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Theater Ein Deutscher als Arbeitsmigrant: „Die Küche“ von Arnold Wesker in Freiburg

Von Astrid Tauch

Die prekären Arbeitsverhältnisse von Einwanderern aus deutscher Perspektive erlebbar machen: Am Theater Freiburg bringt der iranische Regisseur Amir Reza Koohestani ein Stück von Arnold Wesker aus den 60er Jahren auf die Bühne. In dem sozialkritischen Drama ist es ein Deutscher, der sich, beargwöhnt und angefeindet, in einer Londoner Großküche durchschlagen muss.

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Eine Großküche im London der späten fünfziger Jahre. Von morgens bis abends wird gekocht, gebacken und geträumt: Während 1.500 Essen zubereitet werden müssen, träumen sich die Küchenmitarbeiter in ferne Länder. Sie streiten und flirten zwischen Gasherd und Mülleimern.

Auf dem Bild: Lukas Hubfeld, Thieß Brammer und Martin Hohner.

Eine Großküche im London der späten fünfziger Jahre. Von morgens bis abends wird gekocht, gebacken und geträumt: Während 1.500 Essen zubereitet werden müssen, träumen sich die Küchenmitarbeiter in ferne Länder. Sie streiten und flirten zwischen Gasherd und Mülleimern.

Auf dem Bild: Lukas Hubfeld, Thieß Brammer und Martin Hohner.

Das bunt zusammengewürfelte Personal – Iren, Franzosen, Griechen und auch Deutsche – kämpft gegen die Zeit. Akkordarbeit von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund: Da fliegen Wortfetzen in vielen Sprachen hin und her in der aufgeladenen Atmosphäre. Ausländerfeindlichkeit schwingt mit, auch gegen den deutschen Koch Peter. Schließlich ist der Zweite Weltkrieg erst 15 Jahre her, da kann man dem „german bloody bastard“ nicht über den Weg trauen.

Auf dem Bild: Likhanyo Bele und Martin Hohner.

Genau das hat den iranischen Regisseur Amir Reza Koohestani interessiert: ein Perspektivwechsel des Zuschauers. Chefdramaturg Rüdiger Bering: „Es ging darum zu zeigen, wie eine migrantische Gesellschaft hinter den Kulissen, unsichtbar, funktioniert. Vor 60 Jahren gab es die Situation, dass Deutsche unter den Migranten waren. Eine interessante Parallele zu heute, wo wir die Diskussion haben, wieviel Migranten wir selbst aushalten.“

Auf dem Bild: Marieke Kregel, Lukas Hupfeld, Thieß Brammer, Lukhanyo Bele und Tim Alwindawe.

Die Geschichte des deutschen Schiffskochs Peter zieht sich wie ein roter Faden durch die Küche: Ein Migrant, der unter seinen Kollegen keine Freunde hat. Eine Affäre hat er mit Monique, die verheiratet ist und schon zwei Kinder von ihm abgetrieben hat. Alle anderen Figuren im Stück sind nur angedeutet, sind Teil eines Mikrokosmos, dessen Überleben davon abhängt, dass alle mithalten können in dieser wilden Kakophonie aus scharf gebellten Befehlen und scheppernden Töpfen.

Auf dem Bild: Anja Schweitzer, Victor Calero, Angela Falkenhan, Lukhanyo Bele und Henry Meyer.

Auch das ist ein Anliegen des Regisseurs, die Kapitalismuskritik - Arbeitsbedingungen in einer kapitalistischen Maschinerie zu zeigen. Rüdiger Bering: „Alle Figuren fühlen sich als ein kleines Rädchen im Getriebe, aus dem man nicht herauskommt, und in dem jeder, der ausbrechen will, ersetzbar ist.“

Auf dem Bild: Lukhanyo Bele, Henry Meyer, Lukas Hupfeld, Stefanie Mrachacz, Martin Hohner und Hartmut Stanke

In diesem Getriebe kann keine Solidarität entstehen. Der britische Autor Arnold Wesker war überzeugter Sozialist, beschreibt aber eine Realität, die wenig Platz lässt für politische Utopien. Dass sein Stück so selten gespielt wird, hat aber damit nichts zu tun. Seine Originalversion sieht 30 Rollen vor, für ein Theater nicht zu stemmen. In Freiburg ist das gesamte Ensemble auf der Bühne, zwei Gastschauspieler inklusive. Trotzdem wurde „Die Küche“ auf 17 Schauspieler reduziert.

Auch gekocht wird nicht live, wie im Original vorgesehen. Multitasking zwischen Brutzeln und Dialogen wollte man den Akteuren nicht zumuten, so Rüdiger Bering. Was sollte man auch mit 1.500 Essensportionen in einem Theater machen? „Wir haben anfangs fantasiert, ob wir das Essen am Ende ausgeben sollen. Aber was ist, wenn wir das Publikum vergiften? Das wäre keine Lösung gewesen.“

3:34 min | Fr, 17.5.2019 | 12:33 Uhr | SWR2 Journal am Mittag | SWR2

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Ein deutscher Arbeitsmigrant: „Die Küche“ von Arnold Wesker in Freiburg

Astrid Tauch

Die prekären Arbeitsverhältnisse von Einwanderern aus deutscher Perspektive erlebbar machen: Am Theater Freiburg bringt der iranische Regisseur Amir Reza Koohestani ein Stück von Arnold Wesker aus den 60er Jahren auf die Bühne. In dem sozialkritischen Drama ist es ein Deutscher, der sich, beargwöhnt und angefeindet, in einer Londoner Großküche durchschlagen muss.


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