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TV-Serie TV-Serie "Eden" zeigt Flüchtlingsschicksale in Europa

Von Karsten Umlauf

Vor der Europawahl zeigen Arte und Das Erste eine TV-Serie mit dem Titel „Eden“, die sich mit dem europäischen Reizthema schlechthin beschäftigt: der Flüchtlingsthematik. Zwischen Brüssel, Athen oder Mannheim versuchen die einen, zu helfen, anderen geht es nur darum, möglichst viel Geld zu verdienen. Die SWR Koproduktion ist ab 2. Mai auf Arte und in der ARD-Mediathek zu sehen, im Ersten läuft „Eden“ am 8. und 15. Mai.

Das Gesicht Europas

Sieht so das Gesicht Europas aus? Müde Augen, lange, etwas strubbelige Haare, Zigarette im Mundwinkel, aber der Businessrock sitzt immer perfekt: Helene (Sylvie Testud ) ist die Geschäftsführerin eines privaten Flüchtlingscamps in Athen.

Eine Frau am Meer.

Hélène (Sylvie Testud) führt ein Flüchtlingslager in Griechenland

Flüchtlingshilfe als Geschäftsidee

Ein Alltag im Dienst von Miles & More: In Athen nach dem Rechten sehen, in Frankfurt Gelder organisieren, in Brüssel mit einem EU-Politiker schlafen, um Unterstützung für weitere Camps zu bekommen. Flüchtlingshilfe als Geschäftsidee. Und die ruft bald noch viele größere Investoren auf den Plan.

1:30 min

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Trailer Eden

SWR

Am Strand einer griechischen Urlaubsinsel strandet inmitten von Urlaubern ein Schlauchboot. Rund fünfzig Flüchtlinge stürzen vor den ungläubigen Augen der Touristen aus dem Boot und rennen davon. Dieses Ereignis ist Dreh- und Angelpunkt für das Schicksal der Protagonisten in Deutschland, Frankreich und Griechenland.

Einzelschicksale geraten in den Fokus

Aber im Unterschied zur EU-Bürokratie geraten bei Helene immer mehr die Menschen in den Blick. Menschen wie Daniel und Amare, zwei Brüder aus Nigeria, die von England träumen und im Camp auf ihr Visum warten. Als die beiden aus Ungeduld aus dem Camp flüchten, beginnen viele Komplikationen, nicht zuletzt für die beiden griechischen Wächter.

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Arte ab 2.5. und ab 3.5. in der ARD Mediathek

Eden von Dominik Moll

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"Eden" erzählt von Menschen, die in einem von Migration verunsicherten Europa ihren Platz finden müssen.

"Eden" erzählt von Menschen, die in einem von Migration verunsicherten Europa ihren Platz finden müssen.

Die deutsch-französische Koproduktion blickt hinter die Kulissen der europäischen Flüchtlingspolitik.

Fünf verschiedene Handlungsstränge in Europa werden miteinander verknüpft.

Aufwühlende Einzelschicksale lassen in unterschiedliche Welten eintauchen.

Das Politdrama behält die Frage um das humane Miteinander immer im Auge.

Fünf Geschichten laufen aufeinander zu

Europa ist nicht einfach ein Sehnsuchtsort, sondern ein großer komplexer Zusammenhang. Was banal klingt, wird hier ziemlich gut illustriert. Fünf Handlungsstränge laufen langsam aufeinander zu, bei keinem verweilt man länger als jeweils ein bis zwei Minuten. Das garantiert Abwechslung, lässt die individuellen Geschichten aber etwas zu sehr in den Hintergrund treten.

Das Politdrama behält die Frage um das humane Miteinander immer im Auge.

Silke und Jürgen (Juliane Köhler und Wolfram Koch) haben den syrischen Flüchtling Bassem (Adnan Jafar) bei sich aufgenommen, was ihrem Sohn Florian (Bruno Alexander) missfällt.

Willkommenskultur trifft Sprachlosigkeit

Da ist die Familie des syrischen Arztes Hamid, der als Dissident in Paris landet und bald von seiner Vergangenheit in Damaskus eingeholt wird. Oder die Mannheimer Lehrerfamilie Hennings, gespielt von Wolfram Koch und Juliane Köhler, die einen syrischen Flüchtling aufnehmen. Willkommenskultur trifft Sprachlosigkeit, der eigene Sohn reagiert auf den neuen Mitbewohner mit Neid, Frust und ungerechten Provokationen.

Figuren erlangen insgesamt zu wenig Tiefe

Der deutsch-französische Regisseur Dominik Moll fängt das Gefühl der Verlorenheit, auch der Vergeblichkeit, atmosphärisch immer wieder gut ein. Dennoch versucht die Serie, nicht unbedingt Position zu beziehen. Der junge Autor Constantin Lieb hat sich mehr auf das Arrangement verschiedener Perspektiven konzentriert. Die einzelnen Figuren erlangen insgesamt zu wenig Tiefe, so wurden bei diesem Prestigeprojekt doch einige Chance vertan, das Thema der Migration in einer Erzählung jenseits von Thriller oder Terrordrama aufzulösen.

Europa als ein unwirtlicher Garten Eden mit vielen Sündenfällen

Wie die Lage von Flüchtlingen in Europa auf vielen Ebenen im wahrsten Sinn verhandelt wird, wird dennoch deutlich. Im Umgang mit Menschen, die soziale und finanzielle Sicherung aufgeben, letztlich ihre Identität aufs Spiel setzen, erweist sich Europa als ein unwirtlicher Garten Eden mit vielen Sündenfällen.

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