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Viceland startet als TV-Sender Guerilla-Journalismus jetzt rund um die Uhr

Kulturthema am 1.3.2016 von Kai Clement

Vice war zunächst ein Szenemagazin in den USA, stellte investigative Stories ins Internet, und startet jetzt mit "Viceland" einen eigener TV-Sender. Das Medienunternehmen wird von Disney und dem Verlagshaus Hearst finanziert. Rund um die Uhr sollen hier junge Journalisten mit unkonventionellen Formaten experimentieren. Der Sender soll Ende 2016 auch in Deutschland starten.

Sich total unwohl fühlen, sich aussetzen, ob dem Krieg in Syrien, Schwulenhassern oder der nationalkonservativen Bewegung im Westen der USA: das ist eine Vice-Methode. So beginnt der Werbeclip für "Viceland", der erste Fernsehkanal von Vice Media. Medienprofessor Rodney Benson von der Privatuni NYU beschreibt ein Beispiel:

"Ihre Berichterstattung über Syrien. Jeder spricht zu den Offiziellen. Sie aber gehen einfach dorthin, hängen in dieser Grenzstadt ab. Sehen die Bomben explodieren. Sprechen mit den Menschen und kriegen so ein Gefühl für den Alltag in einem Kriegsgebiet." Rodney Benson

Waren es bisher Videoinhalte auf Vice-Webseiten, so geht es nun um ein Schwergewicht: ein rund-um-die-Uhr Programm im Kabelangebot. Disney und das Verlagshaus Hearst gehören zu den millionenschweren Geldgebern. Alte Medien kaufen sich neue? Nicht ganz, glaubt Duy Linh Tu, Journalismus-Professor der Columbia Universität.

"Es geht weniger um alte gegen neue Medien, sondern uncool gegen sehr cool. So wie MTV in den 80ern ist Vice der Neue auf dem Markt. Für eine alte etablierte Marke ist es sehr schwer, die Identität zu ändern. Viel einfacher ist es, sich den Neuen zu kaufen." Duy Linh Tu

Shane Smith ist der Chef von "Vice Media".

Der Chef dieses Neuen, Shane Smith, kennt alles - außer Bescheidenheit.

"Jeder achtet auf uns, wir sind heiß. Sind neue Medien, nicht die alten. Und wir haben die, die allen wollen, die Millennials." Shane Smith

Anders gesagt: Vice könne Fernsehen, mobile Plattformen, Online, Online Video.

Wir können alles, so Shane Smith. Alles, das umfasst für Viceland u.a. die Show "Gaycation" mit der Schauspielerin Ellen Page über Schwule und Lesben und ihr Kampf und Gleichberechtigung weltweit oder das Drogenmagazin Weediquette.

Musik, Essen und Reisen gehören auch dazu, konventionelle Themen, anders erzählt, mit Standpunkt und Kante, so zumindest das Versprechen. Ausgestrahlt auf einem Kanal von A&E Networks, eine Fernsehgruppe die zu Disney und Hearst gehört, aber auf einem unteren, abgeschlagenen Rang, sagt Duy Linh Tu von der Columbia Universität.

"Keine Ahnung, wo ich die in meinem Kabelpaket finde. Es ist wirklich ein risikoarmes Unternehmen." Duy Linh Tu

Der Blick in die Zukunft wie bei der Tech-und Wissenschaftsshow Motherboard, er soll auch durch so genanntes "native advertising" finanziert werden, passgenaues Sponsoring statt Werbeclips, erläutert Rodney Benson von der Uni NYU, so wie schon jetzt im Netz.

"Motherboard ist gesponsored. Das Technologiemagazin Creators Project sponsored Intel und es ist klar, dass viele Geschichten dort Intel Produkte nutzen." Rodney Benson

Vice selbst schreibt im Netz: Es gehe darum, die Relevanz des Chip-Herstellers, Zitat, für "die globale Jugend zu erhöhen". Diese Art von Berichterstattung kann Nebenwirkungen haben, Folgen für die Inhalte nicht ausgeschlossen. Dafür das Versprechen, junges Publikum zu erreichen, was die etablierten Sender kaum mehr schaffen.

Wichtig ist: Ihr Mitarbeiter sind jung. Ihre Korrespondenten sind jung. Es spricht junge Zuschauer an, ihre eigene Altersgruppe "on air" zu erleben.

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