Bitte warten...

Tanz Zwischen Party und Gefängnis: „Freiheit“ am Staatstheater Mainz

Von Natali Kurth

„Freiheit“ heißt die letzte Premiere in der Sparte Tanz am Staatstheater Mainz. Zum Ende einer erfolgreichen Saison mit stets ausverkauften Vorstellungen zeigen die israelischen Hauschoreografen, Guy Weizman und Roni Haver, ein Vexierspiel um Freiheit und deren Zerbrechlichkeit.

1/1

Tanz

„Freiheit“ von Guy Weizman und Roni Haver in Mainz

In Detailansicht öffnen

Die Welt der Hauschoreographen Guy Weizman und Roy Haver ist rosarot. Die Bühne ist in rosarotes Licht getaucht, die Tänzer und Tänzerinnen tragen anfangs rosarote Hängekleidchen - ja sogar ihre Haut ist rosarot angemalt. Und um ganz sicher zu gehen, tragen einige rosarote Brillen.

Die Welt der Hauschoreographen Guy Weizman und Roy Haver ist rosarot. Die Bühne ist in rosarotes Licht getaucht, die Tänzer und Tänzerinnen tragen anfangs rosarote Hängekleidchen - ja sogar ihre Haut ist rosarot angemalt. Und um ganz sicher zu gehen, tragen einige rosarote Brillen.

Die vermeintliche Idylle ist natürlich keine. „Freiheit“ heißt der Titel des Stücks, das uns über eine kurzweilige Stunde amüsante bis messerscharf kritische Tanzkunst vor Augen führt. Bis auch der Letzte gemerkt hat, dass Freiheit immer auch eine Frage der Perspektive ist.

Auf dem Bild: Eliana Stragapede

Was für den Zuschauer zu Anfang wirkt wie eine ausgelassene Party mit lauter Verrückten, ist für die acht Tänzer konzentrierte Hochleistung.

Es gibt ein enges dramaturgisches Korsett mit insgesamt 18 Szenen oder Bewegungsfolgen, die alle ihre eigene Bedeutung haben. Jede Szene dauert genau 3 Minuten 20. Um sich auf die nächste Szene einzustellen bleiben inclusive ständigem Kostümwechsel nur ein paar Sekunden.

Matti Tauru stöckelt auf High Heels im rosa Minirock umher. Eliana Stragapede (Bild) weigert sich, nackt zu tanzen, weil ihre Religion es verbietet. Frauen dominieren Männer beim Sex, und Louis Thuriot hält ein komisch-bissiges Pamphlet über die Farbe Rosa.

Das Bühnenbild von Ascon de Nijs ist eine wunderschöne wellenartige Metallkonstruktion. Aber auch hier trügt der Schein - von oben herabgelassen, wird das Gerüst zum Gefängnis. Die Tänzer sehen dahinter aus wie Hannibal Lecter im Film „Das Schweigen der Lämmer“.


Auf dem Bild: Nora Monsecour

Zu gnadenlosen Störgeräuschen winden sich die Tänzer, zucken ihre Körper, als würden 180 Volt in sie hineinschlagen. Die rosa Kleidchen sind Schutzkleidung, Atemmasken, Kniepolstern und Schutzhelm gewichen. Einer trägt eine Tür mit der Aufschrift „Notausgang“ auf dem Rücken.

Auf dem Bild: Daria Hlinkina

Nichts ist mehr komisch, wir befinden uns im Krieg. Die Tänzerin Maasa Sakano ist am ganzen Körper mit weißer Farbe bemalt und schutzlos dem Schrecken ausgesetzt. Sie öffnet ihren Mund zum Schrei und man assoziiert sofort das Bild des nackten Mädchens Kim, dass im Vietnamkrieg vor einer Napalm-Wolke flieht.

Im Theater trägt sie eine weiße Flagge mit sich, im echten Leben hätte ihr auch die nichts genützt. Die Uraufführung „Freiheit“ von Guy Weizman und Roni Haver ist ein kontrastreicher Parcour. Er spornt an zur Reflexion über die eigene Freiheit - oder was man dafür hält.

3:26 min | Fr, 7.6.2019 | 12:33 Uhr | SWR2 Journal am Mittag | SWR2

Mehr Info

Tanz

Zwischen Party und Gefängnis: „Freiheit“ am Staatstheater Mainz

Nathali Kurth

Zum Abschluss einer erfolgreichen Saison der Tanzsparte am Mainzer Staatstheater zeigen Guy Weizman und Roni Haver ein Stück über „Freiheit“ und deren Zerbrechlichkeit.


Weitere Themen in SWR2