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Filmkritik Kino-Denkmal für Torwartlegende „Trautmann“

Von Julia Haungs

Der Deutsche Bernd Trautmann gehörte in den 50er Jahren zu den besten Torhütern der Welt, war aber nicht Teil der deutschen Weltmeister-Elf. Stattdessen wurde der ehemalige Kriegsgefangene zum Torwarthelden von Manchester City. Regisseur Marcus H. Rosenmüller hat jetzt seine bewegte und bewegende Lebensgeschichte verfilmt.

Traut the Kraut

„Traut the Kraut“ rufen ihn die englischen Fußballfans anfangs. Und das ist noch einer der freundlicheren Titel, mit denen der Deutsche Bernd, genannt „Bert“, Trautmann in der Nachkriegszeit bei Manchester City begrüßt wird.

2:08 min

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Kinotrailer „Trautmann“

Der Kriegsgefangene Bernd Trautmann wurde als Torhüter bei Manchester City zur Legende. Marcus H. Rosenmüller hat jetzt seine Geschichte verfilmt.

Vorbehalte gegen den Nazi-Torwart

Schließlich war er als Wehrmachtssoldat bis vor kurzem noch in einem britischen Kriegsgefangenenlager inhaftiert. Die Vorbehalte gegen den vermeintlichen Nazi-Torwart sind groß, nicht nur bei den Journalisten der ersten Pressekonferenz 1949.

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Kinostart 14.03.

„Trautmann“ von Marcus H. Rosenmüller

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1945 wird der deutsche Soldat Bernd Trautmann (David Kross) in einem britischen Kriegsgefangenenlager in England interniert.

1945 wird der deutsche Soldat Bernd Trautmann (David Kross) in einem britischen Kriegsgefangenenlager in England interniert.

Das Arbeitslager steht unter der Leitung von Sergeant Smythe (Harry Melling), der dort ein hartes Regiment führt und versucht, jeden Nazi-Verbrecher hart zu bestrafen.

Weil Trautmann sich jedoch weigert, über seine Kriegslaufbahn zu berichten, wird er zum Latrinendienst verdonnert und entgeht der Strafe zunächst.

Als Trautmann einige andere Gefangene beim Fußballspiel beobachtet, schließt er sich kurzerhand an. Schnell sorgt er als Torhüter mit Glanzparaden für Aufsehen.

Bald schon wird Jack Friar (John Henshaw) auf Trautmann aufmerksam: seine Mannschaft spielt gerade gegen den Abstieg und hat ein Torhüterproblem. Unter einem Vorwand schafft es Friar, sich den Gefangenen für eine Woche aus dem Lager auszuleihen.

Obwohl sich die englischen Spieler zunächst weigern, mit einem Nazi aufs Feld zu gehen, gelingt dem Team von Friar gerade wegen Trautmanns Leistung ein Sieg.

Die Zeitungen und auch die Dorfbewohner sind jedoch nicht so angetan von der Tatsache, dass in ihrem Team ein Nazi mitspielt.

Trautmann schlägt viel Gegenwind entgegen, doch als das Lager geschlossen wird, kann er sich vor Angeboten von namhaften Fußballclubs kaum retten.

Auch mit der vorher eher kritischen Tochter seines Förderers, Margaret Friar (Freya Mavor), klappt es plötzlich: die beiden werden ein Liebespaar und für den jungen Bernhard Trautmann beginnt ein neues Leben.

Für Regisseur Marcus H. Rosenmüller ist es die erste internationale Produktion. Die Geschichte von Bernhard Trautmann hat ihn sofort gepackt: "Robert Marciniak hat mich gefragt: „Kennst Du diesen Trautmann?“ Und ich muss zugeben, ich kannte ihn nicht, und das, obwohl Fußball meine große Leidenschaft ist und diese Geschichte so sensationell war."

Bemüht um Integration

Trautmann lässt die öffentlichen Proteste stoisch über sich ergehen und überzeugt durch einwandfreies Betragen, große Integrationswilligkeit und konstante Leistung. In den Fußball-Szenen hechtet David Kross als Trautmann entschlossen von einer Ecke des Tors in die andere und hält fast jeden Ball. Bald schon verwandeln sich die Buhrufe der Fans in frenetischen Jubel. 

Ein Zeitungsjunge im Film Trautmann.

Die liebevolle Ausstattung in "Trautmann" beschreibt das englische Kleinbürgertum der 50er Jahre treffend


Legende des englischen Fußballs 

Höhepunkt des Films ist der Sieg im Pokalfinale gegen Birmingham 1956. Es machte Trautmann in England zur Legende. Nach einem schweren Foul spielte der Torwart die letzten 20 Minuten mit gebrochenem Halswirbel weiter.  

Körperliche und psychische Schmerzen

Die folgenden fünf Monate verbringt Trautmann in einem Gips vom Kopf bis zu den Hüften. Doch mehr noch als die körperlichen Schmerzen quälen den Torwart im Film psychische: Posttraumatische Belastungsstörung des ehemaligen Soldaten würde man heute sagen. Kurze Flashbacks führen immer wieder zurück zu einzelnen Kriegsszenen. Vor allem zu einer, in der er Schuld am Tod eines Jungen auf sich geladen hat.

Fußball-Handlung und Zeitgeschichte

Historisch verbürgt ist das nicht. Aber ähnlich wie Sönke Wortmanns „Wunder von Bern“ versucht Regisseur Marcus H. Rosenmüller die Fußball-Handlung eng mit dem zeitgeschichtlichen Hintergrund zu verknüpfen.

John Henshaw als Jack Friar im Film "Trautmann".

Der Trainer Jack Friar (John Henshaw) wird auf Trautmann aufmerksam und schafft es unter einem Vorwand, den Gefangenen für eine Woche aus dem Lager auszuleihen.

Zugespitzte Biographie eines Ausnahmesportlers

Zu diesem Zweck nimmt sich Rosenmüller einige Freiheiten und spitzt die Biographie Trautmanns zu. Immer ist klar: hier geht es nicht nur um die Geschichte eines Ausnahme-Sportlers, sondern zugleich um die großen Fragen von persönlicher Verantwortung im Krieg, kollektiver Schuld und die Möglichkeit der Versöhnung. 

Erster großer internationaler Film  

Seit seinem Durchbruch mit „Wer früher stirbt, ist länger tot“ kennt man Marcus H. Rosenmüller für seine modernen, bayerischen Heimatfilme. „Trautmann“ ist seine erste große internationale Produktion.

Die Ausstattung ist liebevoll, und auch das Milieu des englischen Kleinbürgertums zeichnet Rosenmüller treffend. Die traumwandlerische Sicherheit, mit der er sich im bayerischen Dialekt bewegt, fehlt diesem Film allerdings.

Hölzerne Synchronfassung, sepiafarbene Nostalgiebilder

Gedreht in Englisch, wirkt zumindest die deutsche Synchronfassung teilweise sehr hölzern und pädagogisch. In sepiafarbene Nostalgiebilder getaucht und mit reichlich Pathos unterfüttert, sehen wir, wie der verhasste Außenseiter erst das Herz einer Frau und dann das Großbritanniens erobert.

Keine filmische Glanzparade

Über 500 Mal stand Trautmann für Manchester City im Tor. Für seine Verdienste um die deutsch-britische Verständigung erhielt er 2004 den „Order of the British Empire“.

Gerade in Zeiten der Brexit-Entfremdung eine interessante Geschichte, wenn auch filmisch keine Glanzparade.

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