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"Unbuilding Walls" | Ausstellung für die Architekturbiennale 2018 Was nach der Mauer kam

Kullturgespräch am 6.2.2018 mit Marianne Birthler

28 Jahre stand die Mauer. Weitere 28 Jahre sind seither vergangen. Was ist aus den alten Mauer-Landschaften und Grenzgebieten geworden? Davon handelt die Ausstellung "Unbuilding Walls", die bei der Architekturbiennale 2018 in Venedig gezeigt werden soll. Kuratorin ist die ehemalige Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler.

28 Beispiele für die Entwicklung der Grenzlandschaft

Was ist dort, wo lange Zeit nichts war - außer der Mauer, außer Stacheldraht, Wachtürmen und Hundelaufwegen? Antworten soll der Deutsche Pavillon auf der Architekturbiennale in Venedig liefern. Als Kuratorin hat Marianne Birthler die Pläne der Öffentlichkeit jetzt vorgestellt.

„Im Mittelpunkt stehen 28 Orte, mit denen wir zeigen wollen, wie unterschiedlich sich dieser frühere Grenzraum entwickelt hat. Es geht um interessante Architekturprojekten in Berlin bis hin zu den Orten, wo damals Menschen ausgesiedelt wurden“, sagt Marianne Birthler.

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Deutscher Pavillon auf der Architekturbiennale 2018

"Unbuilding Walls"

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Der frühere Todesstreifen zwischen Berlin-Kreuzberg und Mitte. Das Axel-Springer-Hochhaus stand damals direkt an der Mauer.

Der frühere Todesstreifen zwischen Berlin-Kreuzberg und Mitte. Das Axel-Springer-Hochhaus stand damals direkt an der Mauer.

Genau hier soll der Springer-Mediencampus entstehen, entworfen vom Architekturbüro OMA. Das Design des Architekten Rem Kohlhaas sieht vor, dass der frühere Verlauf der Grenze durch die Anordnung der Terrassen im Gebäude nachgezeichnet wird.

Bei der Werrabrücke Vacha entstand während der Teilung eine der deprimierendsten Mauerlandschaften der deutsch-deutschen Grenze. Die über 200 Meter lange Steinbrücke aus dem Mittelalter verbindet das thüringische Vacha mit dem hessischen Philippstal.

Heute gilt die Werrabrücke als "Brücke der Einheit". Die alte Verbindung zwischen dem Rhein-Main-Gebiet und dem Thüringer Becken bis nach Leipzig besteht wieder.

Andere landschaftliche Eingriffe als Ergebnis der Teilung blieben bestehen. In Sachsen-Anhalt zwang die Regierung der DDR bei den Operationen "Ungeziefer" und "Kornblume", 1953 und 1961, insgesamt 11.000 Bewohner, alte Dorfgebiete rund um die Siedlung Jahrsau zu verlassen. Die Bevölkerung wurde als politisch unzuverlässig eingeschätzt. Die Gebäude wurden abgerissen, die Landschaft verwilderte.

Beseitigt wurden damit oft jahrhundertealte Siedlungen und Dörfer. Im Bild das ehemalige Schmerbach bei Helmershausen in Südthüringen, ebenfalls bei einer der DDR-Räumungsaktionen zerstört.

Zeigen, wie die Mauer das Leben veränderte

Die frühere Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen kuratiert die Ausstellung zusammen mit dem Architekturbüro Graft. „Unbuilding Walls“ soll am 26. Mai eröffnet werden.

Man wolle sichtbar machen, so Birthler, was Mauern im Leben von Menschen bedeuteten. "Die werden auch unterschiedlich empfunden. Für die einen ist es Schutz, für die anderen eine tödliche Bedrohung. Aber für viele Menschen bedeuten sie Begrenzung, Einschränkung ihres freien Lebens, und darum wünscht man sich im Allgemeinen, dass solche Mauern wegkommen.“

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