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Sonderveranstaltung im Arp Museum Rolandseck Die SWR2 Kulturnacht im Japanfieber

Veranstaltung

Datum:
Mittwoch, 10. Oktober 2018
Beginn:
19:30 Uhr
Ort:
Arp Museum Bahnhof Rolandseck
Programm:

Ulrich Noethen liest aus "Seide" von Alessandro Barrico

Kai Schumacher spielt Werke von Debussy, Ravel und japanischen Komponisten

Oliver Kornhoff, Susanne Blöcker und Astrid v. Asten, Arp Museum, über die Öffnung Japans, Impressionismus und Japonismus, Manga und Animé

Mitwirkende:

Schauspieler Ulrich Noethen

Pianist Kai Schumacher

Cosplayer posieren bei der Ausstellung "Im Japanfieber" im Arp Museum Rolandseck

Cosplayer im Arp Museum Rolandseck

Japan-Begeisterung in Europa

Als sich Japan in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts modernisierte und öffnete, begann der enorme Einfluss japanischer Kunst und Kultur auf Europa. Ein wahres Japanfieber erhitzte das europäische Publikum.

Fernöstliche Requisiten eroberten die Salons und zierten beispielsweise Arbeitstisch des Komponisten Claude Debussy. Der Maler Claude Monet begeisterte sich für japanische Farb-Holzschnitte und ließ seinen berühmten Garten in Giverny teils nach japanischem Vorbild gestalten.

Ulrich Noethen liest aus "Seide"

Musik, Lesungen und Gespräche der SWR2 Kulturnacht machen dieses Japanfieber verständlich.

Der Schauspieler Ulrich Noethen liest dazu aus dem Bestsellerroman "Seide" von Alessandro Barrico. Darin wird die Geschichte eines französischen Seidenraupenhändlers und seinen Reisen ins Japan des 19. Jahrhunderts erzählt.

Ulrich Noethen bei der XX. Potsdamer Schlössernacht 2018 im Schlosspark Sanssouci.

Schauspieler Ulrich Noethen liest bei der Kulturnacht "Japanfieber" im Museum Rolandseck.

Pianist Kai Schumacher spielt japanische Komponisten

Der Pianist Kai Schumacher ist ein Experte für zeitgenössische Musik und ausgefallene Klang-Arrangements. Er spielt ausgewählte Werke von Debussy und Ravel, aber auch eine Auswahl zeitgenössischer Musik von japanischen Komponisten.



Monet, van Gogh und Mangas

Die große Schau im Arp Museum zeigt, wie stark Japan die europäische Kunst beeinflusst. Meisterwerke von Monet und van Gogh sind darin ebenso zu sehen wie moderne Mangas.

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Ausstellung "Im Japanfieber" im Arp Museum Rolandseck

Wie Japan die europäische Kunst prägte

In Detailansicht öffnen

Ausstellungsbericht von Martina Conrad

Wie Vorhänge winden sich die grünen Zweige einer Trauerweide über eine gebogene Holzbrücke. So hat Claude Monet in den 1920er Jahren seinen Garten gemalt. Ausschnitt und Motiv sind zweifellos beeinflusst von fernöstlichen Kulturen, sagt Susanne Blöcker, Kuratorin der Ausstellung „Im Japanfieber“ im Arp Museum Rolandseck: „Das Revolutionäre ist, dass man über diesen Blick aufs Detail quasi den Weg in die Abstraktion findet. Dass man plötzlich auf die Reflexe auf der Brücke und auf den Weidenzweigen achtet - und dadurch das große Ganze nicht mehr als so wichtig empfindet, sondern die Spannung zwischen Licht und Schatten.“

Claude Monet, Die japanische Brücke, 1918–1924.

Ausstellungsbericht von Martina Conrad

Wie Vorhänge winden sich die grünen Zweige einer Trauerweide über eine gebogene Holzbrücke. So hat Claude Monet in den 1920er Jahren seinen Garten gemalt. Ausschnitt und Motiv sind zweifellos beeinflusst von fernöstlichen Kulturen, sagt Susanne Blöcker, Kuratorin der Ausstellung „Im Japanfieber“ im Arp Museum Rolandseck: „Das Revolutionäre ist, dass man über diesen Blick aufs Detail quasi den Weg in die Abstraktion findet. Dass man plötzlich auf die Reflexe auf der Brücke und auf den Weidenzweigen achtet - und dadurch das große Ganze nicht mehr als so wichtig empfindet, sondern die Spannung zwischen Licht und Schatten.“

Claude Monet, Die japanische Brücke, 1918–1924.

