Bitte warten...

Nachruf Ein satirischer Polemiker: Zur Erinnerung an Wiglaf Droste

Von Carsten Otte

Der Satiriker, Sänger und Schriftsteller Wiglaf Droste hat Bücher geschrieben mit Titeln wie „Am Arsch die Räuber“, „Begrabt mein Hirn an der Biegung des Flusses“ oder „Der infrarote Korsar“. Ein satirischer Polemiker sei er gewesen. Oder ein polemischer Satiriker, so SWR2-Literaturredakteur Carsten Otte, der Droste persönlich gut gekannt hat. Mit Droste werde eine bundesrepublikanische Publizistik zu Grabe getragen, die es in dieser Schonungslosigkeit heute nicht mehr gebe.

1/1

Nachruf

Ein polemischer Satiriker: Erinnerungen an Wiglaf Droste

In Detailansicht öffnen

Die Bücher von Wiglaf Droste trugen Titel wie „Am Arsch die Räuber“, „Begrabt mein Hirn an der Biegung des Flusses“ oder „Der infrarote Korsar“. Droste war etwas, was es heute selten gibt, ein satirischer Polemiker oder ein polemischer Satiriker, so SWR2-Literaturredakteur Carsten Otte, der Droste persönlich gut gekannt hat. Er sei der Schöpfer dieser Art von Texten, sei darin einzigartig gewesen und habe sie nach und nach perfektioniert.

Die Bücher von Wiglaf Droste trugen Titel wie „Am Arsch die Räuber“, „Begrabt mein Hirn an der Biegung des Flusses“ oder „Der infrarote Korsar“. Droste war etwas, was es heute selten gibt, ein satirischer Polemiker oder ein polemischer Satiriker, so SWR2-Literaturredakteur Carsten Otte, der Droste persönlich gut gekannt hat. Er sei der Schöpfer dieser Art von Texten, sei darin einzigartig gewesen und habe sie nach und nach perfektioniert.

Als er ihn in den 90er Jahren kennengelernt habe, erinnert sich Carsten Otte, sei Droste in Berlin Kreuzberg bereits ein Star gewesen, zu dessen Lesungen die Leute geradezu gepilgert seien. Bissig habe er das linksalternative Milieu beschrieben, vor allem aber klug mit Worten umzugehen gewusst. „Er war ein Jongleur der Sprache, und das machte er auch auf der Bühne mit all seinem Körpergewicht deutlich.“

Auf hartgesottene Schriftsteller-Zeitgenossen wie Jörg Fauser hat sich Wiglaf Droste bezogen. Vor allem aber sei Kurt Tucholsky ein wichtiges Vorbild für ihn gewesen, so Carsten Otte. Wie Tucholsky sei Droste ein radikaler Pazifist gewesen. Wegen seiner Äußerungen und Formulierungen stand er mehrfach vor Gericht, insbesondere aber wegen des Tucholsky-Diktums, Soldaten seien Mörder, das er in Variationen wiederholt habe. „Auf der einen Seite war er ein hochpolitischer Missionar. Auf der anderen Seite nahm er sich nicht so wichtig. Diese Mischung war hochexplosiv.“

Das Verhältnis von Wiglaf Droste zum Feminismus war eher „leicht gebrochen“, so Carsten Otte. „Sein Verständnis von Weiblichkeit war ein romantisch-barockes. Er hat großartige Texte über Frauen geschrieben, die rauchende Frau, die Rolle der Frau – und damit ist nicht die gesellschaftliche gemeint -, sondern er hat Lobreden auf die Körperfülle geschrieben. Er war nämlich auch ein sehr guter Koch.“

Aus später Lust an der Kulinarik gab Wiglaf Droste schließlich die Vierteljahreszeitschrift „Häuptling eigener Herd“ heraus. Carsten Otte: „Die Kolleginnen und Kollegen, mit denen er zusammen in der taz und in der titanic geschrieben hat, tauchten auf einmal in diesem Blatt auf und schrieben über das Essen. Heute sind die Hefte nur noch im Antiquariat nachzukaufen und heiß begehrt. Es sind Zeugnisse einer bundesrepublikanischen Publizistik, die leider mit dem Tod von Wiglaf Droste nun zu Grabe getragen wird. So etwas, in dieser Derbheit, in dieser Offenheit, in dieser Angriffslust, das gibt es heute kaum noch.“

Auf dem Bild: Wiglaf Droste mit dem bereits 2016 verstorbenen Satiriker-Kollegen Ernst Röhl.

Der Lebensstil von Wiglaf Droste habe nicht in bürgerliche Formen gepasst. Und auch nicht seine schriftstellerische Arbeit, erinnert sich Carsten Otte. Es gebe jedenfalls guten Grund, anlässlich seines Todes noch einmal seine Bücher hervorzukramen. „Beispielsweise auch seine kleinen, kurzen Gedichte: Auch das ist so ein Genre gewesen, das er perfektioniert hat. Zum Beispiel dieses: ,Für immer und immer. /  In des Daseins stillen Glanz / platzt der Mensch / mit Ententanz“.

5:15 min | Do, 16.5.2019 | 18:40 Uhr | SWR2 Kultur aktuell | SWR2

Mehr Info

Nachruf

Ein satirischer Polemiker: Zur Erinnerung an Wiglaf Droste

Max Bauer im Gespräch mit Max Otte

Der Satiriker, Sänger und Schriftsteller Wiglaf Droste hat Bücher geschrieben mit Titeln wie „Am Arsch die Räuber“, „Begrabt mein Hirn an der Biegung des Flusses“ oder „Der infrarote Korsar“. Ein satirischer Polemiker sei er gewesen. Oder ein polemischer Satiriker, so SWR2-Literaturredakteur Carsten Otte, der Droste persönlich gut gekannt hat. Mit Droste werde eine bundesrepublikanische Publizistik zu Grabe getragen, die es in dieser Schonungslosigkeit heute nicht mehr gebe.

Das gute Leben in allen Facetten

Wiglaf Droste hat für eine Vielzahl von Magazinen gearbeitet, auch für das Programm von SWR2.

Im Beitrag „Vino und Dino - eine Verneigung“ aus der SWR2 Matinee von Oktober 2005 hört man, was Wiglaf Droste wirklich wichtig war: das gute Leben in all seinen Facetten.

3:43 min | Do, 16.5.2019 | 12:33 Uhr | SWR2 Journal am Mittag | SWR2

Mehr Info

Archiv

Zum Tod von Wiglaf Droste: „Vino und Dino“ – SWR2 Beitrag des Satirikers

Wiglaf Droste

Der Satiriker, Sänger und Schriftsteller Wiglaf Droste ist im Alter von 57 Jahren gestorben. Droste arbeitete er auch für das Programm von SWR2. Im Beitrag „Vino und Dino - eine Verneigung“ aus der SWR2 Matinee hört man, was Wiglaf Droste wirklich wichtig war: das gute Leben in all seinen Facetten. Beitrag vom 30.10.2005.

Weitere Themen in SWR2