Bitte warten...

"Judas" Monolog von Lot Vekemans Samuel Koch als „Judas“ am Nationaltheater Mannheim

Von Annette Lennartz

Samuel Koch gelingt auf der Bühne des Nationaltheaters als „Judas“ im Solostück von Lot Vekemans ein anspruchsvoller Solo-Abend. Bekannt wurde der Schauspieler 2010 nach seinem Unglück bei „Wetten dass..?“. Seitdem ist er gelähmt. Über einen Mann, der sich nicht geschlagen gegeben hat.

Eine intensive Theaterstunde mit Samuel Koch

Ich bin Judas! Samuel Koch schleudert diesen Namen noch einmal ins Publikum. Dann endet das Stück, Judas, dieser Name, der zum Fluch wurde, wird weiterhin für Verrat und Heimtücke stehen, aber nach dieser intensiven Theaterstunde sehen wir den Menschen Judas. Es gibt viele Minuten Applaus.

Samuel Koch in der Maske: Zwei Stunden zur Verwandlung in „Judas“

1:46 min | Do, 11.10.2018 | 18:40 Uhr | SWR2 Kultur aktuell | SWR2

Mehr Info

Hauptrolle am Nationaltheater Mannheim

Samuel Koch verwandelt sich in Judas

Nationaltheater Mannheim

Quelle: Nationaltheater Mannheim

Samuel Koch sieht aus wie der „Schrei“ von Munch

Bei der Uraufführung des Monologs in München vor sechs Jahren stand der Hauptdarsteller nackt auf der Bühne. Samuel Koch dagegen, der von der Schulter abwärts gelähmt ist, schwebt hoch über der schwarzen Bühne, sitzt in einer Art Himmelsschaukel.

Der gesamte Kopf ist mit einer durchsichtigen Silikonschicht überzogen. Ohne Haare, mit kahlem Schädel und tiefliegenden Augen sieht er aus wie der personifizierte „Schrei“ von Munch. Im Schneidersitz spricht er präsent, mal eindringlich, mal wie zu einem Freund im Café, über sein Leben mit Jesus.

1/1

Bilder

Eindringlich - Samuel Koch als „Judas“ am Nationaltheater Mannheim

In Detailansicht öffnen

Eindringlich auf finsterer Bühne: Samuel Koch in „Judas“, ein Monolog von Lot Vekemans, am Nationaltheater Mannheim, Oktober 2018.

Eindringlich auf finsterer Bühne: Samuel Koch in „Judas“, ein Monolog von Lot Vekemans, am Nationaltheater Mannheim, Oktober 2018.

Innere Stimmen als Videoinstallation umspielen Samuel Koch

Samuel Koch hat den brillanten Text von Lot Vekemans durchdrungen. Er nimmt den Glauben unter die Lupe, der angeblich Berge versetzt und Menschen zum Handeln treibt.

Zehn Köpfe, bespielt mit Videoprojektionen, umkreisen ihn, löchern ihn mit Fragen. Sie alle zeigen Samuel Koch und sind seine inneren Stimmen. Natürlich geht es dabei vor allem um die Schuld. Judas, doch eigentlich der engste Freund von Jesus, hat ihn mit einem Kuss verraten.

Ohne Judas kein Erfolg des Christentums

Die 20 Silberlinge Belohnung waren es nicht. Dafür hätte er nicht mal einen Anzug kaufen können. Warum also? Hatte Jesus nicht selbst vorher oft den Verrat und die Auferstehung nach seinem Tod angekündigt? Die Antwort von Judas: Ohne seinen Verrat wäre das Christentum niemals diese große Weltreligion geworden.

Eine verblüffende Logik, ein Gedanke, den auch schon moderne Theologen formuliert haben. Der Niederländerin Lot Vekemans ist es gelungen, Judas anders zu zeigen, nicht als Bestie, sondern als einen Menschen, von dem wir lernen können.

Gut dass Samuel Koch nicht aufgegeben hat

In direkter, emotionaler Sprache schafft sie das Psychogramm eines Mannes, der Verrat geübt hat, weil er zweifelte. Samuel Koch nimmt man jedes Wort ab.

Wer nur in dieses Stück geht, um zu sehen, wie ein Rollstuhlfahrer auf der Bühne zurechtkommt, wird überrascht sein, welche weitaus wichtigeren Fragen da gestellt werden. Vor allem, wie sehr Worte und Mimik fesseln können. Gut, dass Samuel Koch 2010 nach dem Unfall die Schauspielausbildung fortgesetzt, sich nicht geschlagen gegeben hat.


Weitere Themen in SWR2