internationale Finanzpolitik, in die Verhandlungen der Troika in Athen und die vermeintliche Griechenland-Rettung mit Euro-Milliarden.

Wo sind die Milliarden gelandet?

Wolfgang Schorlau gilt als einer der politischsten Krimiautoren. Bei seinen Recherchen für den Roman "Der große Plan" hat sich Wolfgang Schorlau, wie er selbst sagt, in das Bankwesen eingearbeitet. Außerdem ist er nach Griechenland gefahren, um zu recherchieren. Was er dort gesehen habe, könne nur mit "griechischem Elend" beschrieben werden. Er sei durch Suppenküchen und Armenhäuser geführt worden.

Schorlau hat herausgefunden, dass "das meiste Geld auf deutschen, amerikanischen und französischen Banken gelandet ist. Es war keine Rettung Griechenlands sondern eine Fütterung der Banken."

Deutsch-griechisches Verhältnis durch Besatzungszeit geprägt

Wolfgang Schorlau berichtet weiter: Das deutsch-griechische Verhältnis leide immer noch an den Folgen der Besatzung Griechenlands durch die deutsche Wehrmacht (1941-44). In diesen Jahren seien etwa zehn Prozent der griechischen Bevölkerung als direkte oder indirekte Opfer der deutschen Besatzung gestorben. Das wirke bis heute nach und sei stark im Bewusstsein der Griechen verankert. Bei uns sei diese Geschichte wenig bekannt.

Buchcover Der große Plan

Wolfgang Schorlau

Der große Plan. Denglers neunter Fall

Verlag:
Kiepenheuer&Witsch
Länge:
448 Seiten
Preis:
14,99 Euro
Bestellnummer:
978-3-462-04667-0

Wehrmacht raubte Griechenland aus

Die Wehrmacht habe Griechenland ausgeraubt, habe Bodenschätze, Getreide und Öl zum Teil an die Ostfront gebracht, was eine schlimme Hungersnot mit vielen Toten in Griechenland zur Folge gehabt habe.

Falsche Vorurteile gegenüber "faulen Griechen"

Der Autor beschreibt ein zweitgeteiltes Bild der Deutschen von Griechenland. Da sei einmal die Bewunderung für den griechischen Lebensstil, die Kultur und die Gastfreundschaft. Dieses Bild sei aber heute abgelöst von einem vor allem medial geprägten der "faulen Griechen", die über ihre Verhältnisse lebten und deswegen "mit Milliarden alimentiert werden müssten". Doch dieses Bild sei falsch, betont Schorlau, es habe sich aber festgesetzt.

Umgang mit Griechenland zutiefst beschämend

Für Schorlau ist es zutiefst beschämend, "wie das Verhältnis zwischen dem ökonomisch stärksten und dem schwächsten Land der EU ist, wie die deutsche Regierung griechisches Eigentum in deutsches verwandelt und wie unerbittlich die sogenannte "Troika" gegenüber der verarmten Bevölkerung ist".

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