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Live-Elektronik vom SWR Experimentalstudio

Opernkritik: "Die Weiden" an der Staatsoper Wien

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Die Wiener Staatsoper feierte am 8. Dezember die Uraufführung von Johannes Maria Stauds Oper "Die Weiden", ein Auftragswerk des Hauses. Das Libretto steuerte Durs Grünbein bei, die Live-Elektronik das SWR Experimentalstudio. Jörn Florian Fuchs war bei der Premiere dabei.

Düster fängt alles an, dunkel endet es. Mit viel grummeligen Schlagwerkklängen, knisternd atmosphärischer Elektronik und oft kantigen, harten Orchestermomenten arbeitet Johannes Maria Staud in seiner rund zweieinhalbstündigen neuen Oper.

Im Bild: Rachel Frenkel als Lea, eine junge Philosophin.

Die Wiener Staatsoper feierte am 8. Dezember die Uraufführung von Johannes Maria Stauds Oper "Die Weiden", ein Auftragswerk des Hauses. Das Libretto steuerte Durs Grünbein bei, die Live-Elektronik das SWR Experimentalstudio. Jörn Florian Fuchs war bei der Premiere dabei.

Düster fängt alles an, dunkel endet es. Mit viel grummeligen Schlagwerkklängen, knisternd atmosphärischer Elektronik und oft kantigen, harten Orchestermomenten arbeitet Johannes Maria Staud in seiner rund zweieinhalbstündigen neuen Oper.

Im Bild: Rachel Frenkel als Lea, eine junge Philosophin.

Die erdigen Grundfarben der Partitur stehen für eine insgesamt schwermütige bis bedrohliche Stimmung und für das Innenleben zweier Paare, die allerlei gegenwärtige und erinnerte Konflikte zu lösen haben.

Im Bild: Tomasz Konieczny als Peter, ein junger Künstler; Rachel Frenkel als Lea, eine junge Philosophin; Thomas Ebenstein als Edgar, Peters alter Schulfreund; Andrea Carroll als Kitty, Edgars Geliebte.

In mehreren Stationen an einem großen Fluss spielt das Ganze.

Im Bild: Rachel Frenkel als Lea, eine junge Philosophin; Tomasz Konieczny als Peter, ein junger Künstler.

Da treiben Vergangenheitsbilder vorbei, trifft man auf seltsame Gesellschaften mit rechtslastig-hetzerischen Ansichten und Karpfenmäulern ...

Im Bild: Udo Samel als Krachmeyer, Komponist, Freund von Peters Familie.

... bis die Hauptprotagonistin Lea, exzellent gesungen von Rachel Frenkel, sich einem Chor ihrer Ahnen gegenübersieht und mit diesen sanft entschwindet.

Der schon öfters als Librettist für Staud tätige Durs Grünbein interessiert sich ebenso fürs große Ganze wie fürs kleine Private und packt sehr viel – letztlich zu viel – zusammen. Staud wiederum schöpft aus einem eher begrenzten Material und setzt auf häufige Wiederholungen. Völlig ungebrochen zitiert wird Richard Wagner, und zwar als Gegenpol zum Guten, Wahren, Staud'schen.

Böse Menschen bewegen sich immer wieder zu tollen Tanzrhythmen, auch hier gibt es reichlich Redundanz. Da waren frühere Stücke von Staud und Grünbein in ihrer Kürze doch konziser.

Im Bild: Udo Samel als Krachmeyer, Komponist, Freund von Peters Familie; Sylvie Rohrer als Fernsehreporterin; Wolfgang Bankl als Demagoge.

Regisseurin Andrea Moses betreibt großen Aufwand. Manchmal sind ihre Bilder eher kulinarisch, dann wieder kraftvoll verstörend – am, im oder jenseits des Flusses.

Im Bild: Andrea Carroll als Kitty, Edgars Geliebte; Thomas Ebenstein als Edgar, Peters alter Schulfreund.

Zeitweise wird beinahe episches Theater geboten, etwa die Bühne als Bühne gezeigt oder eine Ebene von Künstlichkeit hineingeschoben. Dadurch folgt man dem Geschehen sehr gern, Hirn und Herz bekommen gleichermaßen zu tun.

Im Bild: Thomas Ebenstein als Edgar, Peters alter Schulfreund.

Besetzt ist die Uraufführung durchweg gut, etwa mit Thomas Ebenstein und Andrea Carroll als Edgar und Kitty, die sich in ihrer Ehe wohl ein bisschen langweilen und sie durchaus gern erweitern.

Udo Samel gibt in einer Sprechpartie den Wutbürger Krachmeyer, der Name ist Programm.

Ingo Metzmacher behält am Pult des Orchesters der Wiener Staatsoper die Fäden elegant in der Hand, wobei dieser Dirigent ansonsten komplexere Partituren gewohnt ist. Immerhin muss er sich um ein vor allem beim Schlagzeug äußerst üppiges Instrumentarium kümmern. Toll ist die Live-Elektronik vom SWR Experimentalstudio, da gibt es viel zu kreieren und durch die Lautsprecher zu schicken.

Im Bild: Rachel Frenkel als Lea, eine junge Philosophin; Andrea Carroll als Kitty, Edgars Geliebte.

Die Publikumsreaktionen waren freundlich, fürs Chefduo gemischt. Weitere Aufführungen am 11., 14., 16. und 20. Dezember 2018.

Im Bild: Monika Bohinec als Leas Mutter; Herbert Lippert als Leas Vater.