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Erfolgsserie "Babylon Berlin" basiert auf Volker Kutschers Roman Berlin, berauschend und bedrohlich

Kulturgespräch am 5.3.2018 mit Volker Kutscher

Die preisgekrönte Filmserie "Babylon Berlin" von Tom Tykwer beruht auf einem Roman. Geschrieben hat ihn der Kölner Autor und Historiker Volker Kutscher. Es sei ein Geschenk gewesen, sein Buch "Der nasse Fisch" als Film zu sehen. Im SWR2-Interview schildert Kutscher seine Eindrücke von Tom Tykwers Filmserie.

"Berlin Babylon": aufregend für visuell denkenden Autoren

Volker Kutscher schwärmt für Krimis und für Spannung. "Berlin Babylon" über das Berlin der 20er Jahre war für den Kölner Autor und Historiker wie ein Geschenk, "da ich als Autor auch sehr visuell denke.

Volker Kutscher

Volker Kutscher

Dann bestimmte Dinge wiederzusehen, die man sich wirklich fast genau so vorgestellt hat - andere natürlich auch anders - das ist schon toll."

Andere zu Bildern inspiriert

Was Volker Kutscher allerdings am meisten freut: "Dass ich andere kreative Köpfe sozusagen inspiriert habe, ihr Ding aus meiner Vorlage zu machen."

Am Drehbuch hat der Kölner Autor nicht mitgeschrieben. "Das hätte meine Zeit auch gar nicht zugelassen, weil ich mich um die Romanreihe kümmern muss. Da fehlen noch einige Romane - da kann ich mich nicht in so ein Serienprojekt hineinhängen."

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"Babylon Berlin" ab 30.9. in Das Erste

Rausch und Endzeitgefühl

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Berlin, im Frühjahr 1929: Eine Metropole in Aufruhr. Ökonomie und Kultur, Politik und Unterwelt - alles befindet sich in radikalem Wandel.

Berlin, im Frühjahr 1929: Eine Metropole in Aufruhr. Ökonomie und Kultur, Politik und Unterwelt - alles befindet sich in radikalem Wandel.

Spekulation und Inflation zehren bereits an den Grundfesten der immer noch jungen Weimarer Republik.

Wachsende Armut und Arbeitslosigkeit stehen in starkem Kontrast zu Exzess und Luxus des Nachtlebens und der nach wie vor überbordenden kreativen Energie der Stadt.

Gereon Rath (Volker Bruch), junger Kommissar aus Köln, wird nach Berlin versetzt, um den Kriminalfall eines von der Berliner Mafia geführten Pornorings zu lösen.

Was auf den ersten Blick eine simple Erpressung zu sein scheint, entpuppt sich bald als Skandal, der Gereons Leben und das seiner engsten Vertrauten für immer verändern wird.

Zusammen mit der Stenotypistin Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) und seinem Partner Bruno Wolter (Peter Kurth) sieht sich Rath einem Dschungel aus Korruption, Drogen- und Waffenhandel gegenüber, der ihn in einen existentiellen Konflikt zwischen Loyalität und Wahrheitsfindung zwingt. Denn wer ist Freund, und wer ist Feind in dieser Geschichte?

Selbst eine Institution wie die „Rote Burg”, das Polizeipräsidium von Berlin und Zentrum des Rechtsstaates und der Demokratie, wird in den politischen Unruhen zwischen kommunistischer Maidemonstration und aufkommendem Nationalsozialismus immer mehr zum Schmelztiegel einer umkämpften Demokratie.

BABYLON BERLIN ist die erste deutsche TV-Serie, die die politische Entwicklung der Weimarer Republik in allen Facetten und Gesellschaftsschichten erzählt.

Mit den Augen eines jungen Kommissars aus Köln blicken wir hinter die Kulissen der „Golden Zwanziger“.

"In den 20er Jahren ist Partystimmung: Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg sind die Väter nicht zuhause, und die Söhne und Töchter tanzen auf den Tischen. Möglich ist dies durch die Abwesenheit von Autorität, wie in Berlin nach dem Mauerfall. Aber dann, gegen Ende der Zwanziger, geht es immer mehr Leuten zu schnell, die Welt wird zu verwirrend, zu unübersichtlich und der Ruf nach der eisernen Faust wird lauter und lauter. Im Laufe unserer Arbeit an BABYLON BERLIN glich sich die Welt immer mehr dieser Stimmung an. Unsere Serie ist von zwingender Aktualität." Regisseur Henk Handloegten (l.) - im Bild mit den beiden anderen Regisseuren Tom Tykwer (m.) und Achim von Borries (r.)

Als Autor sehr viel Respekt erfahren

Aber: als Schriftsteller habe er von den Filmschaffenden um Tom Tykwer sehr viel Respekt erfahren. "Man hat mich auch immer wieder beteiligt, indem ich den ersten Drehbuchentwurf gesehen und dann ein paar Dinge durchaus auch angemerkt habe - die man dann auch verändert hat.

Andererseits, so Kutscher, habe er auch loslassen, sich in die Arbeit der Filmemacher nicht einmischen wollen. Er habe gesagt: "Ich möchte euch hier nicht einengen, bleibt dem Kern meiner Geschichte treu - ansonsten habt ihr alle Freiheiten."


Viel dazu erfunden - aber am Ende stimmig

"Tatsächlich", fügt Volker Kutscher hinzu, "haben sie sehr viel auch noch dazu erfunden. Das ist aber auch so, dass es am Ende stimmig ist - es ist ein anderes Projekt als meine Romane, aber das habe ich von Anfang auch so gesehen, dass die ihr Ding machen sollen - und ich mein Projekt."

Am Ende zählt für den Kölner Schriftsteller vor allem eines: "Hauptsache, wir erzählen dieselbe Geschichte."


Derzeit ist Volker Kutscher Krimistipendiat an der Villa Clementine in Wiesbaden. Zusammen mit Filmemacher Tom Tykwer spricht er am 9. März im Museum Wiesbaden über das Berlin der Weimarer Republik.

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