Insbesondere der andere Blick in die Natur, fixiert auf ein Detail, der gewagte Ausschnitt und das flächige Panorama ohne Zentralperspektive inspirierte die französischen Impressionisten. Nach der Öffnung Japans hin zum Westen Ende des 19.Jahrhunderts hatten sie erstmals Kontakt zu fernöstlichen Farbholzschnitten durch die Weltausstellung in Paris und den deutschen Kunsthändler Siegfried Bing, der in der französischen Hauptstadt mit japanischer Kunst handelte.

Claude Monet, Die Felspyramiden von Port-Coton, 1886, Arp Museum Bahnhof Rolandseck / Sammlung Rau für UNICEF.

Die Ausstellung im Arpmuseum zeigt wunderbare Gemälde von Paul Signac, der seine Frauenmotive wie Geishas in Szene setzte, von Gustave Caillebotte, der nur Margeriten wie ein Muster malte, und dann immer wieder Gartenbilder von Monet. Der in Rolandseck heimischen Sammlung Rau ist dieser Kontakt zum Impressionisten-Museum in Giverny zu verdanken, denn seit Jahren gehen Leihgaben hin und her.

Paul Signac, Frisierszene. Opus 227 (Dekorationsentwurf für einen Waschraum), 1892, Privatsammlung.

Parallel zu dieser Schau kann man sich im historischen Bahnhof Rolandseck einer sogenannten Trivialkunst widmen.

Hier: Pummelpanda, Magical Girl Nana, 2018.

Kuratorin Astrid von Asten: "Der Manga-Teil der Ausstellung knüpft an den Monet-Teil an und zeigt uns, wie traditionsgemäß auch heute die Populärkultur von Japan nach Europa immer weiter rüber schwappt und mittlerweile von der eigenen Kultur quasi schon assimiliert wird."

Kuratorin Astrid von Asten: "Diesen Einfluss der japanischen Populärkultur sehen wir in den Bereichen Manga, Animé und Cosplay, die hauptsächlich nach Deutschland geholt worden sind und jetzt in Deutschland spielen."


Hier: Eine fantastische Verfolgungsjagd mit dem Magical Girl Seven, von der Zeichnerin Christina S. Zhu alias Pummelpanda. Die Bildergeschichte ist auf der Tunnelwand zwischen Alt- und Neubau der Arpmuseums angebracht und verbindet so die beiden Ausstellungsteile.

Auch dieses Kapitel Japan-Europa ist ein Crossover aus dem 19.Jahrhundert, denn der Künstler Hokusai hat schon 1840 seine Skizzenbücher "Mangas" genannt. Sie wurden die ersten Massenmedien, Vorläufer der heutigen Mangas.

Katsushika Hokusai, Klare Morgendämmerung bei Südwind, 1829-1833. Ehemalige Sammlung Claude Monet Giverny, Fondation Claude Monet.

Mit Manga und Animé wird demonstriert, dass auch Trickfilme wie Heidi und die Biene Maja ihre Wurzeln im japanischen Farbholzschnitt haben.

Utagawa Hiroshige, 1797-1858: Suruga-cho, 100 berühmte Ansichten von Edo.

Schon Hokusai verwendete das sogenannte Kindchenschema mit großen Kulleraugen und Stupsnase. Neben diesen Holzschnitten (hier: Utagawa Hiroshige, Ansicht der Küste von Futamigaura, 1847–1852) und einem speziell für Rolandseck beauftragten Manga mit Szenen aus dem Siebengebirge ...

Hier: Utagawa Hiroshige, Ansicht der Küste von Futamigaura, 1847–1852, Fondation Claude Monet, Giverny.

... kann man hier Animationsfilme, die sogenannten Animés, sehen und selbst im Cosplay mit Hilfe von Kostümen zu Helden dieser Comics werden.

Auf diese Weise erweitert sich das Ausstellungsspektrum des Arpmuseums von Monet bis zum Manga in die sogenannte Populärkunst.

Hier: Cosplayerin Ai_Kue als Nana vor Doc Flashflesh, Jonathan Meese, 2008.

Daneben zeigt das Arpmuseum aber auch die historischen Vorläufer und anhand hochkarätiger Werke um 1900 den Weg der europäischen Künstler durch die japanische Kunst hin zur Moderne.

Parallel dazu gibt es einen japanischen Garten vor dem Museum und im historischen Bahnhof Rolandseck eine Mitmachausstellung zu frühen japanischen Mangas und deren heutiger europäischer Ausformung.

"Im Japanfieber. Von Monet bis Manga" im Arp Museum Rolandseck. 26.8.2018 bis 20.1.2019.


Manga-Fieber und Cosplayers

Weit verbreitet ist das Japanfieber heute in der Jugendkultur. Die Leidenschaft der sogenannten Cosplayers: Sie spielen Figuren aus Manga-Filmen nach, verwandeln sich in Fantasiewesen mit aufwendig gestalteten Kostümen. Helmut Reinelt vom Arp Museum hat einige von ihnen porträtiert.


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