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Tanztheater Othello in Kaiserslautern – beeindruckend getanzt

Von Natali Kurth

Das Pfalztheater Kaiserslautern präsentiert „Othello“ als zeitgenössisches Tanzstück. Die Tragödie von William Shakespeare dient als Vorlage für die knapp dreistündige Choreografie von Ballettdirektor James Sutherland. Eine nüchterne und trotz dramaturgischer Schwächen beeindruckende Leistung des Kaiserslauterer Ensembles.

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Pfalztheater Kaiserslautern

Bilder zur Choreografie von "Othello"

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Überdimensionale schwarze Dornen ragen von allen Seiten aus einer transparenten Bühnenumrandung heraus. Der Raum im Innern ist Schauplatz der barocken Tragödie, deren Entstehung etwa auf das Jahr 1603 datiert wird. Mehr als 400 Jahre später spielt das Orchester des Pfalztheaters Kaiserslautern auf der Empore Brian Eno, Henrico Albicastro oder John Adams. Eine rasante Werkauswahl, die die Varianz der unterschiedlichen Charaktere und die venezianische Gesellschaft zeigen soll.

Auf dem Bild: Huy Tien Tran als Othello und Davide Degano als Cassio.

Überdimensionale schwarze Dornen ragen von allen Seiten aus einer transparenten Bühnenumrandung heraus. Der Raum im Innern ist Schauplatz der barocken Tragödie, deren Entstehung etwa auf das Jahr 1603 datiert wird. Mehr als 400 Jahre später spielt das Orchester des Pfalztheaters Kaiserslautern auf der Empore Brian Eno, Henrico Albicastro oder John Adams. Eine rasante Werkauswahl, die die Varianz der unterschiedlichen Charaktere und die venezianische Gesellschaft zeigen soll.

Auf dem Bild: Huy Tien Tran als Othello und Davide Degano als Cassio.

Othello, getanzt von Huy Trien Tran (links) und Jago, dargestellt von Ermanno Sbezzo, eröffnen in ruhigen Tanzsequenzen die Szenerie zu Musik von Brian Eno mit einem sehr vertraut wirkenden Duett - harmonisch ineinander übergehende Bewegungen als Ausdruck ihrer Freundschaft.

Jura Wanga gibt eine emanzipiert wirkende Desdemona. Die venezianische Gesellschaft trägt dem Barock nachempfundene Röcke aus gold-schwarzem Brokat. Hier gelingen James Sutherland konzentrierte Gruppenszenen.

Bemerkenswert an der Kaiserslauterer Choreographie ist, dass von Anfang an eher Jago, nicht Othello im Vordergrund steht. Was zum einen an der Bühnenpräsenz von Ermanno Sbezzo und seiner einnehmenden tänzerischen Interpretation seiner Rolle liegt. Zum anderen sieht Ballettdirektor James Sutherland in Othello offenbar auch nicht den dominanten Feldherren, sondern eher einen von seiner Zuneigung zu Desdemona verunsicherten Mann.

Auf dem Bild: Hermanno Sbezzo als Jago und Camilla Marcati als Emilia.

Die Bewegungen, die Sutherland seinem Othello zuschreibt, wirken zurückhaltend, als werde Othello ausgebremst. So entsteht ein beinahe nüchternes Pas de deux, das aber ob seiner Klarheit die Liebe des Paares trotzdem überzeugend darstellt. Auf jeden Fall eine gelungene Abgrenzung zu der berühmten Version von John Neumeier, an der sich jede neue Adaption zu messen hat. Neumeier setzte in seinem Othello - wie in fast allen seinen Werken - auf übertriebenes Pathos, diabolische Kraft und süßliche Verliebtheit.

Auf dem Bild: Huy Tien Tran als Othello, im Hintergrund Luca Zahn als Narr.

Leider tappt James Sutherland in eine andere Othello-Falle. Er vertraut nicht allein dem Tanz, sondern installiert mit dem Schauspieler Luca Zahn einen Hofnarren und Erzähler (rechts), der das Geschehen kommentiert. Überambitioniert wirken auch die tänzerischen Einlagen, die seine Worte in eine Art tänzerische Gebärdensprache umsetzen.

Auf dem Bild: Othello (Huy Tien Tran) mit dem Narren.

Einen rauschhaften Höhepunkt im ersten Teil markiert die Ausnahme-Violistin Anna Sophie Dauenhauer, die ihre Geige traktiert, als arbeite sie ein persönliches Beziehungsdrama auf. Nach der Pause wird es insgesamt dynamischer. Sutherland arbeitet mit Stroboskop und Lichtkegeln, springt akzentuiert zwischen den zentralen Duos hin und her, bringt Schnelligkeit in die zuweilen im ersten Teil etwas schleppend werdende Choreografie. Othello küsst Jago, ein verzweifelter Schritt, die Freundschaft zu retten.

Auf dem Bild: Ermanno Sbezzo als Jago und Camilla Marcati als Emilia.

In Shakespeare'scher Manier treibt der Kaiserslauterer Ballettdirektor seine Akteure in den Wahnsinn, bis Othello seine Desdemona vor Verzweiflung mit einem lauten Schlag an die Wand schmettert. Eine insgesamt beachtliche Leistung des Kaiserslauterer Ensembles und ein mutiger Schritt von James Sutherland, den das Publikum mit Jubel belohnt.

3:39 min | Mo, 4.3.2019 | 12:33 Uhr | SWR2 Journal am Mittag | SWR2

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Tanztheater

Beeindruckend getanzter Othello in Kaiserslautern

Natali Kurth

Das Pfalztheater Kaiserslautern präsentiert „Othello“ als beeindruckendes zeitgenössisches Tanzstück in der Choreografie von Ballettdirektor James Sutherland.


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